Login
Aus den Regionen

Melkroboter lassen den Kühen die Wahl

von , am
12.08.2013

Hannover - Auch niedersächsische Milchviehhalter nutzen immer häufiger moderne Technik: Melkroboter entlasten zum Beispiel die Melker. Sie haben jedoch auch einen Nachteil.

Anstehen vor dem Melkroboter - das kommt auch bei sehr erfolgreichen Milchbetrieben vor. © Mühlhausen/landpixel
Ende 2012 setzten von landesweit gut 10.000 Milchviehhaltern 473 auf automatische Melksysteme. Insgesamt verrichteten dort 683 Melkroboter ihre Arbeit, meldet der Landvolk Pressedienst.
 
Das automatische Melksystem besteht bei den meisten Herstellern aus einer Melkbox mit Roboterarm. Die Kühe entscheiden selbst, wann sie zum Melken gehen möchten und werden dort über einen Sender am Halsband erkannt. In einem zentralen Computer sind alle Daten zu dem Tier erfasst. Die Kuh bekommt eine an die Milchleistung angepasste Kraftfutterration ehe der Melkvorgang beginnt. Dabei wird zunächst das Euter gereinigt, im Anschluss wird das Melkgeschirr angesetzt. Das alles erledigt der lasergestützte Roboterarm. Während des Melkens wird die Qualität der Milch automatisch erfasst und zusammen mit der Menge in der EDV gespeichert. Nach dem Melken werden die Zitzen mit einem hautpflegenden Dippmittel benetzt. 

Roboter hat viele Vorteile für kleine bis mittelgroße Kuhherden

Eine frischmelkende Kuh wird bis zu fünfmal am Tag gemolken, mit sinkender Milchleistung seltener. Im Schnitt lassen sich die Tiere 2,5 bis 2,7 Mal am Tag melken. Vor allem familiengeführte Betriebe mit kleinen bis mittelgroßen Kuhbeständen bietet die Technik Vorteile. Durch den Wegfall der Melkzeiten können die Landwirte flexibler auf Arbeitsspitzen reagieren. Der Betrieb bleibt bis zu einer gewissen Größe unabhängig von Fremdarbeitskräften, die körperlich anstrengende Melkarbeit übernimmt die Technik. Aber sie stellt auch neue Anforderungen an den Landwirt. Er kontrolliert die Tiere nicht mehr beim Melken, sondern zunehmend durch das Sichten der Daten am PC. Der Bezug zum Tier jedoch bleibt erhalten. Regelmäßige Kontrollgänge durch den Stall sind für Milchviehhalter nicht nur Pflicht, sondern Ehrensache. Für diese Arbeit gibt der Roboter den Milchviehhaltern mehr Freiraum.

Nachteil: höhere Kosten

Allerdings ist der melkende Roboter etwas kostenintensiver als ein herkömmlicher Melkstand. Vor allem größere sowie wachstumswillige Betriebe bleiben deshalb häufig konventionellen Melkständen treu. Ein Roboter kann 60 bis 70 Tiere melken. Da die teure Technik immer möglichst gut ausgelastet werden muss, müssen Wachstumsschritte an diese Größenordnungen angepasst werden. Ihre Nische haben die automatischen Melksysteme auf Familienbetrieben gefunden, die zwischen 60 und 130 Kühe halten. Dort kommen die Vorteile am besten zum Tragen und wiegen zugleich die höheren Kosten auf.

Einführung der Melkroboter brachte viele Veränderungen

Die Einführung der Melkroboter vor fast 20 Jahren war eine Revolution in der Milchviehhaltung. Die körperlich anstrengende Arbeit des Melkens ist in den vergangenen Jahrzehnten durch moderne Melkstände und technische Einrichtungen enorm erleichtert worden. Geblieben ist die tägliche Arbeit morgens und abends. Der Melker hat zudem eine große Verantwortung für Tiere, Technik und für die Qualität der gewonnenen Milch. Er prüft, ob die Tiere fit sind, muss die Milch kontrollieren und soll nebenbei effektiv und zügig arbeiten. Die Skepsis gegenüber einer Technik, die alle diese Aufgaben übernehmen soll, war anfänglich groß. Seitdem hat sich viel getan und die Zuverlässigkeit der automatischen Melksysteme ist stetig gesteigert worden.
Auch interessant