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Landtechnik

Agritechnica: Konjunktur-Uhr steht auf Boom

agrarheute auf agritechnica
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Norbert Lehmann, agrarheute
am
13.11.2017

Die Landtechnikindustrie verspürt rund um den Globus eine regelrechte Aufbruchstimmung. Das wurde heute auf der Eröffnungspressekonferenz der Weltleitmesse für Agrartechnik in Hannover deutlich. Ein Trend beflügelt die Phantasie besonders.

„Wir kommen mit einem sehr ordentlichen Rückenwind nach Hannover“. Mit diesen Worten eröffnete der Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Dr. Bernd Scherer, heute offiziell die Agritechnica. Nach drei Jahren der Rezession rechnen die Landtechnikhersteller 2017 mit einem Umsatzplus von 6 Prozent auf 7,6 Mrd. Euro.

Laut Dr. Reinhard Grandke, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), wollen fast 40 % der deutschen Ackerbauern in den nächsten zwölf Monaten in ihre Betriebe investieren. Die Landwirte in Deutschland und Europa schätzten ihre wirtschaftliche Situation positiver ein als noch vor einem Jahr. Noch optimistischer seien die Erwartungen an die künftige wirtschaftliche Entwicklung.

Alle Indikatoren zeigen nach oben

Dr. Bernd Scherer

Scherer geht daher auch nicht davon aus, dass die vollen Auftragsbücher der Landtechnikhersteller nur ein Strohfeuer sind. Für das kommende Jahr rechnet die Branche mit einem Zuwachs von 4 Prozent. „Sämtliche fundamentalen Indikatoren zeigen nach oben“, erläuterte Scherer. Die weltweit steigenden Milchpreise, Wechselkursvorteile aufgrund des schwachen Euros und der Trend zur Professionalisierung der europäischen Landwirtschaft seien die Bestimmungsgründe der Hausse.

Ein besonderer Investitionsanreiz geht nach Einschätzung von Scherer von der digitalen Transformation aus. Allerdings seien dabei drei Herausforderungen zu bewerkstelligen: der Breitbandausbau im ländlichen Raum, der Datenschutz und die Entwicklung industrieweiter Standards für kompatible Maschinen und Anwendungen.

Chancen für eine effizientere Produktion

Dr. Reinhard Grandke

Laut DLG-Hauptgeschäftsführer Grandke sehen zwei Drittel der deutschen Landwirte in der Digitalisierung eine Chance. Die Chancen lägen in einer effizienteren Produktion und besseren Vernetzung. Risiken sähen sie insbesondere in der Datensicherheit und Datenhoheit.

Paradigmenwechsel zeichnet sich ab

Prof. Arno Ruckelshausen

Prof. Arno Ruckelshausen von der Hochschule Osnabrück sieht in der Digitalisierung die Möglichkeit, die Landwirtschaft noch nachhaltiger zu gestalten. Schädliche Umweltwirkungen könnten vermindert und zugleich die Wirtschaftlichkeit verbessert werden.

Beim Pflanzenschutz sei durch die Verbindung von digitaler Sensortechnik und mechanischer Technologie der Beginn eines Paradigmenwechsels in Sicht, wenn sich Unternehmen wie Claas oder John Deere mit einer Kombination aus bildgebenden und mechanischen Verfahren an den konventionellen Landbau wenden. Ruckelshausen sieht in dieser Entwicklung die Möglichkeit, überkommene Gräben zwischen konventionellen und ökologischem Landbau zu überwinden.

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