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Aus den Regionen

Ostfriesland ächzt unter Naturschutz

von , am
17.06.2015

Ihlow - Wie viel Naturschutz verträgt die Region? Mit dieser provokanten Frage lud der Landwirtschaftliche Hauptverein für Ostfriesland zum "G-5-Gipfel" ein.

Aufmerksam verfolgten rund 250 Zuhörer die Diskussion über Naturschutz in Ostfriesland. © Sabine Hildebrandt
Die Diskussion über Gewerbe, Gänse, Grüne, Gewässer und Grünröcke lockte rund 250 Zuhörer ins Bürgerhaus. Landwirt Hero Schulte berichete: Er weiß nicht mehr, was er machen soll. Wenn 40.000 Gänse hinter seinem Haus in St. Georgiwold das Grünland besetzen, hat er keine Chance, die Kahlfraß-Attacken der "nordischen Gastvögel" zu beenden. Naturschützern und Landesregierung sind Millionen von Wildgänsen willkommen.  Für Schulte und andere betroffene Landwirte wird die Plage zur Existenzbedrohung. "100 Prozent meiner Flächen  werden durch Gänse beschädigt. Ich muss Futter teuer zukaufen, weil alles völlig verkotet ist. Damit ich von dem Grünland überhaupt noch was runterholen kann, muss ich intensiv düngen, um den Ertrag zu steigern. Es wird am Ende also genau das Gegenteil von dem erreicht, was die Grünen wollen", sagt Schulte.

"Es ist nichts passiert"

Seine Sorgen hat er bereits im April 2014 Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) auf seinem Feld vorgetragen. Davor hatte es einen "Gänsegipfel" und Konferenzen des Wattenmeerrates gegeben. Viele Argumente und Positionen liegen also auf dem Tisch. "Es ist nichts passiert. Die Politik hinkt hinterher, während die Existenzgrundlage der Landwirte aufs Spiel gesetzt wird", ärgert sich LHV-Präsident Erich Hinrichs. Das Thema Gänse ist ein Puzzleteil in dem Naturschutzpaket, das die Politik der Region Ostfriesland seit Jahren aufbürdet. 38.582 ha sind als EU-Vogelschutzgebiet ausgewiesen, 40.000 ha als Wasserschutzgebiet. Suchräume zur Umsetzung des Masterplans Ems kommen hinzu.
 
Mit einer gemeinsamen Erklärung setzen sich LHV, Berufsfischereiverband Ostfriesland (BVO), Imkerverein Aurich, die Jägerschaften Aurich, Emden und Norden sowie der Zentralverband der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden (ZJEN) Aurich zur Wehr: "Die Art und Weise, wie das Landwirtschaftsministerium und das Umweltministerium den Naturschutz vorantreiben wollen, halten Landwirte, Jäger, Fischer und Angler für ideologisch einseitig geprägt und realitätsfremd."

Politiker bekommen Hausaufgaben

Wie stark das Thema die Stimmung beeinflusst, bekamen die beiden Landtagsabgeordneten Hans-Joachim Janßen (Grüne) und Wiard Siebels (SPD) von Publikum und Podium mit auf den Weg nach Hannover. Onno Reents, Vorsitzender der Jägerschaft Aurich, forderte die SPD auf, die "Grünen in die Schranken zu weisen". Erich Hinrichs meinte, dass man gerade in der Frage der Gänse zu völlig neuen Lösungen kommen müsse. Die Vögel haben sich inzwischen so zahlreich vermehrt, dass sich die Jagd gar nicht mehr auf den Bestand auswirke. Ganz davon abgesehen, dass die Jäger selbst nicht als „Ungeziefervernichter“ gesehen werden möchten. Der Hinweis auf Holland, wo die Regierung derzeit erlaubt, tausende Nichtbrüter mit Kohlendioxid zu vergasen, wurde kontrovers diskutiert.
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