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Initiative Tierwohl: Große Resonanz

von , am
04.05.2015

Bonn - Nun stehen die Teilnehmerzahlen fest: Zunächst werden 2.142 schweinehaltende Betriebe zur Auditierung für die Initiative Tierwohl zugelassen.

Die Initiative Tierwohl stieß auf große Resonanz bei den schweinehaltenden Landwirten. © Mühlhausen/landpixel
"So profitieren insgesamt 12.030.514 Tiere von den Tierwohl-Maßnahmen", teilte Dr. Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl am Montag mit. Damit erhält knapp die Hälfte aller registrierten Betriebe eine Zusage.

Die zugelassenen Betriebe teilen sich auf in 1.345 Schweinemastbetriebe mit 4.492.567 Tieren, 324 Ferkelaufzuchtbetriebe mit 2.822.322 Tieren und 473 sauenhaltende Betriebe mit 4.715.625 Tieren. Die zur Auditierung zugelassenen Landwirte wurden bereits informiert. Insgesamt hatten sich 4.653 Landwirte registrieren lassen, darunter 2.961 Schweinemastbetriebe mit 10,1 Mio. Tieren, 704 Ferkelaufzuchtbetriebe mit 6,5 Mio. Tieren und 988 sauenhaltende Betriebe mit 8,9 Mio. Tieren.

Registrierte, aber nicht für die Auditierung zugelassene Landwirte werden vorerst auf eine Warteliste aufgenommen, für alle reichten die Gelder aus dem Fonds nicht. Finanziert wird der Mehraufwand der Landwirte durch die teilnehmenden Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels. Diese führen für die seit Januar 2015 verkaufte Ware vier Cent pro Kilogramm Schweine- und Geflügelfleisch sowie Wurst ab. Im ersten Jahr rechnet die Initiative Tierwohl mit einer Summe von 85 Millionen Euro für Schwein und Geflügel insgesamt, in den ersten drei Jahren mit 255 Millionen Euro.

Start der Erstaudits

In Erstaudits wird nun überprüft, ob die Betriebe die ausgewählten Kriterien tatsächlich ab dem von den Landwirten angegebenen Datum umgesetzt haben – andernfalls gilt das Audit als nicht bestanden und Schweinehalter von der Warteliste rücken nach. Mit bestandenem Audit und freigegebenem Prüfbericht erhält der Tierhalter einen Auszahlungsanspruch über eine Laufzeit von drei Jahren. Innerhalb dieser drei Jahre gewährleisten regelmäßige, unangekündigte Folgeaudits die kontinuierliche Einhaltung der Kriterien.

Die häufigsten Maßnahmen

Die jeweilige Höhe der Bonusansprüche ergibt sich aus den ausgewählten Wahlpflicht- und Wahlkriterien in Kombination mit den Pflichtkriterien. Besonders häufig gewählte Wahlpflicht- und Wahlkriterien in der Schweinemast sind „zusätzliches organisches Beschäftigungsmaterial!", "10 Prozent mehr Platz" und "Saufen aus offener Fläche".

Auch in der Ferkelaufzucht sind dies die beliebtesten Kriterien, wohingegen sauenhaltende Betriebe vermehrt auf "zusätzliches organisches Beschäftigungsmaterial", "ständigen Zugang zu Raufutter in der Gruppenhaltung, Bereitstellung von organischem Nestbaumaterial" und "10 Prozent mehr Platz" setzen. Die für die jeweilige Produktionsform definierten Grundanforderungen muss hingegen jeder der teilnehmenden Betriebe umsetzen.

Alle Anmeldungen berücksichtigen

"Die Sauen- und Schweinehalter haben großes Interesse an der Initiative Tierwohl bewiesen, jetzt sind Handel, Verarbeiter und Verbraucher am Zug." Mit diesen Worten wirbt Landvolkvizepräsident Albert Schulte to Brinke für die jetzt anlaufende Initiative.

Er fordert eine sofortige Aufstockung der Mittel, um alle Anmeldungen der Tierhalter berücksichtigen zu können. „In der gesellschaftlichen Diskussion werden wir Landwirte tagtäglich mit dem Ruf nach mehr Tierwohl konfrontiert. Wenn dieser Wunsch der Realität entspricht, müsste die zusätzlich erforderliche Finanzierung leicht umsetzbar sein“, äußert Schulte to Brinke die Erwartungshaltung der Tierhalter und verweist darauf, dass mit der Initiative Tierwohl teilnehmenden Landwirten ausschließlich die Kosten eines höheren Aufwandes ausgeglichen werden.

Zugleich sieht er die Gefahr von Enttäuschungen und Frust, wenn nicht alle Interessenten berücksichtigt werden könnten. Die Idee der Initiative Tierwohl sei in der Landwirtschaft aus einen guten Nährboden gefallen, sie dürfe nun nicht an finanzieller Kleinkrämerei scheitern.
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