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Agrarhandel

Agravis will weiter investieren

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am Donnerstag, 26.03.2020 - 18:10 (Jetzt kommentieren)

Das Agrarhandelsunternehmen gibt sich für das neue Geschäftsjahr zuversichtlich und rechnet 2020 mit einem Ergebnis von 30,2 Mio. € vor Steuern. Für 2019 steht hier ein Minus von 20,7 Mio. €, bedingt allerdings auch durch das Bußgeld im Pflanzenschutzkartellverfahren.

Mit einem Umsatz von rund 6,5 Mrd. € war die Agravis 2019 „operativ gut im Markt unterwegs“. Das sagte Dr. Dirk Köckler, Vorstandschef des Unternehmens, auf der Bilanzpressekonferenz der Agravis am Mittwoch. Wegen des Coronavirus fand die Veranstaltung ohne Präsenz vor Ort statt. Stark gedrückt wurde das Unternehmensergebnis vor Steuern durch eine außergerichtliche Einigung mit dem Bundeskartellamt in einem Verfahren wegen des Vorwurfs der Absprache von Preisen für Pflanzenschutzmittel. Die Agravis bezahlte hier ein Bußgeld von 43,7 Mio. € und zieht damit laut Köckler einen „Schlussstrich“. Fragen von Journalisten ob die Agravis nicht doch, ähnlich wie die BayWa, Amtshaftungsklage gegen das Kartellamt wegen des Vorgehens bei der Untersuchung stellen würde, verneinte Köckler.

Corona: bei Logistik stark betroffen

Sorgen macht der Agravis die Corona-Pandemie. Im aktuellen Geschäft sei man davon bereits bei der Logistik stark betroffen. Allerdings verfüge das Unternehmen nicht über große Lagerbeständen an Mineralöl und Agrarerzeugnissen und sei damit vom Einbruch unter anderem der Rohölpreise verschont geblieben. Auch die Kurzarbeit bzw. Produktionsstopps bei Landtechnikherstellern könne die Agravis bislang verkraften, da der eigene Maschinenpark wertmäßig rund 30 % des Umsatzes ausmachen würde.

Betriebsmittelversorgung bis Ostern gesichert

Sollte die Pandemie aber weiter fortschreiten, sei mit weitreichenden Konsequenzen zu rechnen. Betroffen wären zunächst voraussichtlich die Futtermittel, von denen signifikante Mengen importiert würden. Die Versorgungslage der Landwirte mit Betriebsmitteln sei derzeit gesichert. Köckler betonte aber: „Wir fahren auf Sicht und können bis Ostern diesen aktuellen Mehraufwand noch leisten. Danach hoffen wir, dass die Lage sich langsam wieder normalisiert, wobei wir wissen, dass das Runterfahren doppelt so schnell geht wie das wieder Hochfahren.“

49 Millionen Euro investieren

Weiter investieren will die Agravis im neuen Jahr dennoch. Laut Köckler sollen rund 49 Mio. € in „Standortqualität, in Leistungsfähigkeit, in Kundennähe“ investiert werden. Allein in digitale Arbeitsfelder sollten 2020 rund 10 Mio. € fließen. Trotz der Corona-Krise gebe es hier auch positive Anzeichen. So habe die Landmaschinen-Auktion des Unternehmens in Meppen zwar wegen des Virus nur online stattgefunden. Allerdings habe es trotzdem zahlreiche Bieter und einen regen Geschäftsverlauf gegeben.

Schwerpunktmarkt Deutschland

Als Ziel für 2020 nannte Köckler: „Agravis hat den Anspruch, ein profitables, dauerhaft dividendenfähiges Agrarhandels- und Dienstleistungsunternehmen zu sein, das in der Lage ist, Gewinne zu thesaurieren.“ Er erklärte: „Wir haben in neuer Besetzung im Vorstand gemeinsam mit dem Aufsichtsrat und dem Führungskreis Weichen klar und konkret gestellt, an vielen Stellen bereits Veränderungen angeschoben und umgesetzt – hin zu mehr Geschäft, mehr operativer Exzellenz und Kostendisziplin. Als Lösungsgeber und Innovationstreiber verstehen wir uns als das marktrelevante Agrarhandelsunternehmen mit dem Schwerpunktmarkt in Deutschland.“

Konsolidierung bei Futtermitteln

Konkret plane die Agravis, zum 1. April 2020 die drei bisher eigenständigen Vertriebsgesellschaften Agravis Mischfutter Westfalen, Agravis Mischfutter Emsland und Agravis Futtermittel Rhein-Main zur Agravis Mischfutter West GmbH zusammenzuführen. Gemeinsam müsse man sich im genossenschaftlichen Verbund auf einen sinkenden Verzehr von Fleisch und Fleischprodukten in den kommenden Jahren einstellen. Auf dem Markt für Misch- und Spezialfutter gebe es derzeit Überkapazitäten. Im Osten der Republik will die Agravis ab Januar 2021 außerdem ihre vier einzelnen Gesellschaften zur Agravis Ost zusammenführen.

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