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Kommentar

Unternehmensziele: Entscheiden in Zeiten der Unsicherheit

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Ralf Stephan, LAND & Forst
am
18.01.2017

Weder die öffentlichen Debatten noch die Politik geben Orientierung für landwirtschaftliche Unternehmer. So wird Zukunft verspielt.

Greenpeace stellte kürzlich sein „Kursbuch Agrarwende 2050“ vor. Erklärtes Ziel der Umweltorganisation ist der Schutz des Klimas. Wirtschaftliche Folgen für betroffene Betriebe oder die sozialen Auswirkungen in Regionen, aus denen sich die produktive Landwirtschaft zurückziehen soll, werden ausdrücklich nicht berücksichtigt. Eine Umweltorganisation kann das machen. Nachhaltigkeit im Sinne ihres ökologischen, ökonomischen und sozialen Dreiklangs ist das aber nicht.

Ein landwirtschaftlicher Unternehmer kann mit solchen programmatischen Papieren wenig anfangen. Selbst, wenn der Betriebsleiter die öffentlichen Debatten über die Zukunft der Landwirtschaft aufmerksam verfolgt, wird er daraus kaum Hinweise für seine unternehmerischen Entscheidungen ableiten können. Denn mit Visionen ist ihm heute nicht geholfen.

Medien helfen landwirtschaftlichen Unternehmern nicht

Diese Annahme hat eine aktuelle Umfrage, an der sich auch Leserinnen und Leser der LAND & Forst beteiligten, eindeutig erwiesen. Wir baten um ein Urteil über folgenden Satz: „Die aktuelle gesellschaftliche Diskussion, wie sie zum Beispiel über die Medien geführt wird, hilft mir dabei, meinen Betrieb zukunftsfähig aufzustellen.“

Acht von zehn Befragten können dieser These gar nicht oder eher nicht zustimmen. Das ist an sich noch kein Beinbruch, denn das Primat über Entscheidungen zu den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen liegt letztendlich bei der Politik und nicht bei den Medien.

Politik bremst landwirtschaftliche Unternehmen aus

Hier sieht es allerdings nicht besser, im Gegenteil. Die Frage, ob ihnen politische Entscheidungen der letzten Zeit geholfen hätten, ihren Betrieb zukunftsfest zu machen, beantworteten 83 % negativ, in Niedersachsen 85 %. Für das vernichtende Urteil über die Arbeit der Regierungen und Gesetzgeber gibt es Ursachen. Zum einen ist da die Zähigkeit der Entscheidungsprozesse selbst bei klaren Mehrheitsverhältnissen – Beispiel Düngegesetzgebung auf Bundesebene. Zum anderen ist es die Unberechenbarkeit, welche Auflagen und Verschärfungen als nächstes auf die Betriebe zukommen werden – Beispiel niedersächsisches Wassergesetz.

Jeder Fünfte, der im laufenden Jahr Ersatzinvestitionen zurückstellt, nennt dafür politikbedingte Verunsicherung als Grund. In unserer Umfrage kündigte jeder Vierzehnte die Betriebsaufgabe an, was sieben Prozent Strukturwandel bedeuten würde. Auf der anderen Seite setzt ein Drittel der Höfe auf weiteres Wachstum, 47 % der niedersächsischen Betriebe erwarten 2017 steigende Einkommen. Zuversicht und Selbstvertrauen sind also durchaus vorhanden, jedoch sehr ungleich verteilt.

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