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Lebensmitteleinzelhandel

Aldi legt beim Trinkmilchpreis drauf

Aldi Logos auf einer Internetseite
am Donnerstag, 12.03.2020 - 13:27 (1 Kommentar)

Überraschend hat Aldi heute bekannt gegeben, einen höheren Trinkmilchpreis für die nächsten sechs Monate akzeptiert zu haben. Zugleich rücken die Unternehmensgruppen Nord und Süd enger zusammen.

Die Unternehmensgruppen Aldi Nord und Aldi Süd haben heute einen Abschluss für die Ausschreibungen von wichtigen Milcherzeugnissen ("weiße Linie") ab Mai 2020 mit einer Laufzeit von sechs Monaten erzielt. Das teilte der Discounter in einer Presseinformation mit.

Der Einkaufspreis für Milch soll über den letzten Runden liegen, wird Christoph Schwaiger, verantwortlich für den internationalen Einkauf bei Aldi Süd, zitiert. Angaben zur absoluten Höhe des Einkaufspreises machte Aldi nicht. Aus dem Markt ist von einem Aufschlag in der Größenordnung von 4 bis 5 Cent je Liter zu hören.

Gespräch mit dem Bauernverband

Aldi hatte die Verhandlungen für die Milchpreise in diesem Jahr früher aufgenommen. Erstmals führte der internationale Einkauf Aldi Global Sourcing im Namen beider Häuser die Gespräche. Dabei war es zu öffentlich ausgetragenen Spannungen gekommen. Aldi wurde vorgeworfen, die Unsicherheit am Weltmilchmarkt durch das Coronavirus für zusätzlichen Preisdruck auszunutzen.

Erst gestern hatten daraufhin die Spitzen des Deutschen Bauerverbandes (DBV) und von Aldi Nord miteinander über die Lage am Milchmarkt und eine verantwortungsvolle Einkaufspolitik gesprochen.

Die Marktlage hätte angeblich einen niedrigeren Preis hergegeben

"Wir stehen für langfristige, partnerschaftliche Beziehungen mit unseren Lieferanten", sagte Jürgen Schwall, verantwortlich für den internationalen Einkauf bei Aldi Nord, heute nach Abschluss der Kontraktverhandlungen. Laut Schwall akzeptierte Aldi in den aktuellen Milchpreisverhandlungen ungeachtet der international negativen Marktwicklungen einen Preis, der die hohen Qualitätsstandards der deutschen Milchindustrie widerspiegele.

„Wir zahlen somit mehr, als wir gemäß der Marktlage hätten akzeptieren müssen. Wir gehen davon aus, dass ein angemessener Teil bei den Landwirten ankommt und nicht in der Wertschöpfungskette der Milchindustrie hängen bleibt“, sagte Schall.

Positive Signal – mit eingeschränkter Aussagekraft

Trotz der positiven Signalwirkung dieses Abschlusses darf nicht vergessen werden: Gegenstand der Verhandlungsrunde waren die Preise für frische und haltbare Vollmilch mit 3,5 % und 1,5 % Fett der Aldi-Eigenmarken. Welche Preise die Molkereien für ihre Markenmilch erhalten, wurde bislang nicht bekannt. Auch wie Aldi andere Erzeugnisse der Weißen Linie bewertet, blieb offen.

Abzuwarten bleibt außerdem, wie andere Einzelhandelsketten auf den Aldi-Abschluss reagieren: Werden sie das Trinkmilchpreisniveau des Konkurrenten akzeptieren oder werden sie von den Molkereien weitere Zugeständnisse einfordern?

DBV-Milchpräsident Schmal erklärte, der Abschluss von Aldi sei ein erster wichtiger Schritt für die Milchbauern. Die anderen Unternehmen müssten jetzt diesem Beispiel folgen. Diese Richtung müsse auch für alle anderen Milchprodukte gelten. Schmal rief die Molkereien auf, den erzielten Mehrerlös auch an die Bauern weiterzureichen.

CDU-Politiker sprechen von Fusionsplänen

Die Marktstellung von Aldi ist längst nicht mehr unangefochten. Nicht zuletzt deshalb rücken Aldi Nord und Aldi Süd bereits seit längerem immer enger zusammen. Passend dazu wurde heute bekannt, dass die beiden Unternehmensgruppen bis Ende des Jahres rund 100 Eigenmarken vereinheitlichen wollen.

Nach Angaben der CDU-Abgeordneten Gitta Connemann und Albert Stegemann planen Aldi Nord und Süd sogar eine Fusion.

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