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Aus den Regionen

Im Spagat zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Externer Autor
am
23.10.2015

Tue Gutes und rede darüber – dazu forderte der diesjährige Unternehmertag der Kammer in Oldenburg auf. Die meisten der diskutierten Strategien zu mehr Akzeptanz in Gesellschaft und Politik führten zu der Erkenntnis: Noch mehr positive Botschaften senden!

 
Oldenburg – „Noch nie war der gesellschaftliche und politische Druck auf unsere landwirtschaftlichen Unternehmer so hoch wie heute. Gleichzeitig haben sich die Betriebe tagtäglich den knallharten Marktbedingungen zu stellen und somit einen Spagat zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu vollführen. Wenn dann noch schlechte Preise wie derzeit bei Milch und Schweinen auf die Stimmung drücken, denken einige Landwirtsfamilien ans Aussteigen.
 
“ Mit eindringlichen Worten schilderte Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, die aktuelle Lage auf vielen Höfen. Bei seiner Eröffnung des diesjährigen landwirtschaftlichen Unternehmertags, der am 22. Oktober in Oldenburg stattfand, nannte Schwetje die gesellschaftliche und politische Akzeptanz „einen wichtigen Standortfaktor für die Betriebe“.
 
Rund 1.000 Besucher waren in die Weser-Ems-Halle gekommen, um zu erfahren, wie die Landwirtschaft angemessen auf die wachsende Kritik reagieren kann. Dabei gab das Thema der Veranstaltung die Richtung vor: „Landwirte im Fokus – Tue Gutes und rede darüber!“.
 
Schwetje forderte in diesem Zusammenhang „eine aktive und authentische Öffentlichkeitsarbeit mit positiven Botschaften“. Denn das Ziel sei eine „eine Landwirtschaft, deren Produktionsweise gesellschaftlich akzeptiert und wirtschaftlich tragfähig ist“.
 
Den Medien kommt nach Ansicht von Prof. Dr. Ulrich Nöhle bei dem Werben um mehr Akzeptanz eine zentrale Rolle zu. Einzelmeinungen verbreiteten sich in Sekundenschnelle um die ganze Welt und könnten einen Sturm der Entrüstung bis hin zum „Volksempören“ entfachen – oder im umgekehrten Falle zu Akzeptanz, Verständnis und Anerkennung führen, so der Krisenmanager und Vorsitzende der niedersächsischen Verbraucherkommission. Abweichungen von der Norm – ob gesundheitlich relevant oder nicht – würden schnell zu einem „Lebensmittelskandal“ hochstilisiert, mangelnde Transparenz bei der Aufklärung als Verdunkelung oder Inkompetenz ausgelegt. Die mediale Abstrafung folge auf dem Fuß. Den Akteuren der Lebensmittelwirtschaft empfahl Prof. Nöhle sicherzustellen, dass alle betrieblichen Abläufe transparent und für den Verbraucher verständlich sind und die Tatsachen im Krisenfalle ohne Verzug kommuniziert werden.
 
Keine Probleme mit den Begriffen „Massentierhaltung“ und „Intensivtierhaltung“ hat die Junglandwirtin Alena Knoop, die nach ihrem Agrarstudium vor 1,5 Jahren auf dem elterlichen Michviehbetrieb mit Biogaserzeugung einstieg. Sie sieht in der größeren Tieranzahl zum Einen arbeitswirtschaftliche Vorteile und zum Anderen die Voraussetzung für einen professionelleren Umgang mit den Tieren.
 
Ihr Credo lautet: „Alles, was ich tue und was ich nicht tue, ist Öffentlichkeitsarbeit.“ Der „Butenpad“, ein aktiv beworbener Fuß- und Radweg um ihre Heimatstadt Osterholz-Scharmbeck, führt in Teilen über den Betrieb Knoop. Interessierte erhalten unmittelbar vom Weg aus Einblicke in die Ställe der 300 Milchkühe – und das ungeschönt. „Wir zeigen hier die Realität mit ihrer Sonnen-, aber auch ihrer Schattenseite“, erklärte Knoop, denn auch bei Schwergeburten oder kranken Tieren blieben die Tore offen.
 
„Wenn man Tierwohl oder Ökologie ohne Berücksichtigung der Ökonomie ins Unendliche treibt, ist der Ruin die Folge“, gab Gabriele Mörixmann zu bedenken. Ein Systemwechsel, wie von Gesellschaft und Politik so oft gefordert, finde immer zuerst an der Kasse statt. Diesen Systemwechsel im Kleinen vollzog die selbstständige Landwirtin, die nach dem Studium in den Familienbetrieb in Melle (Landkreis Osnabrück) einstieg und dort für die Schweinehaltung verantwortlich ist. Vor zwei Jahren baute sie einen alten Schweinestall in einen „Aktivstall“ um und vermarktet ihn seitdem öffentlichkeitswirksam.Knapp 900 Tiere haben dort die Möglichkeit, sich in acht verschiedenen Räumen auf einer Fläche von 1.300 Quadratmetern aufzuhalten. Es gibt zwei Fressabteile mit vier Fressbereichen, einen lichtdurchfluteten Ruhebereich, einen leicht abgedunkelten Ruhebereich, ein Bällebad mit zwei Schweineduschen, zwei Wühlbereiche und einen Auslauf auf eine außenliegende Terrasse.
 
„Die Kosten pro Kilogramm Fleisch liegen um 25 Cent über der Standardproduktion“, bilanzierte die Landwirtin. Um die höheren Preise umzusetzen, hat sie neue Vermarktungswege entwickelt. Ihre Abnehmer bewerben das Fleisch mit dem Hinweis auf den „Aktivstall für Schweine“, und die Kunden bezahlen den Mehrpreis. „Wir erfahren viel positive Rückmeldung“, weiß die Meller Landwirtin aus vielen Gesprächen. Und so lautet ihr Fazit nach zweijähriger Erfahrung mit dem Aktivstall: „Faire Preise, weniger Emissionen, gesunde Tiere und eine hohe Akzeptanz.“
Der landwirtschaftliche Unternehmertag fand dieses Jahr zum 16. Mal statt. Veranstalter waren die Landwirtschaftskammer Niedersachsen, die Arbeitsgemeinschaft der Volksbanken und Raiffeisenbanken Weser-Ems und das Landvolk Niedersachsen.
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