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Kommentar

Gülleaufbereitung: Schnelle Antwort gesucht

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Edith Kahnt-Ralle, LAND & Forst
am
27.06.2018

Die neuen Düngeauflagen zwingen zur Anpassung. Eine Güllevollaufbereitung könnte regional den Druck nehmen, sagt LAND & Forst-Redakteurin Edith Kahnt-Ralle.

Es gibt Betriebe, die mit 150 Kühen, guter Milchleistung und ausreichender Grundfutterfläche ohne Zukauf von Mineraldünger gut über die Runden kommen. Oder nährstoffreduziert füttern, um den Nährstoffanfall in ihrer Gülle zu reduzieren.

Ganz zu schweigen von den Betrieben, die sich seit Jahren an die Beratung im Rahmen der Wasserrahmenrichtlinie halten. Gute Ansätze, auch schon zu Zeiten der alten Düngeverordnung. Zu selten wird das in der Öffentlichkeit kommuniziert.

Edith Kahnt-Ralle

Doch die alte Düngeverordnung reichte nicht, um die EU-Nitratrichtlinie zu erfüllen. Das belegt das aktuelle Urteil des Europäischen Gerichtshofes. Und es überrascht niemanden. Vor allem Wissenschaftler wie Prof. Friedhelm Taube von der Universität Kiel gehen noch weiter.

In seiner jüngsten Expertise zur Bewertung der neuen Düngeverordnung im Hinblick auf den Gewässerschutz wirft Prof. Taube dem neuen Gesetzeswerk unter anderem zu hohe Düngebedarfswerte und „Schlupflöcher“ vor. Diskutieren wir schon bald über weitere Verschärfungen, bevor das geltende Düngerecht überhaupt wirken kann?

Vollaufbereitung zum Düngerpellet

In Regionen mit knapper Fläche, intensiver Tierhaltung, hohem Gülleanfall und größeren Grundwasseerproblemen muss die Gülle vermutlich ganz „aus der Gleichung“ genommen werden. Dort Vollaufbereitung zum Düngerpellet oder -granulat anzusiedeln, scheint sinnvoller zu sein als das nicht zuletzt auch „seuchenanfällige“ überregionale Verbringen von Wirtschaftsdünger.

Zudem tragen drohende weitere Verschärfungen in nitratsensiblen Gebieten den Druck nur in andere Regionen weiter. Dort treffen sie Betriebe, die ihre Sache schon immer gut gemacht haben, dann zusätzlich.

Das Agrarland Niedersachsen braucht schnelle Lösungen

Ein aufbereiteter und definierter organischer Dünger lässt sich Ackerbaubetrieben (wo auch immer) leichter vermitteln als Rohware. Nährstoffströme in Aufbereitungsanlagen lassen sich besser kontrollieren als Einzelbetriebe. Privatwirtschaftlich rechnen sich solche Anlagen nicht, sie müssen öffentlich gefördert werden.

Das Agrarland Niedersachsen hat einen Gülleüberschuss und braucht schnelle Lösungen. Der planvolle Umbau der intensiven Tierhaltung dauert dagegen länger.

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