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AbL zofft sich mit Neuland über Aldi-Kooperation

Schweine auf Stroh mit Neuland Logo
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Anke Fritz, agrarheute
am
08.10.2018

In der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die ein Trägerverband des Neuland-Tierhaltungsprogramms ist, gibt es eine heftige Auseinandersetzung über die neue Neuland-Kooperation mit Aldi und dem Tönnies-Fleischkonzern.

In seinem Newsletter beschreibt der ehemalige Pressesprecher der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Eckehard Niemann, den Ärger über die Neuland-Kooperation mit  ALDI. Seit Ende August liefere die Neuland Fleischvertriebs GmbH im westfälischen Bergkamen Neuland-Schweine über den Tönnies-Schlachthof in Rheda-Wiedenbrück in Aldi-Filialen.

Unter der Aldi-Eigenmarke „Fair und Gut“ bietet der Discounter dann Schweinefleisch aus artgerechter Tierhaltung im Premiumsegment und in ausgewählten Regionen mit dem Neuland-Label an. In der AbL-Zeitung „Unabhängige Bauernstimme“ wurde der Sachverhalt erläutert.

Aldi bietet Festpreis an

Bedingung der Neuland-Vermarkter sei gewesen, dass die belieferten Regionalgesellschaften in Gegenden liegen, die bisher nicht mit Neulandprodukten beliefert würden. Das soll Aldi vertraglich zugesichert haben. Außerdem sei ein Neuland-Festpreis für eine abgestimmte Abnahmemenge pro Woche bei einer Ganztiervermarktung und einer Laufzeit von fünf Jahren festgelegt worden.

Der Markt verändert sich

Hugo Gödde, langjähriger Geschäftsführer der Neuland-Vermarktungsgesellschaft spricht von einem Veränderungsprozess. Der Lebensmitteleinzelhandel würde zur treibenden Kraft in Sachen Marktdifferenzierung, der gesellschaftliche Anforderungen erfüllen wolle und dafür auch bereit sei, anders zu verhandeln und abzuschließen. „Aldi ist auf uns zugekommen, sie wollten die Pioniere artgerechter Tierhaltung.“

Kritik vom Vorstand

Immerhin 4 Mitglieder des achtköpfigen AbL-Bundesvorstands und zunächst 5 weitere Landesvorsitzende bzw. Landesvorstandsmitglieder haben die Form eines Leserbriefs in der Oktoberausgabe der „Unabhängigen Bauernstimme“ gewählt, um ihre zuvor schon in Bundesgremien formulierte Kritik an dieser Zusammenarbeit mit ALDI und Tönnies zu verbreiten. 

Entgegen stehe dieser Kooperation mit Konzernen das alte AbL-Grundprinzip, „dass wir Bäuerinnen und Bauern sowie unsere Handelspartner auch für die Auswirkungen unseres Handelns in anderen Teilen der Welt sowie für den vor- und nachgelagerten Bereich verantwortlich sind“. Die Kritiker verweisen auf die Leih- und Werksvertragsarbeit bei Tönnies, unerträgliche Arbeitsbedingungen, geringe Löhne, Wohn- und Mietbedingungen und Verfahren wegen Verstößen gegen Mindestlohn und Sozialversicherung. Tönnies exportiere etwa die Hälfte des Fleisches und wolle selbst in Russland riesige Agrar-, Tierhaltungs- und Schlachtbetriebe. Ein solcher Partner führe zu einem Glaubwürdigkeitsverlust, auch bei Bündnispartnern „für ein menschenwürdiges Existenzminimum“.   

Neuland forciere mit dieser Kooperation den Strukturwandel in Handel und Verarbeitung, wie er sich „nicht zuletzt in der Biobranche seit Jahren beobachten“ lasse. Eigentümergeführte Bioläden „verschwinden, obwohl gerade sie für viele kleinere und mittlere bäuerliche Betriebe wichtiger Abnehmer“ seien – ohne den bei Konzernen üblichen Aufwand umfangreicher Zertifizierung, großer einheitlicher Chargen oder teurer Kistensysteme.

„Mit diesem Leserbrief distanzieren wir uns deswegen in aller Deutlichkeit von der beschlossenen Zusammenarbeit zwischen Neuland, Aldi und Tönnies.“ heißt es abschließend.

 

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