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Privatwald: Waldbesitzer gegen Stilllegungen

red
am
30.10.2015

Hannover - Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer hat dazu aufgerufen, den Anteil "wilder Wälder" im Bundesland zu erhöhen. Der Präsident des Niedersächsischen Waldbesitzerverbandes Norbert Leben sieht dadurch die Freiheit der Waldbesitzer deutlich beschnitten.

„Die Freiheit bei der Bewirtschaftung und das Recht auf die Selbstbestimmung unserer Wälder darf nicht beschnitten werden“, entgegnet Norbert. Die Vertretung von 60.000 nichtstaatlichen Waldbesitzern in Niedersachsen verweist darauf, dass die Forstwirtschaft und deren nachgelagerte Bereiche eine zentrale Rolle im ländlichen Raum spielen. Sie schaffen Arbeitsplätze und bieten Familien außerhalb der Großstädte eine Lebensgrundlage, ob Waldbesitzer, Förster, Lohnunternehmer oder auch Mitarbeiter in den Baumschulen und Sägewerken. „Nachhaltige und multifunktionale Waldbewirtschaftung sind unser Ziel“, betonte Leben. Die Stilllegung von Wäldern stehe dieser nachhaltigen Nutzung entgegen. Die multifunktionale Forstwirtschaft, die ökonomische, ökologische und soziale Anforderungen auf ein und derselben Fläche verbindet, sei gerade im oftmals kleinstrukturierten Privatwald notwendig. Die Stilllegung von Waldflächen dagegen führt nach Ansicht des Verbandes zur Einschränkung der Bewirtschaftung und damit zu einer Verknappung des Rohstoffs Holz. Es folgen Holzimporte aus Ländern mit weniger strikten Wald- und Naturschutzgesetzen und damit weniger Naturschutz im Wald. „In Niedersachsen haben unsere bewirtschafteten Wälder, auch außerhalb von Schutzgebieten, einen hohen ökologischen Wert. Dem Motto ‚Schützen durch Nützen‘ folgend, wollen wir diesen hohen Standard beibehalten. Eine Stilllegung unserer Wälder auf Kosten der Natur in anderen Ländern kommt für uns nicht Frage!“, sagt Norbert Leben. Gerade die schützenswerten Strukturen im Privatwald haben sich aufgrund der jahrhundertelangen forstwirtschaftlichen Nutzung gut entwickelt. Diese generationsübergreifende Arbeit der Waldbesitzer sollte anerkannt werden, anstatt diese mit Forderungen nach Flächenstilllegungen zu konfrontieren. Der für die niedersächsische Waldpolitik zuständige Landwirtschaftsminister Christian Meyer hatte angekündigt, gemeinsam mit dem Umweltministerium den Anteil der natürlichen Waldentwicklung (NWE) im Landeswald auf zehn Prozent erhöhen zu wollen. Pflegemaßnahmen und Holzernte sollen dort künftig unterbleiben. Zum Regierungswechsel 2013 waren 5,1 Prozent des Landeswaldes nutzungsfrei. Seitdem haben die Landesforsten fast 11.500 Hektar neu ausgewiesen. Mit rund 27.800 Hektar sind damit 8,3 Prozent der Landeswaldfläche nutzungsfrei. Minister Meyer (Grüne) appellierte in diesem Zusammenhang auch an Privatwaldbesitzer, Kirchen, Kommunen, Verbände und Stiftungen, „dem guten Beispiel der Landesforsten zu folgen und weiterhin eigene Wälder für das NWE-Programm zu melden.“
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