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Vegane Lebensmittel und Inflation

Beyond Meat und Oatly – vegane Superstars in schwerer Krise

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am Freitag, 18.11.2022 - 13:34 (10 Kommentare)

Die einstigen Superstars der veganen Ernährung müssen Federn lassen. Wirtschaftlich gesehen. Beyond Meat büßte 2022 rund 85 % an Börsenwert ein und Oatly schrumpfte um 80 %. Und die Aussichten sind keineswegs besser. Entlassungen und Einsparungen sind Programm - auch wenn Beyond Meat in Deutschland sein Angebot bei Rewe ausbauen will.

Beyond Meat.

Der in Kalifornien ansässige Hersteller alternativer Proteine ​​(Beyond Meat) meldete ebenso hohe Verluste wie der bekannteste Hersteller von Hafermilch (Oatly).

Beyond Meat stellte fest, dass die Umsatzeinbrüche auf „eine Kombination aus einer schwächer als erwarteten Nachfrage bei pflanzlichen Proteinen sowie einem veränderten Einkaufsverhalten von Kunden und Händlern herrührt“ sowie „ aus Preissenkungen in den USA und stärkeren Listenpreissenkungen in den EU“ entstehen, die Anfang 2022 umgesetzt wurden.

Ein stärkerer Dollar wurde ebenfalls als nachteilige Auswirkung angeführt, da die internationalen Einzelhandelsumsätze um über 50 % zurückgingen. Auch Oatly hat seine Prognose für das Gesamtjahr stark gekürzt. Die bekannteste Hafermilchmarke plant ebenso wie Beyond Meat massiven Personalabbau und rechnet mit jährlichen Einsparungen von bis zu 25 Millionen US-Dollar aus ihrer Reorganisationsstrategie.

„Die Ergebnisse des dritten Quartals lagen unter unseren Erwartungen, was hauptsächlich auf die COVID-19-Beschränkungen in Asien, Produktionsprobleme in Amerika und anhaltenden Gegenwind bei den Wechselkursen zurückzuführen ist“, sagte Toni Petersson, CEO von Oatly.

Beyond Meat Chef Ethan Brown sagt außerdem: „Obwohl die Ergebnisse dieses Quartals enttäuschend sind, mit einem starken Umsatzrückgang und den damit verbundenen Folgeeffekten, die von einem herausfordernden makroökonomischen Umfeld getrieben werden, setzen wir aggressive Maßnahmen um, um unsere kurzfristigen Aktivitäten positiv zu beeinflussen.

Dazu gehört auch, dass das Unternehmen seine derzeitige Belegschaft um etwa 200 Mitarbeiter abbaut, was etwa 19 % der gesamten weltweiten Belegschaft des Unternehmens entspricht.

Heftige Turbulenzen und viele Probleme

oatly börsenkusre.

Beyond Meat Chef Ethan Brown sprach einmal davon, die Welt zu verändern. Doch für beide Unternehmen scheint es jetzt ganz andere Herausforderungen zu geben. Vor allem das veränderte Kaufverhalten bei explodierenden Verbraucherpreisen erweist sich für die vergleichsweise teuren vergangen Produkte als großes Dilemma. Sinkende Umsätze, hohe Verluste und entlassene Mitarbeiter sprechen eine eindeutige Sprache.

Die aktuellen Börsenkurse spiegeln diese Krise wider. Als Gründe für die Krise führt Beyond Meat eine Reihe von Ursachen an, darunter die hohe Inflation, steigende Zinsen, zunehmende Besorgnis über eine Rezession, Covid, die Verfügbarkeit von Arbeitskräften und der Krieg in der Ukraine.

Ähnlich verhält es sich bei Oatly, dessen Kurse im November ebenfalls auf ein neues Tief abstürzten. Der börsennotierte Marktführer für Milchalternativen senkte seine Umsatzprognose, weil er Schwierigkeiten hatte, „neue Verbraucher von Milchprodukten für pflanzliche Milch zu gewinnen“.

Dies ist nicht nur für diese beiden Unternehmen, sondern für einen Großteil der veganen Ersatzprodukte ein besorgniserregender Trend. Diese Produkte werden in der Regel mit einem Preisaufschlag gegenüber konventionellen Fleisch- und Milchprodukten verkauft. Bei angespannten Lebenshaltungskosten ist dies aber offenbar ein Problem.

Toni Petersson, Chef von Oatly, ist jedoch überzeugt, dass die hohe Inflation kein Grund für anhaltend sinkenden Umsätze ist, und sagte Analysten, dass die Nachfrage nach pflanzlicher Milch trotz des zunehmenden Kostendrucks wachsen wird.

„Hier geht es nicht um die Nachfrage, hier geht es um das Wachstumstempo und darum, wie schnell Sie neue Verbraucher für den Bereich gewinnen können“, sagte er.

In Zeiten wirtschaftlicher Turbulenzen wird Belastbarkeit solcher Aussagen aber schnell auf die Probe gestellt. Zumindest Beyond Meat scheint sich des Problems bewusst zu sein. Das Unternehmen hat vor, seine Preise in ganz Europa zu senken und bietet außerdem seinen Flaggschiff-Burger künftig in 1.600 REWE-Märkten an.

Wer von beiden Unternehmen besser über die Runden kommt, wird in den kommenden Monaten sicherlich bis an die Grenzen getestet.

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