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Stromtrasse

Kabel einpflügen statt verbaggern

Erdkabeltrassen sollen künftig bodenschonender verlegt werden.nen
am Mittwoch, 24.07.2019 - 11:05

Zur Verlegung von Erdkabeln wird eine breite Trasse aufgegraben. Massive Bodenveränderungen und langfristige Auswirkungen auf die Landwirtschaft sind die Folge. Ein neues Verfahren soll das verhindern.

Für die Verlegung von Stromtrassen, wie der 380-kV-Höchstspannungsleitung von Wahle nach Mecklar, musste bislang eine breite Trasse aufgegraben und die Leitungsstränge eingebaut werden. Dadurch werden massive Bodenveränderungen und langfristige Auswirkungen auf die Landwirtschaft befürchtet.

 

Erdkabeltrassen sollen künftig bodenschonender verlegt werden.

Seit drei Jahren entwickelt ein fränkisches Unternehmen ein Pflugverfahren für die Leerrohrverlegung von Drehstromerdkabeln. So sollen Erdkabeltrassen künftig bodenschonender verlegt werden können. Das sogenannte Mehrfachpflugverfahren wird derzeit auf einer Strecke von 200 Metern im Landkreis Wolfenbüttel getestet. Der Netzbetreiber Tennet stellte dies in Wartjenstedt 150 Gästen, unter anderem Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies, vor.

Bei dem Verfahren ziehen auf der vorbereiteten Stromtrasse drei Lkw mit leistungsstarken Winden und einer aufsummierten Zugkraft von 380 Tonnen einen tiefen Pflug durch die Erde. Der schafft tief im Boden den Verlegeraum für drei nebeneinander liegende Leerrohre, die zugleich mitsamt Schutz- und Markierungsbändern eingezogen werden - insgesamt sind zwölf Rohre nötig. Die hochgedrückte Erde fällt anschließend wieder in den Verlegebereich.

Zügiger Netzausbau notwendig

Rund 500 Meter Leitung können pro Tag verlegt werden, nach Angaben der Tennet vier Mal schneller als bei offener Bauweise. Voraussetzung ist allerdings ein homogener, möglichst steinfreier Boden. Niedersachsens Umwelt- und Energieminister Olaf Lies würdigte den Test und betonte: „Um die Energiewende zu meistern, brauchen wir den zügigen Netzausbau. Innovative Techniken helfen, die Akzeptanz bei Landeigentümern und Landnutzern zu erhöhen.“

Testphase läuft

Bis Oktober soll die Teststrecke jetzt untersucht werden – etwa, ob die Abstände zwischen den Rohren exakt sind und im Boden keine Hohlräume entstehen sowie ob die Rohre stabil liegen, so Jens Siegmann, Projektleiter Wahle-Mecklar. Verlaufe die Testphase für den Pflug erfolgreich, will Tennet das neue Verfahren im Frühjahr 2020 versuchsweise auf geeigneten Streckenabschnitten beim Projekt Wahle-Mecklar einsetzen.

Langfristiges Ziel sei es, diese Verlegetechnik projektübergreifend an den Stand der Technik heran zu führen, um die Möglichkeiten der verschiedenen Verlegetechniken für den Erdkabeleinsatz zu erweitern – möglicherweise auch bei der Südlink-Wechselstromleitung, die vorrangig als Erdkabel ausgeführt werden soll.