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+++ Aktualisiert: 11:30 Uhr +++

Agravis Raiffeisen AG wieder in den schwarzen Zahlen

Agravis Zentrale in Münster
am Mittwoch, 24.03.2021 - 10:05 (Jetzt kommentieren)

Die Agravis Raiffeisen AG hat 2020 wieder mit Gewinn gewirtschaftet. Die Sonderlasten des Vorjahres wurden verarbeitet.

Dr. Dirk Köckler

Wie das Agrarhandels- und Dienstleistungsunternehmen heute bekanntgab, konnte das Ergebnis vor Steuern 2020 auf 30,5 Mio. Euro verbessert werden, nachdem im Vorjahr noch ein Minus von 20,5 Mio. Euro in den Büchern stand. Ursache war damals die Einmalbelastung durch eine Geldbuße für die Beteiligung am Pflanzenschutzkartell. Auf Basis der verbesserten Wirtschaftlichkeit soll den Aktionären eine Dividende von 4 Prozent oder 1,02 Euro je Aktie vorgeschlagen werden. Darüber entscheidet die Hauptversammlung am 4. Mai.

Der Umsatz der Agravis gab im Berichtsjahr geringfügig nach von 6,45 Mrd. Euro auf 6,39 Mrd. Euro. Für 2021 rechnet der Vorstandsvorsitzende Dr. Dirk Köckler mit einem Umsatz und Ergebnis etwa auf Vorjahreshöhe. „Beim Umsatz gehen wir in 2021 von 6,2 Mrd. Euro aus und beim Ergebnis vor Steuern streben wir einen ähnlichen Wert wie in 2020 an. Wir haben mit 31,6 Mio. Euro vor Sonderprojekten geplant“, erläuterte Köckler.

Allerdings räumte Finanzvorstand Johannes Schulte-Althoff ein, dass die Umsatzprognose für 2021 auf der Marktlage von Oktober/November 2020 basiere. Angesichts des jüngsten Preisanstiegs vor allem für Dünger, Getreide und Öl sei ein Umsatz von erneut 6,4 Mrd. Euro im laufenden Jahr realistisch.

Lebhafte Nachfrage nach neuen Traktoren

In den beiden größten Geschäftsbereichen Pflanzen und Tiere blieb der Umsatz 2020 praktisch konstant. Die Trockenheit, die Düngeverordnung und rückläufige Tierzahlen belasteten das Geschäft. Köckler geht davon aus, dass die gesellschaftlichen Debatten und politischen Entscheidungen dazu führen werden, dass die Landwirtschaft in Deutschland auch künftig tendenziell „weniger Getreide ernten, weniger Tiere halten und weniger Betriebsmittel einsetzen wird“. Das bedeute weniger Geschäftsvolumen für die Agravis, weshalb die operative Exzellenz für ein stabiles Ergebnis von 0,5 Prozent Umsatzrendite so wichtig sei.

Im Geschäftsfeld Technik führte eine rege Nachfrage nach neuen Traktoren im vergangenen Jahr zu einem Umsatzplus von 12,1 Prozent auf 973 Mio. Euro. Die Raiffeisen-Märkte der Agravis verbuchten ein Umsatzwachstum von 19,4 Prozent auf 350 Mio. Euro. Viele Kunden entdeckten die Raiffeisen-Märkte neu.

Agravis bündelt den Vertrieb von Geflügelfutter

Im Bereich des Onlinehandels rechnet Köckler damit, dass die verschiedenen Initiativen der Genossenschaften, die derzeit am Markt sind, sich operativ annähern werden. Agravis sei für eine Zusammenarbeit jedenfalls offen, sagte der Vorstandschef.

Ihre Marktposition beim Vertrieb von Geflügelfutter will die Agravis weiter ausbauen. Aus diesem Grund sollen die bisher regional organisierten Vertriebsaktivitäten künftig in der Konzerngesellschaft GiG Geflügel GmbH zusammengeführt werden. Die GiG wird ab dem 1. Mai 2021 die Verantwortung für das Vertriebsgeschäft im westlichen Arbeitsgebiet der Agravis übernehmen.

Schwerpunkt der Investitionen in der Digitalisierung

Im laufenden Jahr will die Agravis 58,3 Mio. Euro investieren. Der Schwerpunkt liegt dabei nach Firmenangaben abermals in der Digitalisierung. Die Digitalisierung müsse für Landwirtschaft und Genossenschaften künftig eine spürbar nützlichere Rolle einnehmen, sagte Köckler. „Wir müssen es schaffen, mehr und mehr Dienstleistungen mit einem klassischen Mehrwert digital anzubieten“, so der Vorstandschef. Darum investiere die Genossenschaft weniger in Steine und Beton, mehr in Digitalisierung, Prozesse und IT-Anwendungen.

Agravis hat ihr Eigenkapital gestärkt

Aus Sicht von Finanzvorstand Schulte-Althoff bestätigen die Zahlen des Geschäftsjahrs 2020, dass das Unternehmen nach den Einmal-Belastungen aus 2019 seinen Kurs konsequent umsetzt, und das trotz der erneuten Trockenheit, den Herausforderungen durch Vogelgrippe, Afrikanische Schweinepest und der gesamten Corona-Pandemie sowie der gesellschaftlichen und politischen Debatten um die „richtige“ Landwirtschaft.

Schulte-Althoff präsentierte auch ein deutliches Plus im Eigenkapital, das durch die Ausgabe von Genussscheinen von 543,5 Mio. auf rund 578 Mio. Euro gestiegen ist. „Die Eigenkapitalquote hat sich damit um über zwei Prozentpunkte von 27,4 auf 29,6 Prozent erhöht – wir sind dem langfristigen Ziel von einer Eigenkapitalquote von 30 Prozent sehr nahe gekommen.“

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