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MRSA-Keime: Hümmling-Bauern getestet

von , am
12.06.2015

Lorup - Es begann mit einer Wette: 353 Landwirte vom Hümmling wollten per Keimtest beweisen, dass sie nicht häufiger mit dem Krankenhauskeim MRSA besiedelt sind als andere Menschen. Gestern nun die Ergebnisse.

Wetten dass? Bernd Terhalle wollte es wissen. © privat
"Wir haben meine Wette gewonnen und das ist ein doppelter Gewinn für uns!" So brachte Bernd Terhalle, Geschäftsführer der EZG Hümmling, es auf den Punkt. Die LAND & Forst hatte berichtet: Vor zwei Wochen hatten sich im Rahmen der Generalversammlung seiner Organisation 355 Landwirte, Angehörige von Landwirten und andere Gäste einem Test auf MRSA-Keime (Methicillin resistente Staphylococcus aureus) unterzogen. Grund war eine vorausgegangene Wette zwischen Terhalle und dem Sprecher der Anwohnerinitiative Nordhümmling, Hermann-Josef Schomakers. Schomakers hatte auf einer Podiumsdiskussion in Papenburg folgende Meinung vertreten: Die Stallanlagen der Region Ursache wären der Grund dafür, dass viele Menschen vor Ort Träger des sogenannten Krankenhauskeimes seien.

Krankenhaus- und Nutztierkeime untersucht

Das wollte Terhalle so nicht stehen lassen: "Es gibt viel Unwissen bezüglich MRSA und es wird sehr viel durcheinandergeworfen", stellt er immer wieder fest. Vor allem werde häufig nicht unterschieden zwischen den ha-MRSA-Keimen (ha=hospital associated), die in erster Linie in Krankenhäusern vorkommen, und den la-MRSA-Keimen (la=livestock associated), die in erster Linie in der Tierhaltung vorkommen. "An den gefährlichen Infektionen mit MRSA-Keimen, die in den Medien immer wieder thematisiert werden, sind die la-MRSA nämlich nur zu einem sehr geringen Anteil beteiligt, der überwiegende Anteil ist auf ha-MRSA zurückzuführen", betonte auch der EZG-Vorsitzende Achim Schmitz noch einmal.
 
Das Ergebnis der Probenuntersuchungen, die in einem neutralen Labor in Osnabrück durchgeführt wurden, war im emsländischen Lorup, dem Sitz der EZG, mit Spannung erwartet worden: von den 355 Proben hatten 211, also etwa 60 %, keine Besiedlung mit MRSA-Keimen. Lediglich zwei Proben wiesen den ha-MRSA-Keim auf: "Das sind 0,56 %", so Schmitz, man gehe ansonsten davon aus, dass etwa 1-2 % der Bevölkerung Träger des ha-MRSA-Keimes seien. Mit dem la-MRSA-Keim besiedelt waren 140 Proben, also knapp 40 %, 135 Proben hiervon stammten von Landwirten und fünf Proben von Personen mit direktem Kontakt zur Landwirtschaft. Unter den Landwirten mit positivem Befund waren Schweine-, Geflügel- und Rinderhalter gleichermaßen vertreten. "Die Schätzungen zur Verbreitung von la-MRSA bei Tierhaltern schwanken zwischen 20 und 80 %", informierte Schmitz.

Diskussion versachlichen

Neben der Tatsache, dass die Wette gewonnen wurde, sehen die Verantwortlichen der EZG den Gewinn in erster Linie darin, dass es ein großes Medienecho gab und dass über das Thema MRSA informiert wurde: "Unser Anliegen ist, dass die öffentlichen Diskussionen um MRSA versachlicht werden. Die Berufsgruppe der Landwirte wird dabei sehr häufig in eine Ecke gedrängt, in die sie nicht gehört", bekräftigte Terhalle sein Anliegen. "Wir stellen uns der Thematik, wir sind aber der Meinung, dass dies die Humanmedizin genauso tun muss, es sollte spartenübergreifend angegangen werden", sagte Schmitz. Laut Gerd Lüken, dem Vorsitzenden des EZG-Aufsichtsrates, will man noch in diesem Jahr die Mitglieder im Rahmen einer Veranstaltung intensiver zum Thema informieren und diskutieren, wie der einzelne Betrieb zur Reduzierung der Probelmatik beitragen kann.
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