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Aussenhandel

Brexit kostet Deutschland 100.000 Arbeitsplätze

Britische und Europa-Flagge
am
15.02.2019

Wenn Großbritannien die Europäische Union ohne Vertrag verlässt, hätte dies gravierende Folgen für den Außenhandel und den Arbeitsmarkt.

Insbesondere Deutschland wäre massiv betroffen. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) kommt in einer aktuellen Untersuchung zu dem Ergebnis, dass bei einem harten Brexit weltweit 600.000 Arbeitsplätze wegfallen könnten. Davon die meisten, nämlich mehr als 100.000 in Deutschland.

Industrie und Landwirtschaft betroffen

„Ein harter Brexit würde die globalen Wertschöpfungsketten durcheinanderwirbeln“, sagt der Studienautor Oliver Holtemöller, Leiter der Abteilung Makroökonomik am IWH. „Deshalb kann ein ungeregelter Austritt Großbritanniens aus der EU erhebliche Wohlstandseinbußen mit sich bringen. Aus ökonomischer Sicht bleibt zu hoffen, dass es doch noch zu einer Einigung kommt.“

Ein Blick auf die betroffenen Wirtschaftszweige zeigt, dass weltweit besonders Dienstleistungen, Landwirtschaft sowie Metall- und IT-Industrie stark betroffen sind. In Deutschland würde ein harter Brexit vor allem die Autoindustrie und ihre Zulieferer, aber auch die Landwirtschaft treffen. Weil die Märkte global vernetzt sind, sind zudem auch Länder und Zulieferer außerhalb der EU betroffen.

UK-Importe schrumpfen um ein Viertel

Die Berechnungen des IWH basieren auf der Annahme, dass in Großbritannien nach einem harten Brexit die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen aus der EU um ein Viertel sinkt, ohne dass sich die britische Nachfrage für Güter aus anderen Regionen erhöht. Grund dafür sind höhere Preise, denn Importe aus den verbleibenden EU-Staaten würden wegen neuer Zölle teurer.

Innerhalb der dann verkleinerten Europäischen Union könnten knapp 180.000 Arbeitsplätze in Firmen betroffen sein, die ihre Produkte direkt nach Großbritannien liefern. Weil die Märkte global vernetzt sind, sind jedoch auch Zulieferer betroffen, die außerhalb der EU angesiedelt sind. Das erklärt auch die starke Betroffenheit von Ländern wie China.

Weltweit 600.000 Arbeitsplätze in Gefahr

Wie die IWH-Studie auf Basis von Daten für 43 Länder zeigt, könnten weltweit mehr als 600.000 Arbeitskräfte die Folgen eines so genannten harten Brexits zu spüren bekommen.

Die größten Auswirkungen hätte demnach Deutschland mit mehr als 100.000 betroffenen Arbeitskräften zu verzeichnen. Dann folgt China mit knapp 60.000, Frankreich mit etwa 50.000 sowie Polen und Italien mit jeweils 46.000 Arbeitskräften.

Dabei sind Entlassungen nur eine von mehreren Möglichkeiten. Wegen des Fachkräftemangels in vielen Volkswirtschaften könnten Betriebe auch versuchen, ihr Personal zu halten, indem sie beispielsweise Kurzarbeit ansetzen oder neue Absatzmärkte erschließen.

Agrarverbände fordern Übergangsregeln

Containerschiff

Die europäischen Verbände der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft haben bereits vor geraumer Zeit branchenbezogene Vorsorgemaßnahmen der Politik angemahnt. So fordern Vertreter der EU-Ausschüsse der Bauernverbände (COPA) und Genossenschaften (COGECA), der Ernährungswirtschaft (FoodDrinkEurope) sowie des Nahrungsmittelhandels (CELCAA) vereinfachte Verfahren bei der Zollabwicklung sowie Sonderregeln zur Lebensmittelsicherheit und zum Pflanzenschutzrecht. 

Für den Fall eines ungeregelten Austritts und der dann geltenden Bedingungen der Welthandelsorganisation (WTO) werden vereinfachte Verfahren für die Lieferung von EU-Agrarerzeugnissen nach Großbritannien gefordert. So sollen die betreffenden Waren für eine Übergangszeit bereits am Ort der Erzeugung abgefertigt werden dürfen. Auf diese Weise könnten lange Wartezeiten an der Grenze vermieden werden. Zudem möchte man Produkte, die vor dem 30. März produziert wurden, von den Zollkontrollen gänzlich ausnehmen.

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