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Schweinemarkt

Aldi und Kaufland sehen Not der Schweinehalter und wollen entlasten

Aldi- und Kaufland-Filiale
am Montag, 06.09.2021 - 11:22 (Jetzt kommentieren)

Um einen Beitrag gegen die katastrophale Situation auf dem Schweine- und Ferkelmarkt zu leisten, haben Aldi und Kaufland Unterstützung angekündigt. Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) spricht von einem Tropfen auf den heißen Stein.

Wie Aldi Nord in einer Pressemitteilung erläutert, wollen Aldi Nord und Aldi Süd Neuausschreibungen für Schweinefleischprodukte aussetzen. Kaufland führt laut einer Mitteilung vom 2. September eine Mindestnotierung für Schweinefleisch aus der Haltungsstufe 2 ein. Während Aldi vorübergehend unterstützen will, soll Kaufland erhöhter Mindestpreis dauerhaft gelten.

Die ISN wertet die Reaktion der Einzelhändler als positives Signal, macht aber auch auf die Bedeutung des Absatzes für deutsche Schweinefleischprodukte aufmerksam.

Auch Edeka Südwest hatte den Schweinemästern des Regionalprogramms Gutfleisch einen Aufpreis garantiert, sollte der Erzeugerpreis die Marke von 1,40 Euro pro Kilogramm unterschritten werden. Darüber hinaus hatte Rewe im Rahmen seines „5D“- Bekenntnisses bereits angekündigt, die Einkaufspreise auf einem Vor-ASP-Niveau halten beziehungsweise anheben zu wollen.  

Aldi unterstreicht Einkaufspreis auf Vor-ASP-Niveau

Aldi betont, dass sich seine Einkaufspreise am Niveau von vor Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) orientierten. Das ermögliche den Lieferanten eine Vergütung, die um etwa 15 bis 20 Prozent höher als das aktuelle Schweineauszahlungs-Preisniveau liege.

Tobias Heinbockel, Managing Director bei Aldi Nord, erklärt: „Mit dem vorübergehenden Verzicht auf Neuausschreibungen zahlen wir bewusst über Schweineauszahlungs-Preisniveau und möchten so zu einer Entspannung der Situation beitragen.“ Für den massiven Einbruch der Basispreise seien die Exportstopps für Schweinefleisch insbesondere in asiatische Länder, aber auch der rückläufige Konsum der deutschen Verbraucher verantwortlich. 90 Prozent des Frischfleischs bei Aldi stammten von Erzeugern und Lieferanten aus Deutschland, so der Discounter.

Mindestnotierung von 1,40 Euro bei Kaufland

Auf 1,40 Euro pro Kilogramm beläuft sich nach Angaben von Kaufland die Mindestnotierung des Einzelhändlers für Schweinefleisch aus Haltungsstufe 2. „Die Einführung dieser Mindestnotierung ist ein wichtiges Zeichen für unsere Lieferanten und Vertragslandwirte“, sagt Stefan Rauschen, Geschäftsführer Einkauf Frische bei Kaufland. Im Rahmen des Wertschätze-Qualitätsfleischprogramms würden die 1,40 Euro bereits jetzt an die Vertragslandwirte gezahlt.

In der Pressemitteilung von Kaufland heißt es außerdem, dass die erhöhten Mindestpreise als Unterstützungsmaßnahme nun dauerhaft fortgeführt würden.

ISN ruft zur Nutzung aller Vertriebswege auf

Dass der LEH den Ernst der Lage in der Schweinehaltung zu erkennen scheint und auf den Druck aus der Landwirtschaft reagiert, begrüßt die ISN zunächst. Das sei „ohne Frage ein positives Signal“, aber angesichts der fortgeschrittenen Situation „dann doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein“. Um die hohen Tierwohlziele künftig erreichen zu können, seien Schweinehalter mit Tieren aus den Haltungsstufen 1 und 2 darauf angewiesen, heute Geld zu verdienen.

Deshalb müsse das Preisniveau für Ferkel und Mastschweine schnell wieder steigen und auskömmlich sein. Die Voraussetzung dafür sei der Absatz, für den der LEH alle Vertriebswege und Absatzwerbung für deutsches Schweinefleisch nutzen müsse. Daneben müssten der Großhandel, Außer-Haus-Verzehr reagieren und deutsches Fleisch mit deutschen Standards anbieten. In diesen Bereichen gebe es „noch besonders viel Luft nach oben“, so die Interessengemeinschaft.

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