Beyond Meat stürzt ab: Wollen Verbraucher kein Kunstfleisch essen?
Beyond Meat und andere Hersteller pflanzlicher Ersatzprodukte kommen in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Steigende Rohstoffpreise, sinkende Verkaufspreise und mehr Wettbewerb, in einem deutlich langsamer wachsenden Markt, sind einige Ursachen. Doch es gibt noch mehr Gründe.
An den US-Börsen stürzte die Beyond Meat Aktie im Mai um 42 % nach unten, was die Kurse auf den niedrigsten Stand seit ihrem Börsengang Mitte 2019 drückte. Der Grund für den Absturz, der den Hersteller von pflanzlichen Fleischersatzprodukten auf Talfahrt schickte, war sein Finanzbericht für das erste Quartal. Er fiel noch weitaus schlechter aus, als Analysten und Investoren erwartet hatten, berichtet der Branchendienst „The Motley Fool“.
Beyond Meat meldete einen Umsatz von 109,5 Millionen US-Dollar, was einer Steigerung von gerade einmal 1,2 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die wirtschaftliche Lage des Unternehmens ist jedoch viel schlimmer, da die Rohertragsmarge mit 0,2 % weit unter den 30,2 % des Vorjahres lag. Unternehmens-Chef Ethan Brown sagte in einer Pressemitteilung, dass die sinkende Bruttomarge „zwar beträchtlich, aber vorübergehend“ sei, da das Unternehmen viel Geld für strategische Markteinführungen ausgegeben habe, die er als sehr „kostenintensiv“ bezeichnete.
Investoren und Analysten bleiben jedoch extrem skeptisch, was die aktuelle Situation und die weiteren Aussichten des Unternehmens (und anderer Fleischersatzerhersteller) in einem schwierigen und von Inflation und Kaufkraftverlust geprägten Umfeld betrifft.
Hohe Verluste - trotz reichlich neuer Produkte
Beyond Meat hatte eigentlich daran gearbeitet, seine Lieferkette zu stärken und die Produktion hochzufahren. Tatsächlich ist es wichtig festzustellen, dass der Rückgang des Nettoumsatzes vor allem das Ergebnis niedrigerer bzw. rückläufiger Preise für die Produkte war. Während das Gesamtvolumen der verkauften Produkte um 12,4 % stieg, wurde dieses Wachstum durch einen Rückgang der Preise um 10 % reduziert. Das Unternehmen will die Preislücke zwischen Fleischprodukten und pflanzlichen Ersatzprodukten schließen, aber die sinkenden Margen und fehlenden Gewinne sind auf Dauer nicht tragbar, kritisieren Analysten.
Die gute Nachricht für die Fans von pflanzlichen Fleischersatzprodukten ist, dass sich die Trends seit Ende 2021 leicht verbessert haben. Die Verkäufe an Einzelhändler wie Supermarktketten stiegen bis Anfang April um 7 %, verglichen mit einem drastischen Rückgang von 20 % im letzten Quartal 2021. Die meisten Investoren erwarteten jedoch insgesamt höhere Umsätze, wenn man bedenkt, dass Beyond Meat einige neue Produkte eingeführt und viel Geld für Marketing und Werbeaktionen ausgegeben hat.
Aber diese Schritte lösten keine große Erholung aus, und die Verbraucher scheinen im Vergleich zu früheren Phasen ihren Appetit auf vergleichsweise teure pflanzliche Proteinprodukte zu verlieren. Auf der finanziellen Seite des Geschäfts waren die Nachrichten noch schlimmer. Der Rentabilitätsrückgang von Beyond Meat beschleunigte sich im ersten Quartal, als der Bruttogewinn auf 0,2 Millionen US-Dollar einbrach.
Viel mehr Konkurrenz und hohe Rohstoffpreise
Beyond Meat erhöhte jedoch seine Ausgaben für Marketing sowie Forschung und Entwicklung. Diese Schritte helfen dem Unternehmen, „Fortschritte gegenüber unserem Ziel zu machen, das globale Proteinunternehmen von morgen aufzubauen“, sagte CEO Ethan Brown in einer Pressemitteilung.
Doch Analysten bleiben skeptisch: Das das Risiko wird derzeit sogar größer, da die Rohstoffpreise steigen und die Branche nur schleppend wächst. Diese Trends zusammen bedeuten, dass es eine Weile dauern kann, bis Beyond Meat auch nur annähernd die starke Rentabilität von 2020 wieder erreichen kann, sagen die Analysten von Motley Fools.
Außerdem sieht sich Beyond Meat weiterhin einer immer stärker werdenden Konkurrenz sowohl von Herstellern von alternativen Spezialproteinen (z. B. Impossible Foods) als auch von Lebensmittelgiganten der alten Schule, die ebenfalls in das Geschäft mit pflanzlichen Produkten eingestiegen sind (Tyson und Hormel) ausgesetzt. Die Preisschwächen von Beyond Meat Produkten (und Ersatzprodukten anderer Hersteller) während des ersten Quartals, sind auch ein Hinweis für ein äußerst wettbewerbsintensives Umfeld.
Inzwischen sind alternative Fleischsorten keine aufregenden Neuheiten mehr auf den Speisekarten von Restaurants und in den Supermarktregalen, sagen Analysten. Aufgrund des nachlassenden Trends und der ständig wachsenden Konkurrenz, schicken viele Investoren die Beyond Meat-Aktien deshalb weiter nach unten. Auch in dieser Woche.
Hier ist Ihre Meinung gefragt
Werden Sie Teil unserer Community und diskutieren Sie mit! Dazu benötigen Sie ein myDLV-Nutzerkonto.