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Gewässergüte

Niedersachsen: Land setzt Strategie gegen Antibiotikaresistenz fort

Renate Bergmann, LAND & Forst ,
am
02.03.2018

Um die Verbreitung von antibiotikaresistenten Erregern in der Umwelt zu untersuchen, hat Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies heute eine Beprobung von Gewässern in Niedersachsen angekündigt.

200 Proben von verschiedenen Standorten

Der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies (SPD) hat angekündigt, Gewässer auf multiresistente Erreger untersuchen zu lassen. Geplant ist, insgesamt an die 200 Proben an verschiedenen Stellen zu nehmen. Darunter Standorte an Kläranlagen, in Regionen mit einer hohen Viehdichte, sowie an Stellen, an denen bereits die Gewässergüte beprobt wird.
Untersucht werden sollen ebenfalls Stellen im Küstenbereich sowie vermeintlich unbelastete Standorte.
Die Ergebnisse sollen bis zum Sommer vorliegen.

Es gibt keine nationalen oder internationalen Grenzwerte

See-Gewaesser-Teich

Es wäre zur Zeit noch zu wenig bekannt über die Wirksamkeit und die Übertragungswege von Resistenzen über den Pfad der Umwelt, sagte Umweltminister Olaf Lies. Ebenso gebe es momentan weder national noch international Kriterien oder Grenzwerte zur Bewertung von multiresistenten Keimen.
Nur Badegewässer werden in der Badesaison auf Keime untersucht. Andere Gewässer werden zwar auf Schadstoffe, nicht aber auf multiresistente Keime untersucht. Der Gesetzgeber hat dafür bisher keine Veranlassung beispielsweise in der Wasserrahmenrichtlinie gesehen. Minister Lies fordert den Bund auf, sich aktiv in den Prozess der Datenerhebung und der Schaffung von Bewertungsmethoden einzubringen. „Wir brauchen bundesweite Standards", sagte Lies.

Kenntnisse müssen verbessert werden

Dies habe er auch bereits in einem Brief an Bundesumweltministerin Barbara Hendricks deutlich gemacht. „Es ist notwendig die Kenntnisse über die Menge, die Risiken und die Bekämpfung multiresistenter Keime in Gewässern zu verbessern. Um verlässliche Daten zu erhalten, sollten Bund und Länder in diesem Punkt stärker zusammenarbeiten", sagte Lies.

Das Land selbst beschäftigt sich bereits seit 2016 intensiv mit diesem Thema. Damals hat der Interministerielle Arbeitskreis der Niedersächsischen Landesregierung eine Strategie gegen Antibiotikaresistenz beschlossen und 2017 den Abschlussbericht für eine Antibiotikastrategie vorgelegt (www.antibiotikastrategie.niedersachsen.de). Die Strategie verfolgt den sogenannten „One-Health-Ansatz", nach dem die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt in Beziehung stehen und somit auch gemeinsam betrachtet werden müssen.

 

Verantwortungsvoller Einsatz in der Human- und in der Tiermedizin

Die wirkungsvollste Eindämmung von Multiresistenzen liegt demnach in einem verantwortungsvollen Einsatz von Antibiotika in der Human- und in der Tiermedizin. In Letzterer konnte auch schon ein beachtlicher Erfolg verbucht werden: mit dem von Niedersachsen entwickelten bundesweiten Antibiotikaminimierungskonzept konnte erreicht werden, dass sich der Einsatz von Antibiotika im Bereich der Nutztierhaltung seit dem Jahr 2011 insgesamt um mehr als 50 Prozent reduziert hat.

Abschließend sagte Lies: „Um Resistenzen zu bekämpfen ist ein vernünftiger Umgang mit Antibiotika sowohl in der Human- als auch Tiermedizin absolut erforderlich. Wir müssen deshalb vor allem immer an die Primärquellen ran. Es ist billiger, den Einsatz von Antibiotika an der Quelle zu reduzieren, als die Mittel später dann wieder für viel Geld aus den Gewässern zu filtern."

Mit Material von Nds. Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz
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