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Aus den Regionen

VW-Autostadt überarbeitet ihre Internetseite

von , am
12.05.2015

Als Reaktion auf die Kritik aus der Landwirtschaft hat die VW-Autostadt gestern einige Internetseiten abgeschaltet.

Die ISN Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschland reagiert auf eigene Weise auf die Internetseiten von VW-Autostadt. © isn
Als Reaktion auf die Kritik aus der Landwirtschaft hat die VW-Autostadt am Montag einige Internetseiten abgeschaltet. Unter der Überschrift „Gut essen in der Autostadt“ erscheint nun folgender Hinweis: "Es entspricht unserem Verständnis als Kommunikationsplattform, gesellschaftlich relevante Themen aufzugreifen und in einem offenen Dialog zu erörtern. Dabei ist es in keiner Weise unsere Absicht, andere Personen oder Institutionen zu kritisieren. Um die Gespräche zum Thema Ernährung ohne Vorbelastung weiter zu führen, haben wir deshalb die entsprechende Rubrik aktuell von der Homepage genommen."

Milcherzeuger empört

Nach einem ersten Krisengespräch zwischen DBV-Vizepräsident Werner Hilse und Autostadt-Geschäftsführer Otto Wachs hatte es zwar leichte Korrekturen gegeben, wesentliche Falschaussagen über die konventionelle Landwirtschaft blieben jedoch erhalten. Ein Beispiel für die ursprünglich auf der Internetseite veröffentlichten Aussagen sorgte für besondere Empörung unter Milcherzeugern: "Tierische Milch enthält alle Medikamente, mit denen das milchgebende Tier behandelt oder gefüttert wurde: Antibiotika, Wurmkuren." Nicht nur Landwirte und Tierärzte, sondern auch größere Unternehmen reagierten mit Briefen an die Konzernführung und diskutierten das Thema mit ihren regionalen VW-Händlern. Masterrind in Verden schrieb, man könne es nicht dulden, dass der gute Ruf der Landwirtschaft und damit der Mitglieder, Mitarbeiter und Kunden durch falsche und unqualifizierte Darstellungen in Misskredit gebracht würden.

Kampagne beleidigt und entehrt

Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Otto Lattwesen, und die Geschäftsleitung fordern eine Stellungnahme und Richtigstellung, andernfalls müsse man in Erwägung ziehen, beim Ersatz von VW-Fahrzeugen im Fuhrpark künftig auf die Marke zu verzichten. Ähnlich reagierte die RinderAllianz GmbH, die in der Rinderzucht in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt tätig ist. Das Unternehmen sei seit über 20 Jahren Kunde bei VW. "Wir fühlen uns durch Ihre Kampagne beleidigt und entehrt. Sie werden Verständnis dafür haben, wenn in unserem Hause Alternativen zur Automarke Volkswagen gesucht werden", heißt es im Brief der Geschäftsführung. "Wir erwarten eine Entschuldigung vom VW-Konzern", schrieb die Geschäftsführung der Bröring-Gruppe an den Vorstandsvorsitzenden Prof. Martin Winterkorn. Auch das Dinklager Unternehmen zieht in Erwägung, auf eine andere Automarke umzustellen.

BUND klinkt sich ein

Das emsländische Geflügelunternehmen Rothkötter kündigte an, definitiv keine weiteren Lkw und Pkw des Konzerns mehr zu erwerben, "solange die Stigmatisierung der konventionellen Land- und Ernährungswirtschaft auf der Homepage nicht beendet wird." Unerwartete Unterstützung erhält der Autokonzern ausgerechnet vom BUND Niedersachsen. Allerdings unterstellt die Organisation den VW-Kritikern in einer Pressemitteilung fälschlicherweise, sie würden sich daran stoßen, dass die Restaurants der Autostadt vegane und vegetarische Gerichte anbieten. Für Empörung hatten aber allein Falschaussagen über die konventionelle Landwirtschaft gesorgt, die aus zumindest umstrittenen, teils aber auch aus bereits widerlegten Studien stammen.

Visite bei Bauern geplant

Bauernverband und Autostadt-Spitze wollen im Gespräch bleiben. Als nächstes steht ein Besuch der VW-Manager in niedersächsischen Landwirtschaftsbetrieben an, zu dem Werner Hilse eingeladen hatte. Dafür befinde man sich "in der Terminfindung", zitiert dpa einen Firmensprecher.
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