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Aus den Regionen

Milchvieh in Zentraleuropa

von , am
16.05.2014

Was sagen unsere europäischen Nachbarn zum Ende der Milchquote 2015? Wir wollten es wissen: Auf einer 5.000 km-Tour durch Zentraleuropa haben wir Milchviehhalter nach ihren Zukunftsplänen gefragt.

 
Alles musste mit: Unsere Foto- und Filmapparate mit Stativ, zwei Laptops, um alle Daten passend zu speichern, und natürlich unsere Koffer inklusive Gummistiefel sowie eine gefüllte Kühlbox für den großen Hunger. Zehn Tage waren wir mit einem Verlags-Bulli in Polen, Tschechien, der Slowakei und in Ungarn unterwegs. Wir, das sind die Redakteure Maren Diersing-Espenhorst, Anneke Hasemann und Markus Pahlke vom dlz agrarmagazin sowie Birgit Greuner von der LAND & Forst.
 
Elf Milchviehbetriebe mit insgesamt 11.000 Kühen haben wir besichtigt: Unsere Reisereportagen finden Sie ab Juli in den folgenden Ausgaben der dlz Primus Rind sowie in der LAND & Forst. Außerdem gibt es ab Juli auf unseren Videokanälen kurze Filme über die Milchwirtschaft in den vier Ländern, mit Interviews der Milchviehhalter zum Ende der Milchquote 2015. Klicken Sie dazu auf dlz-agrarmagazin.de, landundforst.de sowie agrarheute.com. Und bis dahin lassen wir Sie im Regen stehen? Natürlich nicht. Ein paar Reiseeindrücke und den ersten Film gibt es bereits jetzt.

Kaffee und Kuchen gehörten dazu

Unsere Reise begann Ende März in Hannover, an einem sonnigen Sonntag. Die erste Etappe führte uns nach Olesno im Süden Polens. Vier Milchviehbetriebe standen in diesem Land auf unserem Besuchsplan. Der kleinste Hof hatte 14 Kühe und sechs Bullen in Anbindehaltung, drei Sauen, ein paar Ferkel und 25 Hektar Fläche – ein typischer polnischer Milchviehbetrieb, von denen die meisten maximal 50 Kühe halten. Der größte Betrieb, ein landwirtschaftliches Kombinat, zu 100 Prozent in Staatseigentum, hielt 3.000 Kühe verteilt auf drei Standorte mit einer Fläche von 8.500 Hektar.
 
Wir trafen auf sehr gastfreundliche polnische Landwirte: Geduldig beantworteten sie alle unsere Fragen, um uns schließlich noch mit Kaffee und Kuchen zu beglücken. Das Ende der Milchquote im kommenden Jahr scheinen die meisten Milchviehhalter dort als Chance für Wachstum zu sehen. Sie wollen künftig mehr Milch produzieren.

Tschechische Milch nach Bayern verkauft

Weiter ging es für uns nach Plzen im Westen der Tschechischen Republik, zu einem Betrieb mit rund 1.000 Milchkühen, geführt von einem deutsch-tschechischen Ehepaar. Sie produzieren Milch für eine Holding, zu der 32 weitere landwirtschaftliche Betriebe gehören. Ihre Milch verkaufen sie nach Bayern. Das Ehepaar ist gespannt, wie sich der Milchpreis nach dem Ende der Quote entwickeln wird. Ihren Milchviehbestand werden sie nicht aufstocken. Auch bisher haben sie weit mehr Milch als die eigene Quote abgeliefert. Eine Superabgabe muss in Tschechien nicht gezahlt werden.

9.000 Liter als Ziel

Der zweite tschechische Betrieb, den wir besichtigten, lag 130 Kilometer südöstlich von Prag, in Radesinská Svratka, der Fleckviehhauptstadt des Landes: 850 Fleckviehkühe wurden dort gemolken: Mit 75 Angestellten, einer Lebensleistung von 3,5 Laktationen, einer Zwischenkalbezeit von 375 Tagen und einem Erstkalbealter von 26,5 Monaten wollen die Betriebsleiter in diesem Wirtschaftsjahr die 9.000 Liter-Marke knacken. Dem Ende der Milchquote im nächsten Jahr sehen sie positiv entgegen. Wegen der Flächenknappheit ist eine Bestandsaufstockung aber nicht geplant.

Filmen verboten

Im Westen der Slowakei haben wir zwei Milchviehbetriebe in der Nähe von Galanta besucht. Beide waren genossenschaftlich organisiert. Auf dem ersten Betrieb mit 700 Milchkühen gab es für uns Filmverbot - zum Glück die erste und einzige Erfahrung dieser Art auf unserer Reise. Die leitenden Mitarbeiter hielten sich auch in Sachen Betriebsdaten sehr bedeckt. Wir hatten das Gefühl, die kommunistische Vergangenheit zeigt dort noch ihre Nachwirkungen. Die Betriebsleiter fühlten sich gegenüber den Milcherzeugern in anderen EU-Ländern benachteiligt und beklagten die fehlende politische Unterstützung der Landwirtschaft im eigenen Land.
 
Ähnlich drückte sich auch der Präsident des zweiten Genossenschaftsbetriebes aus, der aber zum Glück uns gegenüber wesentlich freundlicher und deutlich auskunftsfreudiger war. Aufstocken will er den Bestand von 850 Milchkühen bei 1.350 Hektar Fläche derzeit nicht.

Melkkarussell der Superlative

Schließlich bestaunten wir in der Slowakei eines der größten Melkkarussells in Europa mit insgesamt 72 Melkplätzen. Es stand auf einem Betrieb mit 2.350 Kühen. Das Unternehmen gehört vier Dänen und wird von einem slowakischen Betriebsleiter geführt. Der Herdenmanager zeigte uns den Bestand. Welche Zuchtziele er verfolgt, wie er besamt und warum der Besamungsindex so hoch ist, lesen Sie ab Juli im primus Rind.
 
Schließlich erreichten wir die letzten Stationen unserer Tour, nämlich Dombóvár und Pécs im Süden Ungarns. Im nahen Koscola lernten wir auf einem Familienbetrieb mit 322 melkenden Kühen und 3.000 Hektar Land einen besonders gastfreundlichen Betriebsleiter kennen: Er trank mit uns ein (oder mehrere) Glas Obstbrand in seinem Weinkeller. Zum Glück hatten wir noch vor dem Betreten des Kellergewölbes alles Fachliche in Sachen Milchvieh geklärt. Im Hinblick auf das Quotenende hat die Familie Bedenken, dass der Milchpreis sinken wird. Geplant ist, den Viehbestand zu erweitern, um mehr Milch zu produzieren.

Milchpreis nehmen, wie er kommt

Den Bestand aufstocken, das will auch der Leiter des letzten Betriebes, den wir besuchten. Derzeit werden dort 1.600 Milchkühe gehalten, in zwei Jahren sollen es 2.300 Tiere sein. Der Betrieb gehört zu einem Verbund mit insgesamt vier Milchviehbetrieben. Der Betriebsleiter sagte, man müsse den Milchpreis nehmen, wie er kommt. Aber bei den eigenen Kosten, bei der eigenen Produktion gäbe es genügend Möglichkeiten, etwas zu verändern. Welche Wege dieser Milchviehhalter künftig gehen will, erfahren Sie ebenfalls ab Juli im dlz Primus Rind.
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