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NGW: Stallbesuch übers Internet

von , am
15.06.2015

Oldenburg - Für mehr Transparenz und Vertrauen will die Niedersächsische Geflügelwirtschaft (NGW) neue Wege gehen: Das neue Kameratagebuch ist Teil der 2012 gestarteten Transparenz-Offensive.

Nur wenige Menschen wissen, wie es in einem Geflügelstall wirklich aussieht. © Mühlhausen/landpixel
Offene Stalltüren und ein hohes Maß an Transparenz können die Bedenken der Verbraucher bezüglich der Produktionsmethoden in der modernen Tierhaltung nachweislich verringern. Diese Erfahrung hat der Landesverband der NGW mit seinem Projekt "Transparenz-Offensive" gemacht. Das Projekt wird vom Wissenschafts- und Informationszentrum Nachhaltige Geflügelwirtschaft (WING) der Universität Vechta geleitet. Mehr als 7.000 Besucher haben nach Angaben des NGW von 2012 bis 2014 die Möglichkeit wahrgenommen, Legehennen-, Masthähnchen- und Putenbetriebe zu besuchen. "Bisherige Stallöffnungen haben gezeigt, dass viele Menschen nur wenig darüber wissen, wie es in einem Geflügelstall aussieht", berichtete der wissenschaftliche Leiter des WING, Prof. Hans-Wilhelm Windhorst.

Für ein authentisches Bild

In wenigen Tagen startet nun das neue Kameratagebuch der NGW: Geflügelhalter werden ihre tägliche Arbeit im Stall mit einer am Körper getragenen Kamera optisch und akustisch dokumentieren. Über die Homepage des NGW kann man dann von zu Hause aus den Landwirten bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen. Damit solle ein reales und authentisches Bild des Geschehens im Stall entstehen. Für den NGW-Vorsitzenden Friedrich-Otto Ripke soll damit auch ein positives Gegenbeispiel zu den rechtswidrigen Filmaufnahmen von Tierschützern geschaffen werden, die nach Einbrüchen nächtlich aufgeschreckte Tiere oder Krankenabteile zeigten. Solche Aufnahmen hätten mit der Realität auf den Höfen nichts zu tun. Ripke hofft deshalb darauf, dass neben den Bürgern auch verantwortungsvolle Medien oder Schulen das neue Kameratagebuch nutzen.

Positiv eingestellt durch mehr Aufklärung

Dass eine bessere Aufklärung bei den Verbrauchern zu einer positiveren Einstellung gegenüber der Geflügelhaltung führe, zeigen die Ergebnisse der Teilnehmer-Befragungen der Transparenz-Offensive: Vor dem Stallbesuch waren 18,2 % der Stallbesucher kritisch eingestellt. Nach der Visite sank dieser Anteil auf 7,6 %. Der Anteil der eher positiv eingestellten Besucher erhöhte sich durch den Blick in den Stall von knapp 75 % auf mehr als 80 %. Generell habe die Kritik zu jeder Haltungsform abgenommen, wobei dies bei Puten am deutlichsten der Fall gewesen sei, erläuterte Windhorst.

Gespräch zwischen Landwirt und Verbraucher

Würden bestimmten sozialen Gruppen betrachtet, dann seien die städtischen Bewohner vor dem Stallbesuch kritischer eingestellt gewesen;. Jedoch habe deren Skepsis danach stärker abgenommen als bei Besuchern vom Land. Zudem bewerteten jüngere Besucher die Geflügelhaltung negativer als ältere. Insgesamt zeigten die Ergebnisse, dass die direkte Kommunikation von Verbraucher zu Landwirt dazu beitrage, Bedenken und Ängste abzubauen.
 
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