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Wetterschäden

Unwetter in Niedersachsen: Ernte und Gülleausbringung nicht möglich

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Sturmschäden in Niedersachsen nach Orkan Xavier © Feuerwehr
von , am
11.10.2017

Abgebrochene Äste, umgekippte Bäume: Sturmtief „Xavier“ wirbelte Niedersachsen kräftig durcheinander. Starke Regenfälle brachten die Ernte zum Erliegen.

Niederschläge wie aus Kübeln und Sturm obendrauf: Die Unwetter haben beispielsweise die Maisernte im Wirkungsbereich des Maschinenrings Nordwest im niedersächsischen Wiesmoor fast zum Erliegen gebracht.

„Was hätte das für eine schöne Maisernte werden können“, bedauert Gerhard Oldemeinen, Geschäftsführer des Rings. Dieses Jahr sind auch in Ostfriesland gute bis sehr gute Maiserträge herangewachsen und auf dem Markt gibt es eine gute Nachfrage nach Silomais.„Unser Regenmesser ist innerhalb kurzer Zeit zweimal vollgelaufen“, so Oldemeinen.

Die Maisschläge sind unbefahrbar und etliche Bestände haben sich ganz oder teilweise auf die Erde gelegt. „Wenn es da weiterhin obendrauf regnet, werden die Pflanzen schwerer und sind noch schwieriger zu ernten“, so der Ringleiter.

Nach Dauerregen: Abtrocknen vor dem Weiterernten

Er vermutet, dass mindestens 50 % der Maisschläge in seinem Gebiet noch nicht geerntet wurden. Genau kann er das aber nicht sagen. Keiner denkt jetzt an Statistik, sondern nur daran, zu retten, was noch zu retten ist.

Doch bevor weiter geerntet werden kann, müssen viele Schläge abtrocknen. „Das geht zu dieser Jahreszeit nicht mehr über die Verdunstung, das muss jetzt über die Gräben passieren“, so Oldemeinen. Ausgebucht sind derweil sämtliche Maisernter auf Raupenketten.

Auch die Aurich-Wiesmoor-Torfvertriebs GmbH vermietet solche Erntefahrzeuge, die mit einem Bunker ausgestattet sind. Oldemeinen schätzt, dass die Maisernte bei ihm noch bis Ende des Monats dauern wird, wenn alles gut geht.

Gülle ausbringen nach Unwetter nicht mehr möglich

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Landwirt Friedrich Rodewald aus dem niedersächsischen Göxe auf seinem Acker. © Werner Raupert

Der seit Wochen anhaltende Dauerregen in vielen Regionen Niedersachsens bringt auch erfahrene Landwirte aus dem Takt. Friedrich Rodewald aus Göxe bei Barsinghausen hat zum Beispiel im guten Glauben an eine rechtzeitige Gerstenaussaat im Sommer auf seine Getreidestoppeln 12 m3 Gärreste und 15 m3 Sauengülle ausbringen lassen. 

Laut Düngeverordnung ist  dies bis in die Höhe des Stickstoff-Düngebedarfs bzw. maximal 30 kg/ha NH4-N oder 60 kg/ha N-Gesamt zu Wintergerste erlaubt.

Daran hat er sich gehalten und die Menge im Vergleich zu den Vorjahren schon reduziert. Doch der Dauerregen hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht: Von Juni bis Anfang Oktober sind bei ihm 560 mm Regen gefallen, seit Beginn des Jahres schon 727 mm. Die Böden sind momentan unbefahrbar. 

Nach Dauerregen keine Aussaat von Wintergerste

Auch die Aussaat der Wintergerste ist wegen der Unwetter nicht möglich. Und nun läuft ihm die Zeit weg. „Die Wintergerste  muss hier eigentlich bis zum 5. Oktober in der Erde sein. Auch wenn es jetzt trocken wird, komme ich nicht vor dem 15. Oktober auf den Acker. Damit ist das Aussaatfenster zu“, beschrieb Rodewald sein Dilemma zu Beginn dieser Woche.

12 ha der geplanten Wintergerstenfläche hat er mit Hängen und Würgen noch bestellen können. Doch auf den letzten 4 ha muss er jetzt  Weizen aussäen. Zu dieser Frucht ist jedoch keine Herbstdüngung erlaubt, das weiß auch Rodewald.

Rodewald: Sperrfristen der Düngeverordnung realitätsfern

Doch was soll er  machen? Die Gülle ist raus und eine Gerstenaussaat nicht mehr möglich. „Wir wirtschaften unter freiem Himmel, da passieren auch mal solche Dinge“, nahm er die Lage noch relativ gelassen hin, wissend, dass er gegen die Düngeverordnung verstößt.

Auch die neu festgelegten Sperrfristen sind Rodewald ein Dorn im Auge. „Bei den realitätsfernen und starren Regelungen wird die städtische Denke der Beamten deutlich“, kritisierte der Landwirt die  Behörden. „Wir wünschen uns mehr Praxisnähe und in Extremsituationen wie in diesem Herbst eine Ausbringung der Organik bis Ende Oktober“,  schlug Rodewald vor.

Sturm Xavier verursacht 20 Mio. Schaden

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Auf der Hofstelle Brügesch im niedersächsischen Wietzen (Kreis Nienburg) legte der Sturm gleich 12 große Hofbäume um. © Christiane Hüneke-Thielemann

Nach ersten Schätzungen der VGH Versicherung hat der Sturm „Xavier“ einen Schaden von rund 20 Millionen Euro verursacht. Der Löwenanteil entfällt mit über 19 Millionen auf die Sachschäden plus Kfz-Kaskoschäden.

„Besonders viele Meldungen kamen aus den Regionaldirektionen Lüneburg, Celle, Hannover und Bremen-Land“, erklärte VGH-Pressesprecher Christian Worms. Die Zahl der Sachschäden wird derzeit auf 12.700 hochgerechnet, wobei nach Redaktionsschluss noch einige tausend dazu kommen dürften.

„Mit diesen Zahlen stufen wir ‚Xavier‘ als durchaus großes Massenschadenereignis ein. Es spielt aber nicht in der Liga der herausragenden Stürme wie ‚Kyrill‘ 2007 mit etwa 80 Millionen Schadenaufwand für die VGH“, so der Pressesprecher.

Auf der Hofstelle Brügesch in Wietzen (Kreis Nienburg) beispielsweise legte der Sturm gleich 12 große Hofbäume um. Darunter eine mächtige 200-jährige Buche, die nun ebenso wie mehrere 150 Jahre alte Eichen riesige, tonnenschweren Wurzelteller aufragen lässt. Wie durch ein Wunder entstand kein Gebäudeschaden.

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