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Klimamodelle und Landwirtschaft

Bessere El-Niño-Prognose soll Bauern helfen

El Nino
am Dienstag, 05.11.2019 - 11:15 (Jetzt kommentieren)

Gießener Wissenschaftler sagen für Ende 2020 einen El-Niño voraus. Das Wetterphänomen hat oft sehr negative Folgen für die globale Agrarwirtschaft. Aktuelle Wettermodelle sehen derzeit für 2020 aber noch keine El-Nino-Gefahr.

Das Wetterphänomen El Niño wird nach Einschätzung von Forschern aus Deutschland und Israel wahrscheinlich Ende 2020 wieder auftreten. Die Prognose beruht laut einer Mitteilung der Universität Gießen auf einem Algorithmus, mit dem die Lufttemperaturen im Pazifikraum analysiert werden. Damit sei eine Vorhersage deutlich früher möglich.

Bereits die beiden letzten El-Niño-Ereignisse hätten mit längerem Vorlauf korrekt prognostiziert werden können, heißt es. Das alle paar Jahre in unregelmäßigen Abständen auftretende Phänomen wird von wärmeren Wassertemperaturen im tropischen Pazifik ausgelöst. In der Folge verschieben sich aufgrund von veränderten Luft- und Meeresströmungen weltweit Wetterbedingungen.

Als wichtiges Phänomen natürlicher Klima-Schwankungen kann El Niño etwa Überflutungen in Süd- und Nordamerika auslösen, Dürren in Australien und Missernten in Indien und in Südostasien.

Genauer als andere Modelle

Unwetter Felder

„Die konventionellen Methoden sind nicht zu einer verlässlichen El-Niño-Prognose mehr als sechs Monate im Voraus in der Lage“, sagte der beteiligte Gießener Physiker Armin Bunde. Eine frühere Prognose könne Landwirten in Südamerika, Asien und Australien helfen, sich auf die möglichen Folgen besser vorzubereiten.

Das verwendete Modell erlaube die Vorhersage, dass mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent El Niño im kommenden Jahr erneut auftreten werde, schreiben die Forscher um Josef Ludescher vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Beteiligt war auch die israelische Bar-Ilan Universität.

Die Forschergruppe nutzte für ihre Methode, über die sie bereits imJahr 2013 berichtet hatte, ein Netzwerk aus atmosphärischen Temperaturdaten im tropischen Pazifik. Das Verfahren bestimmt den Wissenschaftlern zufolge, wie die Temperaturen im Kerngebiet von El Niño in Äquatornähe mit denen außerhalb dieser Region verknüpft sind und gibt Alarm, sobald die Verknüpfungsstärke eine bestimmte Schwelle überschreitet.

„Der Algorithmus ist relativ einfach und kommt ohne die großenglobalen Klimamodelle aus“, erläuterte Bunde. Lediglich die Temperaturdaten in der Pazifikregion gingen in die Berechnungen ein. Über die Stärke von El Niño können die Wissenschaftler noch keine Aussage treffen: „Wir forschen im Augenblick daran, auch die Stärke vorherzusagen.“

Aktuell: El-Nino-Index für 2020 eher neutral

El Nino Index

Ein der wichtigsten Indikatoren für die Ausprägung des El-Nino-Phänomens ist der sogenannte Southern-Oscillation-Index (SOI). Der Normalbereich für den SOI, dass heißt mit einer relativ neutralen Wetterlage, liegt nach Einschätzung von Meteorlogen in einer Spanne von -7 und +7 Indexpunkten.

Negative SOI-Daten, die niedriger sind als -7, bedeuten eine wachsende Ausprägung des El-Ninos, mit Trockenheit und Hitze in Australien/Neuseeland sowie reichlich Niederschlägen in Teilen Süd- und Nordamerikas sowie Trockenheit in Zentralbrasilien und einem schwachen Monsun in Indien. Positive SOI-Daten, mit über +7 Indexpunkten weisen auf das entgegensetzte Phänomen La-Nina hin, meist mit ausgeprägtem Niederschlagsmangel in Teilen von Süd- und Nordamerika sowie reichlich Regen in Ozeanien.

Das staatliche australische Büro für Metrologie (BOM) berichtet aktuell: Im tropischen Pazifik haben sich die Gewässer im letzten Monat erwärmt, die Atmosphäre hat sich jedoch nur geringfügig verändert. Daher bleibt die El Niño-Southern Oscillation (ENSO) neutral. Der letzte 30-Tage-Southern Oscillation-Index (SOI) lag zuletzt bei –5,2 und zeigt ein neutraleres Niveau.

Die Mehrheit der Klimamodelle prognostiziert derzeit eine neutrale ENSO für den Rest des Jahres 2019 und für das erste Quartal 2020. Wenn ENSO neutral ist, hat dies nur geringe Auswirkungen auf das australische und globale Klima, sodass dann andere Einflüsse dominieren.

Mit Material von DPA, Australisches Büro für Metrologie (BOM) und Paper in Atmospheric and Oceanic Physics

Orginalpaper: Very early warning signal for El Niño in 2020 with a 4 in 5 likelihood

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