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Afrikanische Schweinepest

Wurstimporte aus Polen: Sind Sorgen wegen ASP berechtigt?

Lidl-Osteuropaeische-Spezialitaeten-Rohwurst
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Christa Diekmann-Lenartz, LAND & Forst
am
16.02.2018

Seit gestern bietet der Discounter Lidl in seiner Wochenaktion Fleisch- und Wurstwaren aus Polen an, darunter auch Rohwurst.
Die Landvolkverbände Cloppenburg, Oldenburg und des Emslandes forderten, dass Lidl die Rohwurst aus den Regalen nimmt, weil „über solche Fleischwaren ASP zu uns gelangen kann“. Die Fleischwirtschaft und das FLI reagierten mit Kopfschütteln und Nichtverständnis auf diese und ähnliche Äußerungen in sozialen Netzwerken.

Die Landvolkverbände aus Weser-Ems hatten völliges Unverständnis darüber geäußert, dass Lidl in seinen Supermärkten Rohwurst aus Polen verkauft. Vor dem Hintergrund, dass in Polen die Afrikanischen Schweinepest (ASP) grassiert, forderte Hubertus Berges, Vorsitzender des Landvolks in Cloppenburg, den Discounter auf, unverzüglich die genannten Produkte aus den Regalen zu nehmen.

Berges: „Lidl handelt verantwortungslos, denn über solche Fleischwaren kann ASP zu uns gelangen.“ Mit der Einfuhr von Rohwurst und anderen Fleischprodukten aus Polen leiste man einem Ausbruch der gefährlichen Seuche in Deutschland Vorschub, heißt es in der Pressemitteilung. Entsprechende Äußerungen von Landwirten gab es auch in den sozialen Netzwerken. Sie gingen bis zum Boykott-Aufruf gegen Lidl.

Strenge Auflagen und Beschränkungen

Auf Nichtverständnis und Kopfschütteln sind die Äußerungen zur „ASP-Gefahr“ durch polnische Wurst beim Verband der Fleischwirtschaft, VDF, aber auch beim Friedrich-Löffler-Institut (FLI), Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, gestoßen.

Der Deutsche Jagdverband hatte beim FLI nachgefragt, ob durch die Lidl-Rohwurst aus Polen ein Risiko der Einschleppung des ASP-Virus bestehe. Die Stellungnahme des FLI: „Es gibt, wie bei allen anzeigepflichtigen Tierseuchen, strenge Auflagen bzw. Beschränkungen für die Restriktionszonen, die im Falle eines Ausbruchs eingerichtet werden. Aus diesen Gebieten kommen keine Produkte in den internationalen Handel, auch nicht zu einem Discounter. Das, was in den Handel geht, stammt von gesunden Tieren und ist nach bestem Wissen und Gewissen frei von Tierseuchen.“

Von amtlich genusstauglichem Fleisch geht keine Gefahr aus

Lidl-Wurstwaren-Regal

Dr. Heike Harstick, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes der Fleischwirtschaft, VDF, Bonn, sagte: „Es ist für die gesamte deutsche Schweinebranche positiv zu sehen, dass der hiesige Lebensmittelhandel auf die EU-Regelungen vertraut, was ASP angeht und dass es als gesichert gilt, dass Fleisch oder Fleischwaren nur von gesunden Tieren in den Handel gelangen kann.“

Die gesetzlichen Vorgaben bei einem Ausbruch von ASP und die Festlegung von Restriktionsgebieten seien in der gesamten EU so gestaltet, dass eine Verbreitung der Seuche über Fleisch von Hausschweinen, das amtlich für genusstauglich erklärt ist und damit im gesamten Binnenmarkt frei verkehrsfähig ist, ausgeschlossen werde. Die ASP-Maßnahmen unterlägen zudem strengen amtlichen Kontrollen. 

Auch Deutschland erhofft sich Regionalisierung

Sämtliche Bemühungen, die derzeit in Deutschland unternommen würden, um eine Regionalisierung bei einem möglichen ASP-Ausbruch in Deutschland gegenüber Drittländern zu bewirken bzw. Exportrestriktionen auf den Fall eines Ausbruchs bei Hausschweinen zu beschränken, würden durch die jetzt geäußerten Forderungen in hohem Maße gefährdet, befürchtet Dr. Harstick. „Diejenigen, die sich über die Verwendung von Schweinefleisch aus Polen in Produkten von Lidl aussprechen und einen Schweinefleischboykott aus ASP-betroffenen Ländern einfordern, sollten sich fragen, was passiert, wenn bei einem ASP-Ausbruch in Deutschland alle um uns herum genauso reagieren würden, wie sie es jetzt von Lidl einfordern.“ 

Mit Material von Landvolkverbände Cloppenburg, Oldenburg, Emsland/Verband der Fleischwirtschaft (VDF)
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