Login
Aus den Regionen

Marketing fürs unbekannte Oldenburger Münsterland

von , am
03.02.2015

Vechta - Im Oldenburger Münsterland boomt es wirtschaftlich, die Menschen leben gerne dort. Viele Verbraucher sehen die Region aber auch negativ. Eine Image-Studie soll jetzt Abhilfe bringen.

50.000 Euro haben die Landkreise Vechta und Cloppenburg in eine Image-Studie gesteckt. © Mühlhausen/landpixel
Aus niederländischer Sicht ist das Oldenburger Münsterland eine typisch norddeutsche Landidylle, gering besiedelt, mit viel Natur. Aus Sicht vieler Verbraucher ist der Landstrich zwischen dem Oldenburger und dem Osnabrücker Land die deutsche Hauptregion für die umstrittene Massentierhaltung von Schweinen und Geflügel. Für die meisten Südoldenburger sind die beiden Landkreise Vechta und Cloppenburg in erster Linie Heimat, in der sie gerne leben. Und der Marketing-Experte, der die Region nach außen hin für Tourismus und Wirtschaft vermarkten soll, sieht das Oldenburger Münsterland als Herausforderung.

50.000 Euro haben die Landkreise Vechta und Cloppenburg in eine Image-Studie gesteckt, die Marketing-Experte Torsten Kirstges von der Jade Hochschule Wilhelmshaven in den vergangenen zwei Jahren über die Region erstellt hat. Es geht nicht nur darum, Touristen in die Region zu holen. Es geht auch darum, Firmen und Fachkräfte anzulocken. Dafür muss man mit seinen guten Gaben wuchern.

Die Wirtschaft boomt, dank der Agrar- und Ernährungsmittelwirtschaft

Der Region geht es wirtschaftlich extrem gut, die Arbeitslosigkeit ist niedrig. Die wirtschaftliche Basis ist die Agrar- und Ernährungsmittelwirtschaft. Um sie herum sind in den vergangenen Jahrzehnten mit der Kunststoffindustrie und dem Maschinenbau weitere Wirtschaftsbranchen heimisch geworden. Außerdem hat dort der größte Stallbauer der Welt seinen Sitz, Big Dutchman, und ebenso Deutschlands größter Geflügelfleischproduzent Wiesenhof.
 
Ein Ergebnis der zwischen April 2013 und September 2014 erstellten Studie, für die Kirstges 1.650 Fragebögen ausgewertet hat, verblüfft die Kommunalpolitiker: Als wirtschaftliche Boom-Region mit guten Karrieremöglichkeiten für Frauen und für Männer werden die Landkreise außerhalb nicht wahrgenommen. Dass die Berichterstattung über die Tierhaltung zunehmend kritischer wird und auch die Arbeitsbedingungen osteuropäischer Billiglohnarbeiter in den Schlachthöfen nicht gerade imagefördernd sind, dessen ist man sich in der Region sehr wohl bewusst. «Urlauber, Auswärtige und Einheimische stören sich an der deutlich erkennbaren Massentierhaltung und deren Folgen», formuliert Kirstges in seiner Studie. Allerdings stellt er auch fest: Je weiter weg die Befragten von der Region sind und je weniger sie über sie wissen, desto weniger bekannt sind auch diese Aspekte.

Die Branche habe die Zeichen der Zeit bereits erkannt

Der Marketing-Experte rät dazu, dass die Kreise mittel- bis langfristig eine ökologisch ausgerichtete Agrarwende auf den Weg bringen sollten. Landrat Winkel und sein Cloppenburger Kollege und Parteifrend Johann Wimberg reagieren darauf zurückhaltend. Direkten Einfluss darauf habe die Politik ohnehin nicht. Wimberg zieht den Vergleich mit dem Ruhrgebiet, wo - zumindest früher - die Schlote qualmten und es mit der Luft nicht zum Besten stand: "Starke wirtschaftliche Erfolge haben nun einmal auch ihre negativen Seiten." Die Branche habe die Zeichen der Zeit bereits erkannt, sagen die Landräte. So gibt es Initiativen, das Tierwohl zu verbessern und den Antibiotika-Einsatz in den Ställen zu reduzieren. Und wenn Ökoprodukte irgendwann nicht mehr in der Fünf-Prozent-Marktnische dümpelten, sondern einen Anteil von 20 Prozent hätten, werde sich das auch in der südoldenburgischen Landwirtschaft zeigen, ist sich Wimberg sicher: «Die Produktion ist immer von der Marktnachfrage abhängig», stellt er fest. Die gesamte Studie finden Sie hier.
 
Auch interessant