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Agrargewerbliche Wirtschaft / Jahres-PK

Agrarhandel sieht viele Herausforderungen

PK BVA und DVT
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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
02.04.2019

Die deutschen Agrarhändler erwarten, dass sich die Anforderungen an die Marktakteure künftig spürbar verändern. Gründe sind unter anderem die veränderten gesellschaftlichen Anforderungen und die Digitalisierung.

Nach Einschätzung des Bundesverbandes der Agrargewerblichen Wirtschaft (BVA) ergeben sich durch die veränderten gesellschaftlichen Erwartungen sowie durch politische Entscheidungen auch veränderte Anforderungen an die Marktakteure.

Darüber hinaus müssten sich künftig auch ackerbauliche Gunstregionen wie Deutschland verstärkt auf Wetterextreme einstellen, sagte BVA-Verbandspräsident Rainer Schuler im Rahmen der Jahrespressekonferenz in Berlin.

Was die neue Ernte 2019 betrifft, erwartet der BVA derzeit eine durchschnittliche deutsche Getreideernte. Im Gegensatz dazu dürfte die Rapsernte deutlich unter dem langjährigen Mittel liegen.

Tierbestände werden weiter abnehmen

Mittelfristig erwartet der BVA einen weiteren Rückgang der Rinder- und Schweinebestände in Deutschland. Diese durch die 2017 novellierte Düngeverordnung ausgelöste Entwicklung wird in den nächsten Jahren durch weitere Maßnahmen im Bereich Tierwohl sowie durch die Reduktionsziele für Ammoniakemissionen verstärkt. In Folge rechnet der Verband mittel- bis langfristig auch mit einer rückläufigen Nachfrage nach Futtergetreide.

Schuler sieht die im BVA organisierten Agrarhandelsunternehmen jedoch gut aufgestellt, um mit diesen veränderten Bedingungen umzugehen. „Wie jeher wird der Agrarhandel auch in Zukunft die Landwirte dabei unterstützen, sich auf neue Gegebenheiten einzustellen“, ist Schuler überzeugt. Dies schließt neben der bestmöglichen Vermarktung der gelieferten Ware unter anderem auch Beratungsangebote zur Risikominderung ein.

Vielzahl von Ackerbaustrategien nicht hilfreich

Im Hinblick auf die bislang vorliegenden Ackerbaustrategien machte der Geschäftsführer des BVA, Martin Courbier, deutlich: „Eine Vielzahl an Einzelstrategien mit einem schier unüberschaubarem Strauß an Maßnahmen führt eher zu Verwirrung, als zu Klarheit.“ Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hätte nach Auffassung des BVA früher mit den Verbänden in den Dialog hierzu treten sollen.

So bleibt bis heute weitgehend unklar, was die Branche mit der Ackerbaustrategie des Ministeriums erwartet und inwiefern sie sich in die Vorstellungen der Spitzenorganisationen der Landwirtschaft einfügt. Die bislang vorgelegten Strategien beinhalteten laut BVA vor allem Aussagen zu den Themenblöcken Fruchtfolge, Digitalisierung, Betriebsmitteleinsatz und Strukturwandel.

Eine breitere Fruchtfolge sei aus pflanzenbaulicher und Umweltsicht sinnvoll, berge für den Agrarhandel aber auch Herausforderungen. Saatgut müsse schneller gezüchtet und produziert werden, Genehmigungsverfahren im Baurecht müssten schneller gemacht und Förderanträge entbürokratisiert werden. Und auch die Logistikengpässe müssten dringend aufgelöst werden.

Digitale Transformation

Das alles könnten nach Auffassung des BVA allerdings noch harmlose Aufgaben im Vergleich zur rasant verlaufenden digitalen Transformation sein. In diesem Bereich seien aus Sicht des BVA Investitionen unabdingbar. Das betrifft auch solche, die mit vergleichsweise hohen Risiken verbunden sind. Denn die Gefahr eines disruptiven Innovationsprozesses sollte alle Beteiligten antreiben, sich hier einzubringen und für die Zukunft aufzustellen, ruft der BVA die Branche auf.

„Zu glauben, dass der Agrarhandel von geschäftlichen Revolutionen auf Dauer verschont bleibt, halte ich für naiv“, so der BVA-Geschäftsführer abschließend. Unternehmen des Agrarhandels müssten sehr konkret überlegen, mehr zu kooperieren, um den Anforderungen der Kunden künftig noch gerecht werden zu können. Firmenübergreifende Anwendungen, Apps und Plattformen seien für die Landwirtschaft das A und O bei digitalen Prozessen, sagte Courbier.

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