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Molkereibranche

BMI steckt in der Krise

am Montag, 25.11.2019 - 08:46 (Jetzt kommentieren)

Die Bayerische Milchindustrie eG (BMI) hinkt im Milchpreis deutlich hinter her. Viele Lieferanten wollen weg. So will die BMI die Krise überwinden.

BMI-Hochregallager-Jessen

Die Abkürzung BMI steht unter anderem für „Beste Milchideen“, so der Slogan der Molkereigenossenschaft Bayerische Milchindustrie. „Beste Milchideen“ fehlen der Molkerei momentan aber. Der Milchpreis ist auf 30,6 Cent/kg (4,25% Fett/3,4 % Eiweiß) netto seit September abgerutscht. Zuschläge für gentechnikfreie Fütterung und S-Zuschlag sind da schon enthalten.

Der Abstand zu den Nachbarmolkereien in Nordostbayern beträgt 3 bis 4 Cent, wie unser agrarheute-Milchpreisspiegel für Oktober zeigt. Selbst zu den Wettbewerbern wie DMK oder Sachsenmilch in Leppersdorf, die ohnehin schon nicht mit guten Auszahlungsleistungen glänzen, hinkt der BMI-Preis aktuell zwischen 1 und 2 Cent/kg hinterher.
 

Verbesserungen zum Jahreswechsel angestrebt

Auf agrarheute-Nachfrage teilt Vorstandsvorsitzender Dr. Thomas Obersojer mit, dass die gesamte Genossenschaft alles gebe, um schon zum Jahreswechsel eine Verbesserung herbeizuführen. „Konkrete Zahlen zu Zeiten und Milchpreisen zu nennen, wäre unseriös“, so Obersojer.

Doch die Zeit drängt. Vor allem die BMI-Lieferanten in Nordostbayern sind unruhig. Viele fragen bei benachbarten Molkereien nach Wechselmöglichkeiten nach. Nach groben Schätzungen sind weit über 70 Mio. kg Milch in Gefahr, wenn die BMI nicht so schnell wie möglich wieder in die Spur kommt. Auch aus den neuen Bundesländern hört man von etlichen kündigungswilligen Landwirten. Ende 2022 könnte die BMI so rund 10 Prozent ihrer Milchmengen verlieren. So mancher Standort im Norden Bayerns könnte in Gefahr geraten. Allerdings ist zu hören, dass Mitbewerber derzeit überfordert sind, so große Milchmengen aufzunehmen.

Laut BMI drohe für den Standort Jessen aber keine Unterversorgung mit Milch. In den letzten Jahren habe es gerade im Einzugsgebiet rund um Jessen großen Zulauf von Betrieben gegeben, auch in 2020 kämen Betriebe hinzu. „Dort führen wir aktuell Gespräche mit möglichen Neulieferanten. Zudem gibt es freie Milchmengen, die uns zum Auffüllen der benötigten Restmengen von Dritten angeboten werden“, versichert der Vorstandsvorsitzender.

Bisher noch wenig Kündigungen

BMI-Vorstand-Obersojer-Meier

Für 2021 seien laut BMI ein paar Kündigungen im unteren einstelligen Prozentbereich wirksam. „Für 2022 wird in den Reihen unserer Milcherzeuger intensiv diskutiert, die Entscheidungen werden jedoch erst gegen Jahresende getroffen“, sagt der Vorstandschef.

Bereits auf der Bilanzpressekonferenz Mitte 2019 bestätigte die BMI, dass die Kündigungen, die bereits Ende 2020 wirksam werden, sich unter 5 Prozent der BMI-Milchmenge bewegten, was bei einer Eigenanlieferung von 740 Mio. kg knapp unter 40 Mio. kg ausmacht.  Bereits 2018 hatte die BMi ein schwieriges Jahr zu verzeichnen.

„Wir verstehen die Sorgen und Nöte unserer Milcherzeuger. Der Abstand zu den Nachbarmolkereien ist im September gewachsen und die Liquidität fehlt unseren Landwirten in einer ohnehin schon schwierigen Phase. Dennoch, betrachtet man die letzten Jahre, konnte die BMI einen Milchpreis auf Höhe der Mitbewerber bezahlen, auch im 1. Halbjahr 2019“, beschwichtigt der BMI-Chef seine Lieferanten.

Er ist überzeugt, dass die BMI in 2020 wieder den Anschluss zu den Nachbarmolkereien erreichen werde, weil man verschiedene Maßnahmen ergriffen habe, um den Standort Jessen zu stabilisieren. Ebenso habe man weitere Optimierungen im Gesamtunternehmen durchführen können. „Deswegen hoffen wir, dass uns möglichst viele unserer langjährigen Lieferanten auf diesem Weg begleiten werden“, so Obersojer.

Nur so könne die BMI die Rohstoffsicherheit speziell für ihre vier bayerischen Werke, aber auch für den Standort in Jessen, sicherstellen.

Fehlplanungen in Jessen kosten viel Geld

Ein wesentlicher Grund für die BMI-Misere bereitet der Erweiterungs- und Neubau der Käserei am Standort Jessen in Sachsen-Anhalt. Im einem Schreiben an die Lieferanten nennt das Management erhebliche Fehlplanungen bei den Um- und Neubauten. Dadurch habe sich die Investition um voraussichtlich 38 Mio. Euro auf 110 Mio. Euro, also um mehr als 50 Prozent. Dort will die BMI 540 Mio. kg Milch pro Jahr verarbeiten und 50.000 t Käse herstellen.

In einem internen Schreiben räumt Obersojer aber auch Fehler der BMI-Verantwortlichen ein. Offen bleibt dabei, ob die Fehler dem früheren Vorstandsvorsitzenden Peter Hartmann, der Mitte des Jahres aus Altergründen ausgeschieden ist,  unterlaufen sind. Aber schon damals saß Dr. Obersojer auch mit im Vorstand.  

Derzeit ist die BMI daher auf Schadenbegrenzung aus. „Momentan prüfen wir, ob ausstehende Nachbesserungsmaßnahmen und Restarbeiten zum aktuellen Zeitpunkt unbedingt notwendig und wirtschaftlich sinnvoll sind oder ob wir diese verschieben können. Das Bauen im Bestand ist sehr komplex; manche Dinge sind erst inmitten der Ausführung zu Tage getreten, so dass Verbesserungen gegenüber dem Ursprungskonzept notwendig wurden“, stellt BMI-Chef Dr. Obersojer klar.

Große Probleme bei Käseproduktion

Doch nicht nur der Neubau ist teurer als geplant. Die Käseproduktion im neuen Werk läuft seit Monaten immer noch nicht störungsfrei. Die Folgen sind erhebliche Qualitätsmängel und und unzufriedene Kunden. Ein Teil der Ware kann die Molkerei nur unter Preiszugeständnissen als Schmelzkäse vermarkten, heißt es in einem internen Rundschreiben, das der agrarheute-Redaktion vorliegt. Hinzu kommt, die Käseproduktion im nordbayerischen Werk Langenfeld wurde vorzeitig eingestellt und nach Jessen verlagert.

Auf unsere Nachfrage teilt die BMI mit, dass bereits seit Wochen Nachbesserungen mit den Anlagenherstellen besprochen und vereinbart seien, deren Umsetzung jedoch Zeit koste. Den Betriebsleiter habe man bereits ausgewechselt. Zuletzt seien für die Bereiche Käserei und Lager externe Fachexperten eingesetzt, um die Molkereiansprüche gegenüber den Lieferanten durchzusetzen. Schließlich habe die Genossenschaft ein Leistungssteigerungsprogramm aufgesetzt, um die neuen Anlagen schneller und besser zu beherrschen und die noch notwendigen Optimierungen umzusetzen.
 

Absatzeinbrüche in Asien

Neben den hausgemachten Problemen hat die BMI auch noch mit negativen Entwicklungen Markt für Cheddar und für Molkenpulverderivate zu kämpfen.

Seit längerem leide der europäische Cheddarmarkt unter den billigen Importen aus Irland. In den USA koste Cheddar laut BMI ca. 40 Prozent mehr.

Aber auch die Preise für Molkenpulverderivate sind aufgrund des Nachfragezusammenbruchs infolge der afrikanischen Schweinepest in Asien, speziell China, drastisch gesunken.

Milchpreis muss schnell besser werden

Trotz aller eingeleiteten Maßnahmen sind BMI-Lieferanten skeptisch. Nur ein schneller, spürbarer Anstieg des Milchpreises auf ein marktübliches Niveau kann die Gemüter der Milchbauern besänftigen.

Immerhin hat die BMI eine weitere Absenkung des Milchpreises für Oktober nicht vorgenommen. Im entsprechendem Rundschreiben an die Lieferanten schloss die Geschäftsleitung damals diese Möglichkeit nicht aus. Im November-Rundschreiben ist davon keine Rede mehr.

Doch um eine größere Kündigungswelle im Dezember zu verhindern oder Kündiger wieder zurückzugewinnen, muss die BMI spätestens im Dezember erste Erfolge ihrer Restrukturierungsmaßnahmen vorweisen können.

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