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Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Energiewende und Klimawandel

Bill Gates baut ein Atomkraftwerk - um das Klima zu retten

Wyoming.
am Donnerstag, 02.12.2021 - 14:25 (1 Kommentar)

Bill Gates, Hightech-Milliardär und größter Besitzer von Farmland in den USA, baut ein modernes Atomkraftwerk. Das geschieht einer ländlichen Region, die vorher vor allem von Kohle gelebt hat. Die Gründe: Klimaschutz, sichere Energieversorgung und günstige Energiepreise.

Wyoming.

Bill Gates will mit dem von ihm gegründeten und mitfinanzierten Technologieunternehmen TerraPower seinen ersten modernen Kernreaktor in einer ehemaligen Kohlestadt bauen. Standort ist die Stadt Kemmerer, in dem einem auch sehr stark von Landwirtschaft geprägten Bundesstaat Wyoming - mit dem berühmten Yellowstone-Natonalpark.

Die Firma TerraPower, die unter anderem Laufwellen-Reaktoren (TWR) und Flüssigsalzreaktoren (MSR) entwickelt, wird durch das durch das von Bill Gates geführte Finanzunternehmen Cascade Investment finanziert. Cascade Investment kauft und betreibt im Übrigen auch die Bill Gates gehörenden Landwirtschaftsbetriebe bzw. das von Gates gekaufte Ackerland.

Das Atom-Kraftwerk soll etwa 4 Milliarden US-Dollar kosten, von denen die Hälfte von TerraPower und die andere von der US-Regierung kommen sollen, teilte das Unternehmen mit. Das Energieunternehmen Rocky Mountain Power soll die Anlage betreiben, die eine wichtige Rolle in der Dekarbonisierungs-Strategie des Energieunternehmens spielen soll.

Über die Lösung der globalen Energieprobleme vor dem Hintergrund der Klimakrise hat Microsoft-Gründer Gates in seinem Buch „How to Avoid“ geschrieben.“

Arbeitsplätze, sauberer Strom - Klimaschutz?

Atomkraftwerk Bill Gates.

Kemmerer, in Wyoming, war ursprünglich eine Kohlestadt in einer sehr ländlichen Region.Wyoming grenzt an die Bundesstaaten Süddakota, Nebraska, Montana und Idaho.

Die Stadt wurde 1897 von Bergleuten gegründet und beschäftigt heute noch Menschen in der Kohle- und Erdgasindustrie. TerraPower, ist ein ursprünglich von Bill Gates mitbegründetes Start-up, um die Funktionsweise von Kernreaktoren zu revolutionieren.

Das Werk in Kemmer soll bis 2028 errichtet werden. Der Bau der Anlage soll 2.000 Arbeitsplätze schaffen, sagte Chris Levesque, Chef von TerraPower, gegenüber dem US-Nachrichtendienst CBSN. Es wird in einer eigentlich von der Kohle- und Gasindustrie dominierten Region neue Arbeitsplätze im Bereich „saubere Energie“ schaffen.

Heute bieten ein lokales Kohle-Kraftwerk, ein Kohlebergwerk und eine Erdgasaufbereitungs-Anlage zusammen rund 400 Arbeitsplätze – eine beachtliche Zahl für eine Region mit nur rund 3.000 Einwohnern, berichtet CBNS. Nach dem Bau soll die Atom-Anlage 60 Jahre lang Strom liefern, sagte Levesque.

Wettbewerb mit China und Russland

Atomkraftwerk.

Neue Branchen, die in eine Gemeinde kommen, sind immr eine gute Nachricht“, sagte der Bürgermeister von Kemmerer, William Thek, gegenüber CNBC. „Sie müssen verstehen, die nächsten Städte sind rund 80 km oder mehr von Kemmerer entfernt."

Für TerraPower war die Standortwahl eine Frage von geologischen und technischen Faktoren wie seismischen und Bodenbedingungen sowie der Unterstützung der Gemeinschaft, sagte Levesque.

Nach dem Bau wird die Anlage eine Grundlast von 345 Megawatt liefern, mit dem Potenzial, ihre Kapazität auf 500 Megawatt zu erweitern. Mit 1 Gigawatt oder 1.000 Megawatt Energie kann nach Aussagen von TerraPower eine mittelgroße Stadt mit Strom versorgt werden.

Der Bau der Anlage wird etwa 4 Milliarden US-Dollar kosten, wobei die Hälfte dieses Geldes von TerraPower und die andere Hälfte vom US-Energieministeriums kommt.

„Das ist ein sehr ernstzunehmender Zuschuss der öffentlichen Hand“, sagte Levesque.„China und Russland bauen ebenfalls neue Werke mit fortschrittlichen Technologien wie der unseren und versuchen, diese Werke in viele andere Länder auf der ganzen Welt zu exportieren“, sagte Levesque.

Natrium ist die Lösung?

Die Kemmerer-Anlage wird die erste sein, die eine fortschrittliche nukleare Technologie auf der Basis von Natrium verwendet, das von TerraPower zusammen mit GE-Hitachi entwickelt wurde. Natriumreaktoren verwenden flüssiges Natrium als Kühlmittel anstelle von Wasser.

Natrium hat einen höheren Siedepunkt und kann mehr Wärme aufnehmen als Wasser, was bedeutet, dass sich im Reaktor kein hoher Druck aufbaut, wodurch die Explosionsgefahr verringert wird. Außerdem benötigen Natrium-Werke keine externe Energiequelle, um ihre Kühlsysteme zu betreiben, was im Falle einer Notabschaltung eine Schwachstelle darstellen kann.

Dies trug zur Katastrophe im Jahr 2011 im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi in Japan bei, als ein Tsunami die Dieselgeneratoren, die sein Reservekühlsystem betrieben, lahmlegte und zu einer Kernschmelze und Freisetzung von radioaktivem Material beitrug.

Technologie ist kostengünstig - mit wenig Abfall

Atomkraftwerk.

Die Natriumreaktoren sind zudem kleiner als konventionelle Kernkraftwerke, wodurch sie schneller und kostengünstiger zu bauen sind als konventionelle Kraftwerke.

TerraPower strebt an, die Kosten seiner Anlagen auf 1 Milliarde US-Dollar zu senken, ein Viertel des Budgets für die erste Anlage in Kemmerer. „Klar ist, dass die erste Anlage immer mehr kostet“, sagt Levesque.

Außerdem produzieren Natrium-Reaktoren weniger Abfall, ein problematisches und gefährliches Nebenprodukt der Kernspaltung. Das Werk in Kemmerer steht aber noch vor einigen Hürden, darunter die Genehmigung des Bundes.

„Es gibt ein umfassendes Lizenzierungsverfahren, das von der Nuclear Regulatory Commission überwacht wird, das ehrlich gesagt teuer ist“, sagte Levesque. „Es sind viele, viele Bewertungen und Genehmigungen erforderlich.“ Auch der Brennstoff, den die Natrium-Anlage verwendet, ist bisher noch nicht im kommerziellen Maßstab erhältlich.

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