Login
Hannover

Tierschutzverstoß: Schlachtbetrieb verliert Biosiegel

Schweinehälften im Schlachthaus
am Donnerstag, 22.11.2018 - 14:25

Erneut sind einem niedersächsischen Schlachthof Verstöße gegen den Tierschutz vorgeworfen worden. Dem betroffenen Schlachthof in Laatzen wurde das Biosiegel entzogen.

Das Deutsche Tierschutzbüro informierte am Dienstag (20.11.) das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium über Verstöße gegen das Tierschutzrecht auf einem in der Region Hannover ansässigen Schlachthof. Videos zeigten dort Schweine, bei denen elektrische Treibhilfen in unzulässiger Weise eingesetzt worden sind.
 

Videomaterial liegt vor

Dem Ministerium liege ein Zusammenschnitt des Videomaterials vor, teilte ein Sprecher mit. Wegen der Schilderung der angeblichen Verstöße habe das Ministerium die Strafanzeige des Tierschutzbüros zusätzlich an die Staatsanwaltschaft Oldenburg übermittelt. Das Bildmaterial solle auch von Fachleuten des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) gesichtet werden.

Schlachthof: Biosiegel entzogen

Dem Schlachthof ist das Biosiegel bis auf weiteres entzogen worden, teilte das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) mit. Ein Teil des Schlachthofes habe Fleisch nach dem Ökozertifikat geliefert. Bis die Abläufe  geklärt seien, sei das Zertifikat ausgesetzt.

Unternehmen gibt Verstoß gegen Tierschutz zu

Das Unternehmen des betroffenen Schlachthofs in Laatzen teilte mit, man bedauere die Verstöße gegen den Tierschutz: „Das mehrfache Einsetzen von Elektrotreibern entspricht in keiner Weise
den Tierschutzstandards, die wir vorgeben“, hieß es in einer Mitteilung der Leine-Fleisch GmbH. Die Verstöße seien „von einem über einen Werkvertrag eingesetzten Beschäftigten“ begangen worden. Die Zusammenarbeit mit dem Subunternehmer werde beendet. Das gesamte Kontrollsystem, vor allem der ‚Bereich der Betäubung und Tötung‘ solle einer kritischen Überprüfung unterzogen werden.

Ministerin fordert Videoüberwachung

Dem Tierschutzbüro sei aufgefallen, dass der Schlachthof videoüberwacht sei und damit in Niedersachsen und bundesweit diskutierte Forderungen bereits erfüllt habe.

Zu einem Gespräch ins Niedersächsische Ministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz hatte Ministerin Barbara Otte-Kinast unter anderem Peter Brand, Vorsitzender des Verbands der Fleischwirtschaft (Schlachtunternehmen) sowie Herbert Dohrmann, Präsident des Deutschen Fleischer-Verbandes (Handwerk) geladen.

Die Ministerin kommentierte das Gespräch mit der Fleischbranche: „Mit dem Austausch bin ich sehr zufrieden“, sagte Otte-Kinast. „Wir haben verschiedene Lösungsansätze diskutiert. Ich fordere die Branche auf, sich für eine ethische Lebensmittelherstellung stark zu machen und das auch zu dokumentieren. Die bisherigen Bemühungen erkenne ich an. Wie uns die jüngsten Tierschutzverstöße zeigen, reicht das aber offenbar nicht aus. Hier fordere ich volle Transparenz. Deshalb habe ich in dem Gespräch deutlich gemacht, dass ich mich für eine Videoüberwachung in Schlachthöfen einsetzen werde. Transportieren, Betäuben und Töten der Tiere sowie die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter gehören auf den Prüfstand."

In den vergangenen Wochen waren Schlachtbetriebe in Bad Iburg und Oldenburg wegen Tierschutzverstößen in die Kritik geraten. Landwirtschaftsministerin Barabara Otte-Kinast (CDU) hatte darauf eine Bundesratsinitiative zur Kameraüberwachung in Schlachtbetrieben
angeregt.

Mit Material von dpa/ML