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Hauswirtschaft: Gut betreut ins Alter

von , am
18.10.2014

Beim 1. Fachforum Hauswirtschaft der Landwirtschaftskammer Niedersachsen wurden Antworten auf die Frage gesucht, wer sich um die Menschen in einer alternden Gesellschaft kümmern soll.

Beim 1. Fachforum Hauswirtschaft der Landwirtschaftskammer Niedersachsen wurden Antworten auf die Frage gesucht, wer sich um die Menschen in einer alternden Gesellschaft kümmern soll. Das Thema traf offensichtlich ins Schwarze: 360 Teilnehmerinnen aus ganz Niedersachsen, Sachsen und  Nordrhein-Westfalen tauschten sich in der Stadthalle Walsrode aus.
 
Bis zum Jahr 2050 verdoppelt sich außerdem die Zahl der schwer Demenzkranken auf 2,6 Mio. Menschen. Das bedeutet mehr Bedarf an Pflege und hauswirtschaftlichen Dienstleistungen. "Aber wer soll das übernehmen, wenn die Familie ausfällt?", fragte Prof. Dr. Uta Meier-Gräwe (Uni Gießen) in ihrem Vortrag. Der ständig wachsende Bedarf steht im krassen Widerspruch zum Angebot. Statt dessen bieten sich zunehmend Dienstleister an, die sich jeglicher Qualitätskontrolle entziehen. Der "Wildwuchs" beginnt im Internet, wo Plattformen Personal zu billigen Löhnen anpreisen. "Dieser Arbeitsmarkt bedeutet oft Lohndumping, mangelnde Qualität und damit auch mangelhaftes Ansehen für die geleistete Arbeit", stellte Uta Meier-Gräwe fest. "Wo positioniert sich die Hauswirtschaft?" fragte die Veranstaltung der LWK.

"Hauswirtschaft ist kein weiches Weiberthema"

Vizepräsident Gerhard Schwetje begrüßte 360 Teilnehmerinnen. Uta Meier-Gräwe sah mehrere Ansätze für eine Versorgungsstrategie. Zunächst müsse gesellschaftlich anerkannt werden, dass Hauswirtschaft kein "weiches Weiberthema" sei, sondern ein Kompetenzfeld, das einer beruflichen Qualifikation bedarf. Dann müsse es darum gehen, hauswirtschaftliche Dienstleistungen bereits präventiv zu verankern, bevor überhaupt eine Pflege notwendig sei.
 
Derzeit gehe es in der Diskussion nur um Pflege, die Hauswirtschaft habe oft das Nachsehen. Als Beispiel führte Meier-Gräwe Skandinavien an. Dort erhalten Bewohner mit 75 Jahren automatisch eine hauswirtschaftliche Beratung, "damit sie nicht wie immer auf die Idee kommen, selbst ihre Gardinen abzuhängen." Die Inhaberin des Lehrstuhls für Wirtschaftslehre des Privathaushaltes und Familienwissenschaft forderte vom Staat entsprechende Rahmenbedingungen. "Es kann nicht sein, dass wir uns einerseits über steigende Exportgewinne freuen, aber andererseits kein Geld in Berufe investieren, die einer alternden Gesellschaft helfen", stellte die Professorin fest.
 
 
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Informationen: Ausbildungsberatung der LWK, Juliane Pingel, Tel. 0441- 801-218. 

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