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TiHo-Projekt

Wie schmeckt das Zweinutzungshuhn?

Pressedienst
am
19.01.2016

Hannover - In den Mensen des Studentenwerks Hannover stehen im Januar und im Februar halbe Hähnchen auf dem Speiseplan. Die Hähne sind Teil eines Projektes der Tierärztlichen Hochschule (TiHo): Ein neues Konzept für die Geflügelhaltung wird untersucht.

Die Hennen des Zweinutzungshuhns legen bei einem vertretbaren Futteraufwand noch viele Eier. Gleichzeitig können die Hähne als „Hähnchen“ vermarktet werden © Lohmann Tierzucht

Wie schmeckt ein Zweinutzungshuhn? Das sollen jetzt die Studenten in den Mensen des Studentenwerks Hannover probieren. Im Januar und Februar sind dort an vier Donnerstagen halbe Hähnchen im Angebot. Die Hähne sind Teil eines Projektes der TiHo: Wissenschaftler untersuchen ein neues Konzept für die Geflügelhaltung.

Zweinutzungshuhn für tiergerechte Nutztierhaltung

Die TiHo und das Studentenwerk kooperieren in diesem Projekt mit dem Ziel, die Akzeptanz des Zweinutzungshuhns auf dem Markt zu testen. „Wir finden das Projekt sehr sinnvoll und unterstützen es daher sehr gerne praktisch“, so Eberhard Hoffmann, Geschäftsführer des Studentenwerks Hannover. „Viele Studierende ernähren sich besonders bewusst und sind sensibel für eine tiergerechte Nutztierhaltung und nachhaltige Ernährung. Wir fanden daher: Mensa und Markttest des Zweinutzungshuhns – das passt!“

Bei der Sonderaktion werden abwechselnd die Zweinutzungshähnchen und Hähnchen einer Vergleichslinie als halbe Brathähnchen in allen Mensen verkauft. Die Aktion wird wissenschaftlich mit einer Gästebefragung begleitet.

Ziel bisher: Viele Eier oder viel Fleisch

„Um Eier und Fleisch zu einem möglichst günstigen Preis anbieten zu können, werden Hühner bislang für einen bestimmten Zweck gezüchtet: Ziel ist, dass sie entweder besonders viele Eier legen oder besonders viel Fleisch ansetzen“, erklärt TiHo-Präsident Dr. Gerhard Greif. Bei Hühnern, die für die Eiererzeugung gezüchtet wurden, haben die männlichen Tiere keinen direkten Nutzen für den Verbraucher, da sie weder Eier legen können noch ausreichend Fleisch ansetzen. Darum werden sie kurz nach dem Schlupf getötet und als Tierfutter eingesetzt.

Zweinutzungshuhn als verbraucherfreundliche Lösung

Gesunde, lebensfähige Tiere bereits als Küken zu töten, weil sie keine entsprechenden Leistungen bringen, ist heute aus Verbrauchersicht nicht mehr akzeptabel. Eine Lösung könnte das sogenannte Zweinutzungshuhn sein: Die Hennen legen bei einem vertretbaren Futteraufwand noch viele Eier. Gleichzeitig können die Hähne als „Hähnchen“ vermarktet werden, sodass sie nicht als Eintagsküken getötet werden müssen.

Vergleich des Zweinutzungshuhns mit anderen Hühnerlinien

In einem großen Forschungsverbundprojekt untersuchen TiHo-Forscher gemeinsam mit Wissenschaftlern anderer Forschungseinrichtungen, ob sich dieses Zweinutzungshuhn für die Ei- und Fleischerzeugung eignet. Dafür vergleichen sie auf dem Lehr- und Forschungsgut der TiHo in Ruthe bei Sarstedt das sogenannte Zweinutzungshuhn mit einer anderen Hühnerlinie.

Sie prüfen im Laufe des Projektes verschiedene Gesundheitsaspekte bei den Tieren, eine attraktivere Stallstrukturierung, den Einfluss von Beschäftigungsmaterial auf das Tierverhalten oder die Akzeptanz beim Verbraucher. Zusätzlich zum Verzicht auf das Töten der männlichen Küken sollen auch die Schnäbel der Hennen nicht mehr gekürzt werden, weil die Wissenschaftler davon ausgehen, dass die ruhigeren Zweinutzungshühner sich gegenseitig weniger bepicken und Verletzungen zufügen.

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