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Kommentar

Nutria: Das Problem zu lange ignoriert

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Ralf Stephan, LAND & Forst
am
30.05.2018

Holland fürchtet die Gefahr aus dem Osten: Einwandernde Nutrias unterwühlen die Deiche. Niedersachsen muss handeln.

Eigentlich bräuchten sie gar nicht hier zu sein. Nur wegen ihrer Pelze wurden die Nutria einst aus Südamerika ins Land geholt. Jetzt sind sie fast überall, und keiner will sie mehr haben.

Nicht nur, weil Pelze out sind. Sondern weil die Schäden, die sie an Deichen und Uferböschungen anrichten, teuer sind und gefährliche Folgen haben können. Und weil sich die gefräßigen Nager über Weizen, Raps und Kartoffeln hermachen.

Nutrias in den Niederlanden rigoros bekämpft

Unsere niederländischen Nachbarn geben schon seit rund zehn Jahren viel Geld dafür aus, die unliebsamen Gäste aus der Familie der Stachelratten wieder loszuwerden. Es geht um die Lebensversicherung des tiefgelegenen Landes, die Sicherheit seiner Deiche.

Deshalb werden die Nutria dort als Schädlinge eingestuft und rigoros bekämpft. Schon nach kurzer Zeit zeigten sich Erfolge - die aber bald wieder zunichte gemacht wurden. Denn aus dem Osten wanderten „niedersächsische“ Nutria in die frei gewordenen Lebensräume in.

Niedersachsen als Transitland

Niedersachsen selbst ist eher Transitland. Auch hier wanderten Nutria aus dem Osten ein. Vor allem, nachdem die zu DDR-Zeiten hochprofitablen Zuchtpelzfarmen aufgelöst worden sind.

Die Nachfahren der anpassungsfähigsten unter den entwichenen Käfiginsassen fanden im Gräben und Deichen reichen Niedersachsen einen passenden Lebensraum. Das lässt sich an den Jagdstrecken und an der Karte ihrer Ausbreitung gut ablesen.

Nutria in Niederlanden jagdbares Wild

Dass die Niederländer sauer auf uns sind, hat verschiedene Ursachen. Anders als bei ihnen ist die Nutria bei uns als jagdbares Wild eingestuft. Das verbietet es hier, sie wie Schädlinge zu behandeln. Denn Jagd ist Tierschutz, nicht -bekämpfung.

Immerhin wurde inzwischen die Schonzeit aufgehoben. Als nächstes soll der Elterntierschutz gelockert werden. Arbeitsgruppen entwickeln Strategien zur Eindämmung der Population, ein gemeinsames Projekt mit den Niederländern soll bald starten.

Lebensgefährliche Fahrlässigkeit

Das sind allesamt wichtige Schritte. Allerdings: Angesichts der rasanten Ausbreitung der pelzigen Nager hätten sie schon vor zwei, drei Jahren aufgelegt werden müssen. Solange nämlich schlagen die Unterhaltungsverbände bereits Alarm.

Und Erfolg haben die neuen Maßnahmen nur dann, wenn nicht ein bekannter Fehler wiederholt wird: Die Jagd darf an Schutzgebietsgrenzen nicht enden.

Das wäre nicht nur völlig falsch verstandener Naturschutz. In Ländern, deren Bevölkerung nur hinter intakten Deichen sicher ist, wäre es auch eine lebensgefährliche Fahrlässigkeit.

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