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Schweinehalter suchen konstruktiven Dialog

von , am
19.02.2015

Münster - Mehr Kritik an der Schweinehaltung, aber auch positive Entwicklungen wie die Tierwohlinitiative - die ISN-Mitglieder sind sich einig: "Wir stecken den Kopf nicht in den Sand."

Die Marktsituation mit einer wachsenden Volatilität ist für die Schweinehalter derzeit alles andere als erfreulich. © Mühlhausen/landpixel
Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands nehme die abnehmende Akzeptanz der Schweinehaltung in der Gesellschaft sehr ernst, sagte Heinrich Dierkes, Vorsitzender der  Interessengemeinschaft der Schweinehalter (ISN), am Mittwoch vor über 500 Teilnehmern bei der Mitgliederversammlung. Deshalb suche der Verband den Dialog und sei in den Runden Tischen zum Beispiel zur Verbesserung des Tierwohls dabei. Die Schweinehalter steckten den Kopf nicht in den Sand und suchten selbst nach Lösungen. Die Initiative Tierwohl sei ein gutes Beispiel, das die Branche Veränderungen vorantreibe. "Herr Schmidt, wir haben geliefert!", sagte Dierkes an die Adresse des Bundeslandwirtschaftsministers.

Eingriffe zur Marktstützung abgelehnt

Die Marktsituation mit einer wachsenden Volatilität ist für die Schweinehalter derzeit alles andere als erfreulich. Einseitige politische Auflagen hierzulande verzerren jedoch den Wettbewerb und nützen Schweinehaltern im Ausland. Dr. Torsten Staack forderte die Verantwortlichen in Berlin auf, mehr für die Öffnung der Märkte zu tun. "Wir rufen hier ausdrücklich nicht nach der Privaten Lagerhaltung. Marktstützungseingriffe lehnen wir weiterhin deutlich ab", so Staack.

Preissturz durch hohes Angebot

Das war auch der Tenor in der anschließenden Podiumsdiskussion mit den vier Großen der Schlachtbranche, Tönnies, Vion, Westfleisch und Danish Crown. Deren Vertreter waren sich einig, dass der Preissturz beim Schweinefleisch Ende des Jahres vor allem durch das hohe Angebot verursacht worden ist. Von der Menge sei der Markt überrascht worden, darauf hätten sich die Schlachter nicht vorbereiten können und zudem seien die Läger aufgrund des Russland-Embargos voll gewesen. Noch nie zuvor habe es solche Ausschläge am Markt gegeben.
 
Zum Teil konnten die Schlachtunternehmen alternative Exportmärkte in Asien erschließen und – wie z. B. Westfleisch – das Jahr sogar mit einem Plus abschließen. Aber Anlass für Champagnerlaune sei das nicht, auch wenn sich die Branche wieder langsam erholt und die Schlachtunternehmen für das laufende Jahr vorsichtig optimistische Schätzungen für die Preisentwicklung abgaben. Clemens Tönnies machte den Landwirten Mut: Niemand sei so spezialisiert wie die Schweinehalter in Deutschland. Er setze auf den landwirtschaftlichen Familienbetrieb. Auch die Entwicklung in Osteuropa sei noch lange nicht zu Ende. Und an die eigene Adresse gewandt meinte er: "Wir sind selbst gefordert, gegenüber der Politik herauszustellen, was es bedeutet, wenn man die Arbeitsplätze in der Veredlung hierzulande aufs Spiel setzt."

Zahl der Schweinehalter deutlich zurückgegangen

In Niedersachsen lebten der Statistik des Landes zufolge im vergangenen Jahr 8,8 Millionen Schweine. Zehn Jahre zuvor waren es 7,6 Millionen Stück. Die Zahl der Schweinehalter ging in demselben Zeitraum allerdings deutlich zurück: Er sank von 17.000 im Jahr 2004 auf 6.900 im Jahr 2014. Knapp 4,3 Millionen Tiere sind Mastschweine. Der Ferkelbestand betrug im vergangenen Jahr rund 2,3 Millionen Stück Vieh.
 
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