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Aus den Regionen

Die große Ecki-Niemann-Show

von , am
06.08.2015

Bürgerinitiative gegen Bauern: Die Diskussion findet immer nach dem gleichen Muster statt. Auch in Asendorf (Lkr. Diepholz) drohte eine mühsame Auseinandersetzung, bis die "große Ecki-Niemann-Show" startete. Die LAND & Forst war dabei.

Der Diplom-Agraringenieur beginnt seine "Show" mit der Selbstinszenierung als "einer von Euch". © Sabine Hildebrandt
Hereinspaziert: "Seien Sie dabei! Eintritt frei" heißt es auf den Einladungen zum Info-Abend im Gasthaus Uhlhorn. Die Begleitmusik von der Drehorgel fehlte allerdings. Denn nicht der Zirkus wurde damit angekündigt, sondern Eckehard Niemann. Der Pressesprecher der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) wurde eigens aus dem Kreis Uelzen "eingeflogen", um das zu tun, was für ihn eine Lebensaufgabe ist: gegen die so genannte Massentierhaltung zu wettern.

Worum geht es?

Auf einer alten Hofstelle in Altenfelde bei Asendorf plant Landwirtsfamilie Eckebrecht zusätzlich zu ihrer vorhandenen Schweinehaltung im geschlossenen System einen 1.000er-Sauenstall. Der Bauantrag samt Immissionsgutachten wurde eingereicht, die Nachbarn eingeladen, um ihnen in Vechta ein vergleichbares Objekt zu zeigen. Die Zahl der regionalen Ferkelerzeuger ist übrigens seit Jahren rückläufig. So weit, so gut. Wären da nicht die Ängste von Anwohnern wie Dieter Bischoff. "Was ist mit dem belasteten Wasser aus den Abluftwäschern? Was ist mit den Keimen?" Stichwort, Auftritt Ecki Niemann.
 
Der Diplom-Agraringenieur beginnt seine "Show" mit der Selbstinszenierung als "einer von Euch". "Ich komme vom Hof, habe mich mit meinem Vater verkracht und war dann Lehrer im Agrarbereich", erzählt er. Vereinzeltes Nicken unter den 200 Zuhörern im Saal. "Wenn ich sehe, wie schnell die Agrarindustrie die Bauern verdrängt, dann ist doch klar, dass in Zukunft nur noch jeder Zehnte hier im Saal sitzt." Die AbL sei auf Bundesebene viel kleiner als der mächtige Bauernverband, aber stets an der Seite der Landwirte. Die David-gegen-Goliath-Nummer bringt verstärkt einseitigen Publikumsapplaus.

Niemann als gewitzter Redner

Eckehard Niemann weiß, wie er die Inszenierung anlegen muss, fordert von vorneherein eine "sachliche Debatte", die Befürwortern wie Gegnern die Luft aus den Lungen nimmt. Seine Vorgaben: 
  1. Keine Diskussion über die Vergangenheit. "Denn früher war nicht alles besser, und wir wollen nicht zurück zum Hahn auf dem Mist."
  2. Flächendeckend Ökobewirtschaftung: "Das ist nicht sinnvoll, und auch bei bio ist nicht alles in Ordnung."
  3. Grenzen: "Deutsche Alleingänge haben Nachteile, wir müssen EU-weit denken."
Verhaltener Beifall nun auch von der bäuerlichen Seite für so viel Einsicht. Mit diesen Aussagen könnte er sich glatt ins Präsidium des DBV wählen lassen. Manch ein Landwirt mag deshalb schon grübeln: Sollte Eckehard Niemann doch wirklich  "einer von uns" sein?

Aber: Keine Show ohne Überraschungseffekt

"Bauern sind Meister im Verdrängen, was den Tierschutz betrifft. Wer als Bauer erst drüber nachdenkt, was im Stall passiert, kann schwer unter diesen Bedingungen Tierhalter sein." Und wie einen Speer schleudert er zu dem Themenkomplex MRSA-Keime und Antibiotika das Bild vom "Fukushima der Massentierhaltung" in den Saal. Rumms - das sitzt! Sauenhalter Heinrich Henke (Brokser Sauen) ist empört: "Das ist eine Beleidigung! Wir haben einen zukunftsfähigen Stall mit einer betriebswirtschaftlichen Größe. Die lässt es zu, dass nicht alles zusammenbricht, wenn ich nicht da bin." Zudem wolle er auch gar keine Antibiotika einsetzen, das sei viel zu teuer. Renate Eckebrecht ergänzt: "Vor Jahren hatte mein Mann einen Unfall, Michael war auf dem Lehrbetrieb, und ich stand alleine mit den Schweinen da. Da haben wir uns geschworen, dass uns das nie wieder einholt."
 
Zwölf Angestellte haben die Eckebrechts. "Das ist industriell", schimpft Niemann. Kein Wort darüber, dass Bauern auf dem strukturschwachen Land Arbeitgeber sind. "Showmaster" Niemann präsentiert dem Publikum Geschichten, starke Bilder, Konflikte, illustrative Schicksale, plakative Formulierungen und deutliche Wertungen. Jeder Kommunikationswissenschaftler hätte seine helle Freude an diesem Auftritt. Im Gewand des "Retters" verkauft er seine Sicht auf die Wahrheit. Das ist nicht verwerflich, nur durchschaubar. Eine große Tageszeitung fand wegen seines silbergrauen Vollbartes Ähnlichkeiten mit dem Weihnachtsmann bei ihm. Vorhang auf: "Die große Ecki-Niemann-Weihnachtsshow" - seien Sie dabei - Eintritt frei!
 
 
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