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Ernte in Niedersachsen

Sturmschäden im Mais: Was die LWK Niedersachsen rät

Mais liegt nach Sturm flach auf dem Acker.
Christine Kalzendorf und Karl-Gerd Harms, LWK Niedersachsen
am
15.09.2017

Sturmtief Sebastian hat in Niedersachsen viele Maisbestände abgeknickt. Lesen Sie, was Experten der LWK Niedersachsen zu Ernte und Silierung raten.

Insgesamt 25.000 ha Mais hat das Sturmtief Sebastian in Norddeutschland nach neuesten Schätzungen verwüstet. Insbesondere in Niedersachsen sind viele Maisbestände auf 20 bis 50 cm Höhe abgeknickt, das heißt sie liegen in der Regel nicht vollständig auf dem Boden. Zu den Sturm-Maisschäden in Niedersachsen gibt es sowohl regional als auch innerhalb von benachbarten Flächen sehr große Unterschiede.

Bezüglich der Ernte auf den Maisflächen sollten Sie zunächst Ruhe bewahren und nicht gleich den Häcksler in den Bestand zu schicken. Eine genaue Beobachtung der Pflanzen ist in den kommenden Tagen notwendig. Folgende Punkte sind weiterhin zu beachten:

  • Sie können die betroffenen Bestände mit reihenunabhängiger Erntetechnik weitgehend vollständig aufnehmen und häckseln.
  • Die Erfahrungen aus dem letzten Jahr zeigten aber, dass nicht jeder Erntevorsatz dies leisten kann.
  • Eine geplante Körnermaisnutzung abgeknickter Bestände erscheint recht aussichtslos, diese Flächen sollten nun als Silomais geerntet werden.
  • Unter diesen Umständen ist es schwierig den richtigen Erntetermin festzulegen. Es muss derzeit neben dem TS-Gehalt, der in vielen Beständen eigentlich noch nicht ausreicht, auch die Befahrbarkeit der Flächen und die weitere Entwicklung des Maises berücksichtigt werden.
  • Treten durch unterbrochenen Leitungsbahnen im Maisstängel erste Welkeerscheinungen auf, so ist dies ein Zeichen für trockener werdende Pflanzen. Dies bedeutet dann weniger oder gar keine Sickersaftbildung mehr. Dies ist durchaus vorteilhaft. Allerding ist das Erntefenster dann recht kurz.
  • Bei zu langem Warten verholtzt die Pflanze verstärkt und auch die Qualität leidet, da erste Zersetzungsprozesse einsetzen können.

Ergibt die Beobachtung jedoch, dass die Bestände weiterhin saftig grün bleiben, so sind noch genügend Verbindungen zum Wurzelwerk vorhanden und die Pflanzen reifen weiter annähernd normal ab. In diesem Falle sollte mit der Ernte noch gewartet werden.

Allerding muss beobachtet werden, ob der Bestand weiter zusammenbricht. Die Ernte muss erfolgen, bevor die Kolben am Boden liegen, verschmutzen und schlechter erfasst werden können.Im günstigsten Falle stehen die Pflanzen nur schief oder sind oberhalb des Kolbens abgebrochen, dann kann zum normalen Zeitpunkt geerntet werden, da die Abreife normal weitergeht.

Wenn Sickersaft aus dem Mais tritt

Im Falle einer vorzeitigen Ernte muss mit z.T. größeren Mengen Sickersaft gerechnet werden.Was zu tun ist:

  • Der Sickersaft muss aufgefangen und gelagert werden.
  • Sie können den Mais auf eine entsprechend trockene Grundlage aus Stroh oder sehr trockene Maissilage aus dem Vorjahr silieren und so ein Austreten von Sickersaft zu vermeiden.
  • Um den aktuellen TS-Gehalt der Bestände besser einschätzen zu können kann auch ein Abgleich mit den Daten der aktuellen Maisreifeprüfung (Probenahme vom 12.09.) sehr hilfreich sein.

Je nach der Situation kann es sein, dass Sie den irreversibel geschädigten Silomais kurzfristig silieren müssen. Dann beachten Sie bitte Folgendes:

  • Prinzipiell gelten alle Regeln für eine beste Silierarbeit. Sie sollten gut verdichten und für einen raschen Siloverschluss zu sorgen.
  • Durch den geringen TM-Gehalt siliert das Futter relativ stark. Es ist bei ordnungsgemäßer Abdeckung mit kräftigen Gärgashauben zu rechnen.
  • Damit die Silofolie inklusiv dem Siloschutznetz fest verzurrt bleiben, sind am unteren Rand Kiessäcke mit Überlappung auszulegen.
  • Es darf gern ein zweites Band zusätzlich rund um die Silokante gelegt werden. Vergessen Sie nicht die Querriegel über das Silo zu legen, die der zusätzlichen Befestigung dienen.
  • Die Gärgase sind zum Teil giftiger Natur, es sollte daher kein Bewegen bzw. Nachstraffen der Folie nach Siloverschluss mehr erfolgen müssen. Zudem wirken die Gärgase auch hemmend auf Pilze, so dass sie lange im geschlossenen Futterstapel verbleiben können.

Siliermittel gegen unerwünschte Nacherwärmung

Eine hohe Keimbelastung an Hefen haben wir aktuell in Untersuchungen bereits bei vitalem Silomais festgestellt. Der kritische Schwellenwert von etwa 100.000 Hefen je Gramm Frischmasse war hier teilweise sowohl für die unteren als auch für die oberen Blattetagen erreicht bzw. gar überschritten.

Beim Einsatz von Siliermitteln gilt folgendes:

  • Durch den bereits unvermeidbaren Schmutzeintrag bei der Ernte und in der Absterbephase des umgeknickten Maises wird sich die Situation weiterhin verschlechtern. Treffen Sie deshalb bereits jetzt mit dem Einsatz geeigneter Siliermittel Vorsorge gegen die unerwünschte Nacherwärmung.
  • Wir empfehlen für die Gesamtbehandlung heterofermentative Milchsäurebakterien oder auch Kombinationen von homo- und heterofermentativen Impfkulturen mit der Wirkungsrichtung 2. Achten Sie deshalb besonders auf das DLG-Gütezeichen, welches die Wirkungsrichtungen ausweist.
  • Für die obere Schicht des Siliergutes im Silo (mindestens die letzten 50 cm) ist ein Siliersalz als Granulat oder als Flüssigkeit mit den Wirksubstanzen Benzoat, Sorbat oder Propionat besonders anzuraten, wenn Pilze und Hefen gleichzeitig wirksam unterdrückt werden sollen. Eine Übersicht über DLG-gelistete Siliermittel können Sie auf unserer Seite herunterladen.

Trockene Maissilage aus Vorjahr nutzen

Zudem ist mit Sickersaft zu rechnen, den es aufzufangen gilt. Wo keine Gärsaftgruben vorhanden sind, muss mit absorbierenden Materialien reagiert werden.

Da Häckselstroh in 2017 ein knappes Gut ist, kann auch die zu trockene Maissilage aus dem Vorjahr genutzt werden. Sie können folgendermaßen vorgehen:

  • Dafür auf die Siloplatte zuerst die trockene Maissilage oder Häckselstroh und dann Melasseschnitzel einbringen. Beides darf durchaus Schichtdicken von mindestens 30 cm haben.
  • Für die weitere Silobefüllung stellen Zuckerrübenschnitzel oder auch gequetschtes Getreide gute Absorptionsmaterialien dar, die in das Siliergut bei abnehmender Schichtdicke eingemischt werden können.
  • Das Getreide muss aus hygienischer Sicht von guter Qualität sein, um nicht zusätzlich die Keimbelastung zu erhöhen.

Wenn das Silo mit den Flächen des geschädigten Mais separat angelegt wird, steht es für die Verfütterung nach frühestens zwei, besser drei Wochen zur Verfügung. Das hat sogar den Vorteil, dass der später geerntete Mais lange unter Verschluss bleiben kann und hinreichend Zeit zum Vergären hat.

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    Mit Material von PM Vereinigte Hagel
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