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„Biomarken im Discounter – ein Risiko für kleine Betriebe“

Bioland Lidl
am
28.05.2019
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Nach eineinhalb Jahren Verhandlungen kooperiert Bioland mit Lidl. Die Ware des Bioverbandes gibt es seit einigen Monaten im Sortiment der Discounterkette. Doch das birgt Gefahren für kleine landwirtschaftliche Betriebe. Ein Kommentar. Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion und diskutieren Sie mit.

Autorenbild Maya Rychlik

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat die Tatsache begrüßt, dass es Biomarken nun auch im Discounter gibt. Die große Nachfrage sei eine Chance, das nationale Ziel von mehr Bioanbaufläche zu erreichen. Das Wachstum birgt jedoch Risiken für kleine Betriebe.

Lidl machte Zugeständnisse

Positiv ist, dass der Discounter-Riese Lidl für das Zustandekommen dieser Partnerschaft Zugeständnisse macht; so soll es mehrjährige Absatzgarantien und faire Erzeuger- und Herstellerpreise geben. Bioland-Produkte wird es laut Vereinbarung auch nicht für Schleuderpreise angeboten. Eine gemeinsame Ombudsstelle dient zur Vermittlung zwischen den beiden Partnern.

Bioland-Präsident Jan Plagge hält diesen Schritt für unausweichlich. Um als Verband beim ökologischen Umbau der Landwirtschaft mitzuwirken, könne man das Marktgeschehen nicht den Händlern überlassen, sagt Plagge.

Marktferne, ländliche Betriebe unter Preisdruck

Grundsätzlich sind die getroffenen Vereinbarungen gut. Sie können als Vorbild für weitere Bündnisse dieser Art gelten. Fraglich ist nur, welche Folgen das Modell für marktferne, ländliche Betriebe mit Direktvermarktung haben wird. Preislich können diese nämlich nicht mit Discountern mithalten.

Der müde, von der Arbeit gestresste Verbraucher wird es begrüßen, dass er Bioland-Ware abends im Discounter mitnehmen kann. Er spart sich den Extraweg zum Hofladen oder Wochenmarkt. Und billiger ist das Ganze auch noch, wunderbar! Folglich ist zu befürchten, dass hierzulande kleine direktvermarktende Biobetriebe aufgeben werden. Vom Bio-Fachhandel ganz zu schweigen.

Discounterriese interessiert am Wohlergehen der Erzeuger?

Ich frage mich, sind die Vorstände von Lidl wirklich an den Idealen von Bioland interessiert, oder will der Discounter mit der Aktion sein Image aufpolieren? Wieviel Geld wird beim Erzeuger der Lebensmittel ankommen? Wie sicher ist es, dass Lidl sich nicht nach günstigeren Alternativen im Ausland umschauen wird, falls die regionalen Erzeugerpreise zu hoch sind?

Ob Bündnis ein Erfolg wird, bleibt abzuwarten

Letztendlich kann man dem ganzen keinen Riegel vorschieben, ohne in die freie Marktwirtschaft einzugreifen. Die Sonderregelungen, die Bioland dank der zeitintensiven Verhandlungen im Verkaufsregal von Lidl erhält, sind durchaus vorbildlich für künftige Kooperationen zwischen Discounterketten und Bioverbänden. Eine Garantie, dass neue Bündnisse gleich oder ähnlich wie dieses Beispiel sind, gibt es aber nicht. Wie gut der Deal für die Biobetriebe funktionieren wird, muss sich noch zeigen.

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