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Biomarkt und Biolebensmittel

Biomarkt in der Krise – Schuld der Verbraucher?

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am Mittwoch, 28.12.2022 - 11:36 (2 Kommentare)

Der deutsche Biomarkt schrumpft zum ersten Mal überhaupt, berichtet der Deutsche Bauernverband. Die Umsätze gehen zurück und es gibt weniger Landwirte, die umstellen wollen. Der Ausblick für 2023 ist verhalten – um nicht zu sagen, die Krise könnte weiter gehen.

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Der deutsche Öko-Markt schrumpfte 2022 zum ersten Mal in seiner Geschichte, sagt der Deutsche Bauernverband (DBV) in einem aktuellen Marktbericht. Der Öko-Lebensmittelumsatz sank von Januar bis Oktober 2022 um 4,1 Prozent. Der Mengenrückgang belief sich auf 5,7 Prozent.

Dennoch wird der Öko-Umsatz mit voraussichtlich 15 Milliarden Euro immer noch 2,7 Milliarden Euro über dem Niveau von 2019 liegen. Und das heißt, der Öko-Markt konnte das sehr hohe Umsatzwachstum von 22 Prozent aus dem ersten Coronajahr in der Krise 2022 halten.

Die Discounter sind nach GfK-Daten auch bei Öko-Produkten 2022 die Gewinner des Trends zum „Billig“-Einkauf. Etliche Bio-Händler wie Superbiomarkt oder Reformhaus Bacher mussten wegen drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung Rettung in Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung suchen. Die Bio-Supermarktkette Basic hat beim Amtsgericht München ein Schutzschirmverfahren beantragt, um sich zu sanieren und die von Basic zugekaufte Biomarktkette Biomammut befindet sich ebenfalls in Insolvenz.

Bio-Fachgeschäfte und Hofläden stecken zum Teil in einer existenziellen Krise“, sagte der Handelsexperte Stephan Rüschen von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Heilbronn. Denn auch umweltbewusste Verbraucher hätten ihr Einkaufsverhalten wegen der hohen Inflation deutlich verändert. „Die Leute wollen weiterhin nachhaltig einkaufen und konsumieren, aber billiger – wegen der gesunkenen Kaufkraft“, betonte Rüschen.

Wenig Umsteller - verhaltener Ausblick

Bei den Discountern stieg der Öko-Umsatz von Januar bis Oktober immerhin noch um 14,5 Prozent. Im Vollsortiments-LEH blieb der Öko-Umsatz etwa gleich. Im Naturkostfachhandel und in der Direktvermarktung sank er hingegen dramatisch um 20 Prozent (Angaben der AMI nach GfK-Daten), berichtet der DBV. Viele Öko-Produkte sind im Discounter nur geringfügig preiswerter oder gleich teuer, aber das Preisimage lenkt den Konsum offenbar mehr als echte Preiskenntnis, beurteilt der DB die aktuelle Entwicklung.

So war die Öko-Trinkmilch von Sommer bis in den September hinein im Discount und LEH teurer als im Naturkostfachhandel, nachdem im Juni 2022 Aldi die Bio-Trinkmilchpreis auf einen Schlag um 50 Prozent erhöhte hatte. Die Öko-Umstellungstätigkeit der Landwirte blieb vor diesem Hintergrund im Jahr 2022 verhalten. Das half jedoch, die Biopreise auf Erzeugerpreise zu stabilisieren und bei etlichen wichtigen Öko-Rohstoffen gab es sogar Preissteigerungen. So stiegen 2022 die Preise für Weizen, Roggen und Hafer um über 20 Prozent und für Futterweizen um 17 Prozent.

Der Erzeugerpreis für Öko-Milch kletterten um über 20 Prozent von 51 auf 62 Cent/kg nach oben, der Preis für Bio-Schweinefleisch stieg um 9 Prozent und für Bio-Rindfleisch um 8 Prozent. Für Schlachtkühe aus der Biohaltung stagnierte der Erzeugerpreis indessen. Und die Preise für Dinkel erlebten wegen des relativ starken Angebotszuwachses offenbar eine Talfahrt. Der Öko-Eiermarkt stand ebenfalls unter Druck, was einen Rückgang der Legehennen-Bestände zur Folge hatte.

Die kurzfristigen Aussichten für den Ökolandbau beurteilt der DBV daher auch in 2023 verhalten. Bei einem Wiederanspringen der Konjunktur bzw. einer Konsolidierung der Verbrauchereinkommen darf aber mit Nachfragewachstum gerechnet werden, sagen die Experten des Bauernverbandes.

Doch danach sieht es im Moment nicht wirklich aus. So dürfte auch die Krise am Biomarkt auch noch länger dauern und politische Wachstumsziel von 30 % Biolandwirtschaft in weite Ferne rücken.

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