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Kommentar

Tschüss, Wolf!

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Redaktion LAND&Forst, LAND & Forst
am
27.03.2016

Ein Wolf aus dem Munsteraner Rudel muss eingefangen und vielleicht getötet werden. Was bedeutet das für die Umweltpolitik? Sabine Hildebrandt hat sich Gedanken gemacht.

Der Anfang war wie im Märchen: „Willkommen Wolf!“ jubelte der Nabu vor zehn Jahren. Nach 150 Jahren sei der Wolf in seine alte Heimat nach Deutschland zurückgekehrt. 2012 folgten dann die ersten Nachweise von Rudeln in Niedersachsen.

Die Zahl der wilden Wölfe wuchs rasch an. Die Landesjägerschaft Niedersachsen, die das Wolfsmonitoring übernommen hat, meldet sieben Rudel, zwei Paare und einige Fähen - insgesamt über 60 Tiere.

Viel Aufwand fürs Wolfsland Niedersachsen

Das Umweltministerium hat in dem Munsteraner Fall viel versucht, um seine Idee vom Wolfsland Niedersachsen zu retten. Der auffällige Rüde „MT6“ wurde zunächst mit einem Sender versehen, dann rückten eigens schwedische Experten an, um den aufdringlichen Grauhund zu verscheuchen. Der Erfolg blieb aus.

Das Tier näherte sich Spaziergängern und griff bei Celle einen Hund an. Menschen waren in Gefahr, der Wolf muss weg.

Großes Raubtier fordert heraus

Die Nachricht, dass das Tier nun betäubt und vermutlich getötet wird, mutet wie ein Schlag mit einem nassen Lappen in das Gesicht des Umweltministers an. Zu lange hat Stefan Wenzel (Grüne) versucht, das wegzudiskutieren, was nicht zu übersehen ist: In einem dicht besiedelten Land wie Niedersachsen stellt ein großes Raubtier die Umwelt vor besondere Herausforderungen. Schutzzäune helfen nur bedingt und eigentlich gar nicht, wenn man an die vielen Deichschafe denkt.

Das Thema war von Beginn an hochemotional. Weidetierhalter haben schlicht Angst um ihre Tiere. Zu Recht, wie die Nutztierrisse leider bestätigen.

Gegner und Befürworter des Wolfes

An zu vielen runden Tischen drehten sich Wolfsgegner und Befürworter immer wieder im Kreis. Verzweifelte Züchter, die tote Schafe vor dem Landtag abluden, stehen Sympathisanten gegenüber, die den Prädator liebevoll „Kurti“ tauften.

Wolf unter strengem Schutz

Seit dem vergangenen Jahr gibt es ein Wolfsbüro, das dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) zugeordnet ist. Dort wird dokumentiert, beraten und nach Brüssel an die EU berichtet, denn schließlich ist dem Wolf strenger Schutz zu gewähren.

Die Mitarbeiter haben - wie die zahlreichen Wolfsberater - außerdem die Aufgabe, die Akzeptanz für den Wolf zu erhöhen. Das wird schwierig, wenn Wölfe sich noch nicht einmal mit Rufen und Klatschen verscheuchen lassen - was lange als simple Lösung propagiert wurde.

Mensch geht vor

Die Zeit für Märchenstunden aus dem Umweltministerium ist vorbei. Jetzt müssen andere Konzepte her, um das zu garantieren, was die Staatssekretärin selbst gefordert hat: „Die Sicherheit des Menschen geht vor.“

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