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NLWKN: 20 Jahre erfolgreicher Trinkwasserschutz

von , am
14.06.2013

Cloppenburg - Über regen Zulauf konnte sich der 18. Grundwasser-Workshop des NLWKN freuen. Mit 200 Anmeldungen erreichte die Veranstaltung einen Teilnehmerrekord.

In Cloppenburg wurde bei Grundwasser-Untersuchungen das Antibiotika Sulfadimidin gefunden. © piu700/pixelio
Selbst Polit-Prominenz in Gestalt des Umweltministers Stefan Wenzel hatte sich zum Grundwasser-Workshop in Cloppenburg angekündigt, wegen der Hochwasserereignisse an der Elbe musste er jedoch kurzfristig absagen. Der Minister ließ dennoch sein Lob ausrichten, für die seit zwanzig Jahren praktiziert Kooperation zwischen Landwirtschaft und Wasserwirtschaft, die dazu beitrug, die Nährstoffbelastung in den Trinkwassergewinnungsgebieten zu reduzieren.

Gegenläufige Entwicklungen gefährden Kooperation

Wie der Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in einer Pressemitteilung über den Workshop berichtete, sei deutlich geworden, dass gegenläufige Entwicklungen die Erfolge der Kooperationsarbeit in Frage stellten: Wiesen und Weiden würden in Ackerland umgewandelt, die Landwirtschaft sei zunehmend intensiver, die Viehbestände seien größer geworden. Eine Folge: Es gebe immer mehr Wirtschaftsdünger, der in landwirtschaftlichen Betrieben bei der Tierhaltung anfalle. In einigen Regionen Niedersachsens werde diese Situation verschärft durch die sehr hohe Dichte von Biogasanlagen und dem damit verbundenen Anfall von Gärresten.
 
Durch den intensiven Düngeranfall könnten die Nährstoffe von den Pflanzen nicht mehr ausreichend verwertet werden, was zu Auswaschung und damit ansteigenden Stickstoffkonzentrationen im Grundwasser führe.

Keine neuen Biogasanlagen in Wasserschutzgebieten

In Wasserschutzgebieten sollten daher als eine erste Maßnahme künftig keine Biogasanlagen mehr gebaut werden. Das regele eine vom Umweltministerium erlassene Verordnung. "Wenn die neue Verordnung in Kraft getreten ist, wird die Errichtung von Biogasanlagen in Trinkwasserschutzgebieten generell nicht mehr möglich sein", betonte Mathias Eberle, Referatsleiter aus dem Umweltministerium.
 
"Das Kooperationsmodell stößt an seine Grenzen. Wir müssen zu einem nachhaltigen Nährstoffmanagement kommen", sagte Eberle. Ein wichtiger Ansatzpunkt sei die so genannte Landesverbringensverordnung zur Erfassung der Nährstoffströme. Wenn Wirtschaftsdünger - also beispielsweise Gülle oder Gärreste aus der Biogaserzeugung - in Umlauf gebracht wird, müssen die Daten elektronisch an die Landwirtschaftskammer gemeldet werden. Auch das für 2014 geplante Güllekataster zur flächenscharfen Dokumentation der Wirtschaftsdüngerausbringung könne helfen, das Grundwasser zu schonen.

Strengere Auflagen für Stallbauten

Ferner sollen künftig strengere Anforderungen an die Genehmigungsverfahren von Stallneubauten gestellt werden. Stephan-Robert Heinrich aus der Direktion des NLWKN ergänzte, dass neben Stickstoff auch Abbauprodukte von Pflanzenschutzmitteln in den Förderbrunnen einzelner Trinkwassergewinnungsgebiete nachgewiesen wurden. Landesweite Untersuchungsergebnisse belegten ebenfalls zahlreiche Funde von Abbauprodukten.
 
Laut Heinrich gehe es nun darum, mit den Beteiligten Lösungsstrategien zur Verminderung des Eintrags in das Grundwasser zu erarbeiten und umzusetzen. "Wir befinden uns sicherlich auf dem richtigen Weg, aber die Nitratentwicklung bleibt im Fokus", unterstrich Hubertus Schültken vom NLWKN in Hildesheim. Die aktuellen landesweiten Auswertungen belegten nach wie vor sehr hohe Nährstoffüberschüsse von ca. 80 kg Stickstoff pro Hektar. "Landesweit entspricht dies einem Stickstoffüberschuss von 200.000 Tonnen, die die Qualität des Grundwassers und der Oberflächengewässer massiv gefährden".

Düngeverordnung soll künftig 1:1 umgesetzt werden

Um die Trinkwasserressourcen nachhaltig zu schützen und um gleichzeitig die von der Europäischen Union im Zusammenhang mit der Wasserrahmenrichtlinie geforderten Qualitätsziele beim Grundwasser zu erreichen, müsse künftig konsequent darauf geachtet werden, dass die Anforderungen der Düngeverordnung 1:1 umgesetzt werden. Das bedeutet auch, dass die Nährstoffe in der Gülle effizienter genutzt werden, um somit Mineraldünger einzusparen. Dies schone den Geldbeutel des Landwirtes und sei gleichzeitig ein aktiver Beitrag zum Grundwasser- und Klimaschutz. Insofern seien die strengeren Anforderungen der geplanten Novelle der Düngeverordnung, wie zum Beispiel ein Verbot der Gülleausbringung im Herbst oder die Schaffung von mehr Lagerraum, ausdrücklich zu begrüßen.

NLWKN Cloppenburg kennt die Herausforderungen der intensiven Tierhaltung

Die Betriebsstelle Cloppenburg des NLWKN liegt im Zentrum der niedersächsischen Veredlungswirtschaft und steht vor besonderen Herausforderungen, betonte der zuständige Dezernent Dr. Romuald Buryn. Aus diesem Grund arbeite der NLWKN in Kooperation mit der Landwirtschaftskammer Niedersachsen an Strategien zur Verminderung der Nährstoffüberschüsse. Wie auch in anderen Betriebsstellen bilde die inhaltliche Ausgestaltung der fünfjährigen Arbeitsprogramme, der sogenannten Schutzkonzepte zur Umsetzung von Wasserschutzmaßnahmen in den Trinkwassergewinnungsgebieten, einen weiteren fachlichen Schwerpunkt. Hinzu komme laut Buryn die fachliche Koordinierung der Beratung und Umsetzung der Grundwasserschutzmaßnahmen. Begleitet werde die Maßnahmenumsetzung durch ein intensives Grundwassergüte-Monitoring der beteiligten Wasserversorgungsunternehmen, um die Maßnahmenwirksamkeit zu messen. Die Ergebnisse hierzu werden im Regionalbericht Hase dargestellt.

Seit 2008 verstärke Untersuchungen nach Pflanzenschutzmitteln

Die Qualität des Grundwassers werde in Niedersachsen im Rahmen von verschiedenen Messprogrammen umfassend vom NLWKN überwacht. Was genau und wie oft das Grundwasser an einer der mehr als 1.000 Messstellen untersucht werde, richte sich nach dem jeweiligen Messprogramm. "Hierbei ist das Nitrat ein sehr häufig untersuchter Parameter, der in Trinkwassergewinnungsgebieten, aber auch in der Zielkulisse der EG-Wasserrahmen-richtlinie den Hauptbelastungsfaktor darstellt", sagte Heinrich. Neben Routineprogrammen könne das vorhandene Messnetz auch sehr flexibel für spezielle Fragestellungen im Rahmen von Sonderuntersuchungen genutzt werden, um auf aktuelle Probleme und Fragestellungen reagieren zu können. "So wurden beispielsweise seit 2008 Untersuchungen zu Pflanzenschutzmitteln intensiviert". Umweltministerium und NLWKN seien sich darin einig, dass die bestehenden Probleme nur in enger Kooperation zwischen Wasserwirtschaft und Landwirtschaft zu lösen seien.
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