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Tierwohl: Im Juli Antrag auf Prämien stellen

von , am
19.06.2015

Hannover - Niedersachsen zahlt jetzt Prämien für die besonders tiergerechte Haltung von Mastschweinen und Legehennen: Anträge können vom 1. bis 27. Juli gestellt werden. Nachfolgend wichtige Details.

Die Förderung wird auf 1.000 Schweine pro Durchgang begrenzt. © Mühlhausen/landpixel
Erstmals werden in Niedersachsen zwei Maßnahmen zur Verbesserung des Tierwohls in der Nutztierhaltung angeboten. Das Agrarministerium will damit die Umsetzung des Niedersächsischen Tierschutzplans auf freiwilliger Basis vorantreiben.Gefördert wird die Haltung von Legehennen und Mastschweinen, die ohne das Abschneiden der Schnäbel und das Kupieren der Ringelschwänze erfolgt.

Die Tierwohlförderung ist auf 6.000 Legehennen und 1.000 Mastschweine pro Durchgang begrenzt. Anträge können vom 1. bis 27. Juli gestellt werden. Da es sich um jeweils einjährige Tierwohlmaßnahmen handelt, können sich die Antragsteller in jedem Jahr neu entscheiden, eine Förderung zu beantragen.

Wie müssen Legehennen gehalten werden?

Für die Legehennen sind bestimmte Haltungsbedingungen festgelegt, die zu einer Verbesserung des Tierwohls beitragen:
  • mehr Platz,
  • bessere Ausgestaltung des Stalles,
  • gute Fütterung,
  • Beschäftigungsmaterial
  • Nester und Sitzstangen,
  • in den Ställen dürfen nur unkupierte Tiere gehalten werden.
Förderfähig sind Kosten, die dem Antragsteller durch die Einhaltung dieser über dem gesetzlichen Standard liegenden Haltungsbedingungen und für die erforderliche intensivere Tierbetreuung entstehen. Der Förderbetrag beträgt rund 1,70 Euro pro Henne.

Nur "unversehrt" heißt "intakt"

Die Ringelschwanzprämie für intakte Schweineschwänze ist eine ergebnisorientierte Maßnahme: "Der intakte Ringelschwanz ist ein anerkannter Indikator für Tierwohl in der Schweinehaltung. Ist der Schwanz unversehrt, ist auch die Haltung tiergerecht", so Agrarminister Christian Meyer. Mit der Wissenschaft sei er sich einig, dass es sich beim Schwanzbeißen um eine multifaktoriell bedingte Fehlentwicklung handele. "Deshalb sind auch viele Veränderungen notwendig, damit es dazu nicht mehr kommt", betonte er.
 
Entscheidende Faktoren seien etwa
  • die Ferkelaufzucht,
  • die Haltung auf Stroh,
  • Beschäftigungsmöglichkeiten,
  • ein am Tierwohl orientiertes Fütterungs- und Stallklimamanagement,
  • die intensive Beobachtung der Tiere. 
Gezahlt werden soll eine Ringelschwanzprämie in Höhe von 16,50 Euro pro Mastschwein. Diese Prämie erhalten jedoch nur Landwirte, die ein überzeugendes Konzept für den angemeldeten Bestand vorweisen, bei dem zudem zu jeder Zeit mindestens 70 Prozent der Tiere mit einem intakten Ringelschwanz ausgestattet sind. Intakt ist ein Ringelschwanz immer dann, wenn er unversehrt ist. Die gleichzeitige Haltung von kupierten und unkupierten Tieren in einer Gruppe ist nicht erlaubt. Die Zuwendung kann für höchstens 1.000 Tiere pro Mastdurchgang gewährt werden.

Selbstlernendes System

Betrieben, die neu anfangen, wird empfohlen, zunächst mit 200 intensiv betreuten Tieren zu starten und die Maßnahme dann schrittweise auszuweiten. So soll ein selbstlernendes System mit guter Betreuung entstehen. Um die besondere Bedeutung der "guten Kinderstube" zu berücksichtigen, müsse die Aufzucht der Ferkel im Betrieb des Antragstellers erfolgen. Möglich ist auch ein Nachweis einer festen Lieferbeziehung zum Ferkelaufzuchtbetrieb.

Punkte sammeln

Hinzu kommt: Der Antragsteller muss aus einer Liste mit spezifischen Kriterien zur Verbesserung des Tierwohls unterschiedlich stark gewichtete Punkte auswählen, die er in seinem Haltungssystem bereits erfüllt oder definitiv umsetzen wird. Am höchsten bewertete Kriterien sind:
  • Erfahrung mit der Haltung von Schweinen mit unkupierten Schwänzen,
  • ein über der gesetzlichen Norm liegendes Platzangebot,
  • das Angebot von Beschäftigungsmaterial,
  • die Beschränkung der Tierzahl auf zunächst kleine Gruppen.
Nur Landwirte, die hier eine Mindestpunktzahl erreichen, können an der Maßnahme teilnehmen.

Schulung muss sein

Sowohl für Ferkelerzeuger als auch für Mäster ist die Teilnahme an einer Schulung verpflichtend. Auch die wissenschaftliche Betreuung wird sichergestellt. Meyer wies darauf hin, "dass bereits seit 1991 auf EU-Ebene ein grundsätzliches Verbot für das routinemäßige Kupieren von Schwänzen bei Schweinen und Schnäbeln bei Legehennen besteht". Ambitionierte Tierhalter hätten eine Vorbildfunktion für eine erfolgreiche flächendeckende Umsetzung dieser Vorgaben in der Praxis und sollen daher bei deren Umsetzung unterstützt werden. 

Geld aus ELER-Topf

In der EU-Förderperiode von 2014 bis 2020 fließen die Zahlungen aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER). Dafür stehen 28 Millionen Euro bereit. "Das ist ein Riesen-Fortschritt für unser Land. Niedersachsen wird Nummer 1 beim Tierschutz. Wir erreichen ein wichtiges Etappenziel im niedersächsischen Tierschutzplan und setzen bundesweit Maßstäbe", sagte Meyer. Eine Verschiebung von Zielen, Maßnahmen und Zeitplänen des Tierschutzplans sei damit ausdrücklich nicht verbunden. Im Gegenteil unterstützten die Prämien die Bauern bei ihren Anstrengungen für mehr Tierschutz deutlich. Niedersachsen sei das erste Land, das jetzt mit einer gut geplanten Tierwohlprämie startet.
 
Hinweis: Die Antragsformulare und weitere Informationen können ab sofort auf den Internetseiten der Landwirtschaftskammer sowie beim niedersächsischen Landwirtschaftsministerium unter www.tierwohl.niedersachsen.de eingesehen werden.
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