Login
Nährstoffbericht

Überschüsse bergen Einsparpotenzial

© Mühlhausen/landpixel
Pressemitteilung/red
am
13.01.2016

Die zulässigen Nährstoffgrenzwerte werden in mehreren Landkreisen Niedersachsens immer noch überschritten - trotz leicht gesunkener Tierzahlen und überregionaler Verteilung des organischen Düngers.

In Niedersachsen landet nach wie vor zuviel Dünger auf den Feldern. Die Tierzahlen in Niedersachsens Schweine- und Geflügelhaltung sind leicht gesunken, mehr Dünger aus Überschussregionen wurde in viehärmere Landesteile transportiert. Aber dennoch: Die zulässigen Nährstoffgrenzwerte werden in mehreren Landkreisen überschritten. „Das Mengenproblem bei Gülle und Gärresten ist noch nicht gelöst, wir haben die Trendwende noch nicht erreicht“, sagte Agrarminister Christian Meyer bei der Vorstellung des aktuellen Nährstoffberichtes.

Düngermenge nur leicht gestiegen

Von Juli 2014 bis Juni 2015 sind in Niedersachsen rund 59,6 Mio. t Wirtschaftsdünger angefallen, also Gülle, Festmist und Gärreste aus Biogasanlagen. Damit ist die Düngermenge nur noch leicht – um 400.000 t – angestiegen. Im Vorjahr betrug die Steigerung 2,6 Mio. t. Der pflanzliche Stickstoff aus Biogasanlagen erhöhte sich um rund 3.000 auf fast 58.000 t, während der Stickstoffanteil der Tierhaltung auf jetzt 265.500 t leicht sank.

81.000 t Stickstoffüberschuss im Land

„Die Maßnahmen, um die Düngermenge zu reduzieren, zeigen bereits Wirkung, wir sind aber längst noch am Ziel“, sagte der Minister. Immer mehr Gülle wird aus den Überschussgebieten in Ackerregionen transportiert. Es sind jetzt rund 3,2 Mio. t, davon etwa 2,6 Mio. t aus der Region Weser-Ems. Dennoch gibt es erhebliche Nährstoffüberschüsse. Denn es werden auch etwa 300.000 t Stickstoff aus Mineraldünger ausgebracht. Gemessen am Nährstoffbedarf der Pflanzen betrage der Stickstoffüberschuss im Land rund 81.000 t oder 31 kg N/ha. Er habe sich damit noch einmal um 14.000 Tonnen erhöht.

Einsparpotenzial von 80 Mio. Euro

Auch Kammerpräsident Gerhard Schwetje sieht hier weiteren Handlungsbedarf. Wenn die in den organischen Düngern enthaltene Stickstoffmenge mineralischen Stickstoffdünger ersetze, bestehe auf Landesebene „ein Einsparpotential bei Düngern von annähernd 80 Millionen Euro“.

Meyer übte scharfe Kritik an der immer noch ausstehenden Novellierung von Düngegesetz und Düngeverordnung durch den Bund. Auf Druck des Landes Niedersachsen sehe der Entwurf des neuen Düngegesetzes jetzt aber die Nutzung auch von solchen Daten vor, die von den Landwirten zu anderen Zwecken erhoben wurden. „Das ist ein großer Erfolg. Damit kommen wir unserem Ziel eines transparenten Nährstoffabgleichs einen großen Schritt näher“, sagte der Minister. Minister Meyer informierte darüber, dass der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) für das Verbundprojekt Wirtschaftsdüngermanagement rund 300.000 Euro Förderung erhält, um ein Logistik-Zertifizierungssystem aufzubauen. Er halte die Zertifizierung etwa von Güllebörsen für wegweisend, sagte Meyer.

Zukauf mineralischer Dünger optimieren

Das Landvolk Niedersachsen weist in einer ersten Stellungnahme auf die hohe Meldemoral der Landwirte bei Wirtschaftsdüngerlieferungen hin. Sie dokumentiere das ausgeprägte Problembewusstsein der Tierhalter. Zugleich offenbare der ausgewiesene Überschuss an Wirtschaftsdünger in den Tierhaltungsregionen Optimierungspotenzial beim Zukauf mineralischer Düngemittel für die Ackerbauerregionen. Dafür seien aber gesetzgeberische und bürokratische Hürden beiseite zu räumen, verdeutlicht Landvolkpräsident Werner Hilse. Den im Bericht genannten N-Überschuss von 81.000 t bezeichnet Hilse als „zu hoch gegriffen“. Selbst EU-Behörden wiesen in ihren Statistiken darauf hin, dass einem Bundesland nicht alle dorthin gelieferten Düngemittel zugerechnet werden könnten. Nach Niedersachsen werden wegen der Nähe zu Seehäfen zwar große Mengen an Dünger geliefert, die aber bei Weitem nicht von der hiesigen Landwirtschaft genutzt.

Der komplette Nährstoffbericht für Wirtschaftsdünger in Niedersachsen ist hier abrufbar: www.ml.niedersachsen.de

Die Stellungnahme des Landvolks Niedersachsen gibt es hier...

Auch interessant