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Gewässeruntersuchung

NDR: Multiresistente Keime in Niedersachsens Gewässern

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Birgit Greuner, LAND & Forst
am
07.02.2018

Multiresistente Erreger in Bächen, Flüssen, Seen: Der NDR hat Wasserproben an zwölf Stellen in Niedersachsen untersuchen lassen. Überall wurden sie fündig.

NDR-Reporter haben an insgesamt zwölf Gewässern in ganz Niedersachsen Proben genommen und testen lassen - von renommierten Wissenschaftlern der Technischen Universität Dresden und des Universitätsklinikums Gießen.

Wie der NDR berichtet, waren an allen Probeorten sogenannte multiresistente Erreger nachweisbar. Das sind Keime, gegen die viele Antibiotika nicht mehr wirken. Untersucht wurden Flüsse und Bäche sowie zwei Badeseen, das Zwischenahner Meer und die Thülsfelder Talsperre.

Auch Reserveantibiotika wirken nicht mehr

Die Ergebnisse der Proben haben so auch die beteiligten Forscher überrascht. In der Art und Vielzahl hatte sie vorher niemand erwartet. In allen überprüften Gewässern wiesen die Wissenschaftler auch Erreger nach, bei denen besonders wichtige Medikamente, sogenannte Reserveantibiotika, nicht mehr wirken.

Bei den gefundenen Keimen handelt es sich um multi-resistente gram-negative Bakterien (MRGN). Sie bereiten Ärzten zunehmend Sorge - mittlerweile deutlich mehr als die bekannten MRSA-Erreger. Denn sie können zu schwerwiegenden Erkrankungen führen, die schwer zu behandeln sind.

Und die Zahl der Infektionen durch solche Erreger steigt. In Deutschland sterben Schätzungen zufolge mehrere tausend Menschen pro Jahr an Erkrankungen durch multiresistente Keime. Gefährdet sind insbesondere vorerkrankte, geschwächte Menschen, aber auch Ältere oder Neugeborene.

Landesgesundheitsamt beruhigt

Unterdessen hat das Landesgesundheitsamt teilweise Entwarnung gegeben. Resistenzgene seien in der Natur vorhanden, das sei völlig normal, sagte am Mittwoch der Abteilungsleiter für Umwelthygiene im niedersächsischen Gesundheitsamt, Roland Suchenwirth. "Das ist für den Normalbürger mit gesunder Haut, mit gesundem Immunsystem erst mal kein Problem", betonte er. "Kritisch wird das Ganze dann, wenn Patienten im Krankenhaus diese Keime haben."

Can Imirzalioglu, Arzt im Uniklinikum Gießen, betonte, dass in den aktuellen Proben der NDR-Untersuchungen Keime zu finden gewesen seien, die man aus Krankenhäusern kennt. Wie hoch die Gesundheitsgefahr durch solche Erreger in der Umwelt zum Beispiel an belasteten Badeseen ist, ist noch weitgehend unklar.

Problem: Resistenzen außerhalb der Klinik

Bei gesunden Menschen führen die Keime in der Regel nicht zu einer Erkrankung, erklärt der Arzt Can Imirzalioglu von der Uniklinik Gießen. Doch sie könnten sich etwa im Darm ansiedeln. Später könne dies möglicherweise zu einer Infektion führen - zum Beispiel bei einer Immunschwächung oder wenn Operationen durchgeführt werden müssten.

Zudem besteht das Risiko, dass die Bakterien weitergetragen und beispielsweise in Kliniken eingeschleppt werden. Dort können sie dann für geschwächte Menschen lebensbedrohlich sein.

Tatsächlich bringen immer mehr Patienten solche Keime mit in die Klinik, also tragen sie schon in sich, bevor sie aufgenommen werden, sagt Prof. Trinad Chakraborty, der Leiter der Mikrobiologie am Gießener Universitätsklinikum. "Es gibt eine Quelle für Resistenzen außerhalb der Klinik, und das ist ein Problem, das uns zunehmend interessiert."

Mit Material von NDR.de
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