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Konjunkturstudie

Agribusiness setzt im Vorjahr mehr als 210 Mrd. Euro um

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Redaktion agrarheute, agrarheute
am
30.01.2017

Die deutsche Fleischwirtschaft setzte in 2016 rund 40,4 Mrd. Euro, die Molkereiwirtschaft 24,4 Mrd. Euro. Insgesamt bleibt die Stimmung im deutsche Agribusiness laut einer Studie "trüb".

Stagnierende oder sogar rückläufige Umsätze, Akzeptanzprobleme in der Bevölkerung und zum Teil wegbrechende Auslandsmärkte haben im Jahr 2016 für eine trübe Stimmung im Agribusiness gesorgt, und die Branche steht weiter vor großen Herausforderungen. Diese Diagnose haben die Autoren des "Konjunkturbarometers Agribusiness in Deutschland 2017" gestellt, das jetzt von der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young in Zusammenarbeit mit der Universität Göttingen und der Marketinggesellschaft der niedersächsischen Land- und Ernährungswirtschaft erstellt worden ist.

  • Durch die Sanktionen der Europäischen Union sei der deutschen Ernährungsindustrie Russland als wichtiger Absatzmarkt weggebrochen, und hinter den Exportmärkten Großbritannien und USA stünden erhebliche Fragezeichen, heißt es in der Studie.
  • Die Branche sei bei einem zunehmend gesättigten Binnenmarkt stark von ihren Exporten abhängig, die mittlerweile rund ein Drittel des Gesamtumsatzes stellten.

'Unternehmen fahren auf Sicht'

"Die Unternehmen fahren 2017 trotz erster Anzeichen für eine Erholung der wirtschaftlichen Lage in der Milch- und der Fleischwirtschaft weiter auf Sicht und müssen ausreichend flexibel bleiben, um auf die volatile Lage schnell reagieren zu können“, erklärte Dr. Christian Janze von Ernst & Young.

Die Landtechnikindustrie bekomme den starken Rückgang der Agrarpreise zu spüren, während die zunehmenden Unsicherheiten und protektionistischen Tendenzen und die sich verhalten entwickelnde Nachfrage auf wichtigen Exportmärkten der Milch- und Fleischwirtschaft zusetzten.

Prof. Ludwig Theuvsen von der Universität Göttingen sieht den zunehmenden Akzeptanzverlust in der Bevölkerung als weiteres Problem. Vor allem die Fleischwirtschaft habe mit einem Imageverlust zu kämpfen, der mit einem grundlegenden Wandel der Einstellung in Teilen der Gesellschaft zur industriellen Landwirtschaft im Allgemeinen und dem Fleischkonsum im Besonderen zu tun habe.

Gefahr einer neuen Abwärtsspirale

Laut der Studie hat das Agribusiness in Deutschland 2016 trotz niedriger Agrarpreise nach vorliegenden Schätzungen insgesamt mehr als 210 Mrd. Euro umgesetzt.

  • Die größte Teilbranche, die Ernährungsindustrie, habe bei den Erlösen gegenüber 2015 ein leichtes Plus von 0,6 Prozent (%) auf rund 170 Milliarden (Mrd.) Euro verzeichnet. Bei der Molkereiwirtschaft sei für 2016 von einem Minus von 0,7 % auf etwa 24,4 Mrd. Euro auszugehen. Marktexperte Janze erwartet, dass die Nervosität innerhalb der Milchbranche anhalten werde. Die Versuchung, die Produktion angesichts der aktuell höheren Preise erneut auszuweiten, um entstandene finanzielle Löcher zu stopfen, sei bei den Milchbauern groß. Damit könnte wieder eine neue Abwärtsspirale in Gang gesetzt werden.
  • Die Fleischwirtschaft habe dagegen 2016 den Rückgang ihrer Umsätze aufhalten können und sei wieder gewachsen, und zwar schätzungsweise um 1,8 % auf 40,4 Mrd. Euro. Zu beobachten sei jedoch, dass die Verbraucher in Deutschland zum Großteil nicht bereit seien, mehr zu zahlen, so Janze. Gleichzeitig nehme der Druck auf die Branche zu, höhere Tierwohlstandards einzuhalten, die entsprechend auch mehr Geld kosteten. Zudem könnte 2017 die Geflügelpest noch negative Auswirkungen zeigen.

Landtechnikbranche mit starken Einnahmerückgängen

Mit Problemen hatten im vergangenen Jahr der Studie zufolge die Hersteller von land- und forstwirtschaftlichen Maschinen zu kämpfen. Seit dem Allzeithoch im Jahr 2013 mit einem Gesamtumsatz von 8,39 Mrd. Euro habe die Branche erhebliche Einnahmerückgänge zu verkraften. Für das vergangene Kalenderjahr sei von Erlöseinbußen von rund 5 % auf etwa sieben Mrd. Euro auszugehen.

Janze hält die Stimmung der Landtechnikunternehmen mittlerweile für "krisenhaft". Mit Blick auf 2017 gäben die protektionistischen Tendenzen weltweit und vor allem in den Vereinigten Staaten zu denken.

Mit Material von Agra Europe
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