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Niedersachsen: 'Marktwächter Energie' schützen Verbraucher

von , am
13.07.2015

Hannover - Seit der Liberalisierung des Energiemarktes häufen sich die Beschwerden über unlautere Geschäftspraktiken. Um Niedersachsens Verbraucher besser zu schützen, gibt es jetzt einen "Marktwächter Energie".

Unübersichtlicher Markt: Alleine im Bereich Strom gibt es inzwischen mehr als 1.100 Anbieter. © Wolfgang Dirscherl/pixelio
Um das Marktgeschehen transparenter zu machen und Fehlentwicklungen aus Verbrauchersicht aufzuspüren, hat Niedersachsen als erstes Bundesland jetzt einen "Marktwächter Energie" bei der Verbraucherzentrale installiert. Die bei der Verbraucherzentrale eingehenden Beschwerden werden zukünftig systematisch erfasst und ausgewertet. "Problematische Entwicklungen können so frühzeitig erkannt und an Politik, Öffentlichkeit und Regulierungsbehörden weitergegeben werden", sagte Petra Kristandt, Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Niedersachsen (VZN). Bei rechtswidrigem Anbieterverhalten werden Abmahnungen oder Unterlassungsklagen kollektiv erhoben.

Eigene Marktchecks, Umfragen, interaktives Internetangebot

Vier neue Mitarbeiter stehen bei der Verbraucherzentrale seit kurzem als "Marktwächter" bereit, um die eingehenden Beschwerden auszuwerten. Ergänzt wird diese Analyse durch eigene Marktchecks und Umfragen sowie ein interaktives Internetangebot unter www.marktwaechter-energie.de. Das Land stellt für den "Marktwächter Energie" 250.000 Euro pro Jahr zur Verfügung. "Der neue Wettbewerb am Energiemarkt ist aus Verbrauchersicht zwar grundsätzlich positiv", so Petra Kristandt, "im Schatten der vielen seriösen Anbieter treten aber immer wieder schwarze Schafe in Erscheinung. In unserem Beratungsalltag haben wir es häufig mit Haustürgeschäften, unlauterer Werbung oder fehlerhaften Jahresabrechnungen zu tun."
 
Die Arbeit der Marktwächter sei jedoch klar von behördlichen Aufgaben wie etwa der Preismissbrauchskontrolle abgegrenzt. Wichtige Themen des Marktwächters sind auch der Anbieterwechsel und mehr Transparenz beim Wechselprozedere oder unzulässige Allgemeine Geschäftsbedingungen.

Tricks der Anbieter vielfältig

Als Beispiele von unlauteren Geschäftspraktiken nannte Petra Kristandt: "Während der telefonischen Bewerbung eines neuen Tarifangebots werden beiläufig sensible Daten wie die Zählernummer und der Name des alten Energieversorgers erfragt. Obwohl kein Anbieterwechsel vom Verbraucher gewollt ist, erhält er eine Vertragsbestätigung für einen neuen Liefervertrag." Auch die Tricks der Anbieter, versprochene Boni nicht auszuzahlen, seien vielfältig: Der vom neuen Stromversorger zugesagte Bonus taucht in der Abrechnung dann einfach nicht auf.  Für die Verbraucher ist es oft schwierig, die einzelnen Kostenpunkte ihrer Abrechnung nachzuvollziehen. So bekam ein Kunde nach der ersten, falschen Abrechnung eine korrigierte Version, die noch unübersichtlicher war, mit unterschiedlichen Zählerständen und Abrechnungszeiträumen.
 
 
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