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Flächenverlust

Weiterhin zu viel landwirtschaftliche Flächen versiegelt

Landvolk Pressedienst
am
12.04.2016

Hannover - In Deutschland mussten von 2004 bis 2014 ca. 470.000 ha Landwirtschaftsfläche weichen für infrastrukturelle Maßnahmen und Siedlungsbau. Niedersachsen verlor in der Zeit insgesamt 46.900 ha.

Der Flächenverbrauch durch den Bau von Straßen und Siedlungen ist enorm: In Deutschland mussten dafür innerhalb von zehn Jahren 470.000 Hektar (ha) Landwirtschaftsfläche weichen. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche verringerte sich bundesweit im Zeitraum 2004 bis 2014  um 2,5 Prozent. 2014 lag sie bei knapp 52 Prozent an der gesamten Bodenfläche.

In Niedersachsen durch Flächenverlust 701 Betriebe weniger

Die größten Verluste verzeichneten die Bundesländer Bayern, Nordrhein-Westfalen und das Saarland. Niedersachsen verlor insgesamt 46.900 ha. Bei einer durchschnittlichen Betriebsgröße von 66 ha entspricht dies dem Verlust von 710 landwirtschaftlichen Betrieben. Die Landwirtschaftsfläche lag in Niedersachsen bei insgesamt 28.510 km² (2,85 Mio. ha) im Jahr 2014. Deutschlandweit waren es knapp 18,5 Mio. ha.

Dazu zählen nicht nur Ackerland, Dauerkulturen und  intensiv genutztes Grünland. Die Statistiker zählen dazu ebenfalls wenig nutzbare Wiesen für Naturschutzzwecke oder ungenutzte Moor-, Heide- und Brachflächen. Das Landvolk schätzt, dass bis zu 400.000 ha Landwirtschaftsfläche in Niedersachsen nicht oder nur mit erheblichen Einschränkungen genutzt werden können, Tendenz steigend.

Jeder Hektar Verlust erhöht Pachtpreise

Die Bundesregierung hält an ihrem Ziel fest, bis 2020 den täglichen Anstieg von Siedlungs- und Verkehrsflächen auf 30 ha am Tag zu beschränken – so sieht es auch die Nachhaltigkeitsstrategie vor. Der Berufsstand kritisiert den nach wie vor zu hohen Zuwachs dieser Flächen. In 2013 waren es 73 ha täglich.

„Insbesondere für unsere jungen Landwirte ist das eine Katastrophe, weil jeder Hektar Verlust die ohnehin schon hohen Pachtpreise weiter nach oben treibt“, sagt Landvolk-Umweltreferent Hartmut Schlepps und fügt zu: „Ohne bezahlbare Pachtflächen kann  kein Betrieb dauerhaft überleben.“

Landvolk: Kompensationsflächen sind kritisch zu sehen

Mindestens ebenso kritisch sieht das Landvolk Niedersachsen die Flächenabnahme und Bewirtschaftungseinschränkungen durch immer neue Naturschutzverordnungen und Schaffung  sogenannter Kompensationsflächen. Schon seit 2010 beschränkt das Bundesnaturschutzgesetz  die Verwendung landwirtschaftlicher Nutzflächen für die naturschutzrechtliche Kompensation.

Die Realität sieht heute aber immer noch anders aus. Landwirte würden dabei doppelt in Bedrängnis geraten. Durch die für Siedlungs- und Verkehrswegebau geforderten Naturschutzmaßnahmen als Kompensation würden ihnen zusätzlich fruchtbare landwirtschaftliche Böden entzogen, erläutert Schlepps.

Agrarstrukturelle Belange stärker berücksichtigen

Das Landvolk Niedersachsen fordert eine stärkere Berücksichtigung agrarstruktureller Belange bei Planungen von Straßen und Siedlungen auch auf kommunaler Ebene.

Sollte dieser Flächenbedarf weiter anhalten, geht dies zu Lasten der nicht vermehrbaren Ressource Boden. Er ist die unverzichtbare Grundlage für den Anbau von Lebens- und Futtermitteln sowie von nachwachsenden Rohstoffen.

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