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Milchquotenübertragung: Der nächste Börsentermin kommt

von , am
24.05.2013

Beim Übertragungstermin für Milchquoten am 1. April stürzte der Preis deutlich ab und warf bei Anbietern und Nachfragern viele Fragen auf. LAND & Forst fragte einen Experten nach den Ursachen.

Der nächste Übertragungstermin ist am 1. Juli. © Mühlhausen/landpixel
Zum Übertragungssystem von Milchquoten fragte LAND & Forst-Redakteur Jan-Gerd Ahlers den Leiter der Übertragungsstelle für Milchquoten in Hannover Dieter Welkerling.
 
Herr Welkerling, warum betrug der Gleichgewichtspreis beim letzten Börsentermin am 1. April denn nicht zwei sondern nur einen Cent je Kilo?

Nach der ursprünglichen Definition des Gleichgewichtspreises (GGP) hätte dieser tatsächlich bei zwei Cent je Kilo (Ct/kg) gelegen. Bei dieser Preisstufe wurde der kleinste Mengenunterschied zwischen Angebot und Nachfrage errechnet, ohne Berücksichtigung, ob es sich um eine Angebots- oder Nachfragemenge gehandelt hat. Dieser Umstand wurde mit der Verordnungsänderung im Jahr 2002 dahingehend geändert, dass der maßgebliche GGP bei der nächstniedrigeren Preisstufe liegt, bei der die Nachfragemenge erstmals die Angebotsmenge übersteigt.

Erfolgreiche Nachfrager erhalten nicht die volle Menge...

Diese Situation erweckt den Eindruck eines Systembruchs. Da betrug die Gesamtangebotsmenge am 1. April 2013 genau 116,5 Millionen Kilo mehr wie die nachgefragte Menge - und trotzdem erhält jeder erfolgreiche Nachfrager zunächst weniger als seine nachgefragte Menge. Über die tatsächlich zugeteilte Menge entscheiden nicht die Gesamtnachfrage und das Gesamtangebot, sondern die Mengenverhältnisse zum GGP. Weil dieser GGP als die erste Preisstufe definiert ist, bei der die Nachfrage das Angebot übersteigt, kann einem erfolgreichen Nachfrager nicht die volle nachgefragte Menge zugeteilt werden. Diese Fehlmenge ist in ihrer Höhe vor dem Übertragungstermin nicht vorhersehbar. Sie unterlag in der Vergangenheit sehr starken Schwankungen. Bisher konnten geringe Fehlmengen meistens durch die kostenlose Landesreserve ausgeglichen werden.

Kann einem erfolgreichen Anbieter eine (Teil-) Menge zurückgegeben werden?

Das ist in einem besonderen Fall möglich! Liegt beim Zwischenpreis der kleinste Mengenunterschied von Angebot und Nachfrage bei 1 Ct/kg, dann beträgt der GGP ebenfalls  1 Cent, auch wenn dabei die Angebotsmenge größer ist als die Nachfrage. In diesem Fall passiert dann das, was ansonsten vermieden werden soll, einem erfolgreichen Anbieter wird, manchmal auch eine sehr geringe Menge, zurückgegeben. Diese Menge muss der Anbieter dann, gegebenenfalls beim nächsten Übertragungstermin, erneut anbieten, sofern er sie nicht selbst nutzen will.

Kann man ein Abgabeangebot unter 1 Ct/kg abgeben?

Das Milchbörsensystem sieht nur Preisstufen von ganzen Cents vor, beginnend bei einem Cent. Ein gegen Null tendierendes  Angebot wäre (aus Anbietersicht) nicht sinnvoll. Andererseits sind Anbieter mit einer Preisforderung von 1 Ct/kg bei diesem System  immer erfolgreich.

Kann der Quotenpreis denn in der Praxis unter 1 Ct/kg fallen?

Nein, weil sowohl für Abgabeangebote als auch für Nachfragegebote 1 Ct als niedrigste mögliche Preisstufe in der Verordnung zugelassen ist.

 
Kommt immer ein Handel zustande? Kann ein Anbieter oder Nachfrager zwei Gebote einreichen? Macht bei so niedrigen Preisen eine Bürgschaft noch Sinn? Antworten auf diese Fragen lesen Sie im vollständigen Interview, das Sie hier finden...

 


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