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Genossenschaften und Agrarhandel

BayWa: Rekordergebnis und Lutz-Nachfolge geregelt

BayWa Zentrale
am Donnerstag, 24.03.2022 - 14:00 (Jetzt kommentieren)

Die BayWa AG hat 2021 das nächste Rekordergebnis eingefahren und steigert ihr Ergebnis zum Vorjahr um rund 26 Prozent.

BayWa-Vorstandschef Klaus Josef Lutz

Der Umsatz der BayWa liegt 2021 bei 19,8 Mrd. € (Vorjahr: 16,5 Mrd. €). Für den Vorstandsvorsitzenden Klaus Josef Lutz war es heute in München wohl die vorletzte Bilanzpressekonferenz. Er wird zum 31. März 2023 das Amt abgeben und dem Unternehmen voraussichtlich als Chef des Aufsichtsrats erhalten bleiben.

Die heute vorgelegte Bilanz der BayWa trägt aber noch die Handschrift des Vorstandsvorsitzenden. Lutz, der 2008 die BayWa übernommen hat, baute den Konzern massiv in Richtung Internationalisierung um.

Zum absoluten Gewinnbringer ist der Sektor Erneuerbare Energien geworden. In dieses Segment stieg die BayWa vor elf Jahren ein. Die Erneuerbaren Energien trugen 2021 zu 50 % des EBIT bei. Der Umsatz lag bei 3,5 Mrd. €, das EBIT bei 135 Mio. €. „Wir sehen das beste Ergebnis in der Firmengeschichte“, so Lutz über das Gesamtergebnis.

Getreidehandel lebt von der Hand in den Mund

Gut entwickelt hat sich auch das Geschäftsfeld Agrar. In Sachen Getreide und die geringe Lagerhaltung in Europa meinte Lutz: „Wir leben von der Hand in den Mund.“

Im Getreidehandel habe sich bei der BayWa und der Geschäftseinheit Cefetra Group „die Strategieänderung hin zu Spezialitäten positiv ausgewirkt“. Der Umsatz beträgt 5 Mrd. €, das EBIT konnte von 21,6 Mio. auf 38,8 Mio. € gesteigert werden.

"Bauernmilliarde" beflügelt das Landtechnik-Geschäft

Auch mit dem Bereich Technik ist der Vorstandsvorsitzende zufrieden. Der Umsatz beträgt 1,9 Mrd. €, das EBIT erbrachte 48,6 Mio. € (Vorjahr 54,4 Mio. €). Die BayWa profitiert von den hohen Zulassungszahlen bei Traktoren; durch die sogenannte Bauernmilliarde erwartet sich Lutz einen weiteren Nachfrageschub.

Gewinnbringend ist auch weiterhin das Obstgeschäft (Umsatz 960 Mio. €, EBIT 42,6 Mio. €). Für Lutz „sensationell“ ist das Ergebnis im Sektor Bau. Das EBIT konnte mit 73,2 Mio. € deutlich gesteigert werden (Vorjahr 46,9 Mio. €), der Umsatz belief sich auf 2,08 Mrd. €. Lutz sprach von einer anhaltend guten Baukonjunktur und dem Problem des Fachkräftemangels: „Der Flaschenhals sind die Fachkräfte.“

Krieg in der Ukraine und die Versorgungslage

Für Lutz gibt es überhaupt keinen Grund, über Hungersnöte in Deutschland und Europa zu philosophieren. Die Getreidemengen aus Russland und der Ukraine werden dem Weltmarkt aber nicht zur Verfügung stehen. 40 Mio. t Getreide stünden „derzeit im Risiko“.

Der BayWa-Chef begrüßte den EU-Beschluss, geplante Stilllegungsflächen für die Produktion freizugeben. Hierzu bräuchte es aber auch Sonderzulassungen im Pflanzenschutz.

Landwirte können mit Düngemitteln beliefert werden

Für die Versorgung mit Düngemitteln sieht sich die BayWa gut gerüstet. „Wir sehen keine großen Schwierigkeiten. Wir können die Landwirte beliefern“, meinte Lutz.

Während er die Versorgungslage bei Getreide in der EU entspannt sieht („Bitte keine Panikkäufe“), könne die Lage in Nordafrika schnell problematisch werden. Nordafrika ist vom Brotweizen aus der Schwarzmeerregion abhängig. Neben enorm hohen Preisen, drohen dort auch Versorgungsengpässe.

Lutz gibt sich überrascht vom Wechsel in den Aufsichtsrat

Abschließend äußerte sich der Manager zur Nachfolgeregelung bei der BayWa. „Ich bin froh, dass der Marcus dieses Rennen gewonnen hat.“ Mit Marcus Pöllinger, Lutz erster Assistent und seit 1. November 2018 Vorstand, übernimmt quasi ein Eigengewächs ab 1. April 2023 die Geschicke des Konzerns.

Dass Lutz jetzt von den Mehrheitsgesellschaftern als Aufsichtsratsvorsitzender nominiert wurde, hat den 64-Jährigen offenkundig überrascht: „Das habe ich nicht so geplant. Ich fühle mich sehr geehrt. Damit hatte ich nicht gerechnet.“

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