Login

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Handelskrieg USA/China

China-Deal: Die Märkte reagieren skeptisch

Agrarhandel
am Donnerstag, 16.01.2020 - 15:31 (Jetzt kommentieren)

Nach Abschluss des China-Deals reagieren die Märkte überraschend skeptisch. Man glaubt offenbar nicht, dass China sein Zusagen einhalten kann. Die Preise an den Terminmärkten geben am Donnerstag sowohl in den USA als auch in Europa nach.

Agrarhandel

Präsident Trump und der chinesische Vizepremier Liu unterzeichneten am Mittwoch im Weißen Haus ein Handelsabkommen. Vereinbart wurde, dass einige US-Zölle auf chinesische Waren gesenkt werden, um gleichzeitig chinesische Zusagen zum Kauf von mehr amerikanischen Agrar-, Energie- und Industriegütern zu erhalten.

Washington und Peking hatten bereits am Mittwoch das so gennannte Phase-1-Handelsabkommen unterzeichnet, mit dem die Spannungen nach fast zweijährigem Handelskrieg abgebaut werden sollen. Das Herzstück des Deals ist die Zusage Chinas, den Kauf von US-amerikanischen Agrarprodukten und anderen Waren und Dienstleistungen zu verstärken.

"Dieses Abkommen wird funktionieren, wenn China es will. Die Menschen, mit denen ich in China zu tun habe, wollen, dass es funktioniert", sagte der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer in einer Pressekonferenz, bevor das Dokument von US-Präsident Donald Trump und Vizepremier Liu He unterzeichnet wurde.

Doch die Märkte reagierten trotz des Vertragsabschlusses verunsicher und skeptisch. Am US-Terminmarkt in Chicago gaben vor allem die Sojabohnen-Preise am Mittwoch und am Donnerstag deutlich nach, und rutschten auf den niedrigsten Stand seit fast einem Monat. Belastet wird der Markt von der wachsenden Skepsis der Marktakteure, ob China die zwischen den beiden Ländern vereinbarten Käufe auch wirklich einhalten wird.

Analysten bleiben skeptisch

Getreideschiff

"Die Schwäche der Sojabohnenpreise ist darauf zurückzuführen, dass erhebliche Skepsis besteht, ob China tatsächlich die Mengen US-amerikanischer Agrarerzeugnisse kaufen wird, die es im Handelsabkommen zugesagt hat", sagte die ein Händler der Commerzbank. Die Zusage Chinas, US-amerikanische Agrarerzeugnisse auf der Grundlage der "Marktbedingungen" zu kaufen, führte jedoch zu Zweifeln an der Größe künftiger Käufe.

"Möglicherweise würde China riskieren, dass sein Markt massiv überversorgt ist, was die Inlandspreise drücken würde und den Agrarsektor des Landes ruinieren würde", fügte die Commerzbank hinzu.

"Chinas Marktbedingungen dürften für den Import von Sojabohnen ungünstig sein, da wegen der Afrikanischen Schweinepest deutlich weniger Schweine in China vorhanden sind als vor dem Handelskrieg", sagte Phin Ziebell, Agrarökonom bei der National Australia Bank.

China macht weitreichende Zusagen – USA senkt Zölle

Soja Verladen

China erklärte sich in dem Abkommen bereit, die Käufe amerikanischer Produkte und Dienstleistungen in den nächsten zwei Jahren auf mindestens 200 Milliarden US-Dollar zu erhöhen. China kaufte 2017 (vor Beginn des Handelskrieges) US-Waren im Wert von 130 Milliarden US-Dollar und Dienstleistungen im Wert von 56 Milliarden US-Dollar.

Nun haben die Chinesen im Laufe der nächsten zwei Jahren zusätzliche Importe von 77,7 Milliarden US-Dollar im Vergleich zu 2017 zugesagt, meldet die Nachrichtenagenatur Reuters. Das Abkommen sieht für 2020 eine Steigerung von 32,9 Milliarden US-Dollar und im Jahr 2021 eine Steigerung von 44,8 Milliarden US-Dollar vor. Zusätzliche Käufe von US-Agrarprodukten will China in den nächsten zwei Jahren in Höhe von 32 Milliarden US-Dollar sicherstellen, berichtete  Reuters.

Gleichzeitig wollen die USA den seit 1. September für eine 120-Milliarden-Dollar-Liste chinesischer Waren geltenden Zollsatz auf 7,5 % halbieren. US-Zölle von 25 %, auf chinesische Waren im Wert von 250 Milliarden US-Dollar, die schon zuvor eingeführt wurden, bleiben zunächst unverändert. Diese könnten im Rahmen einer Phase-2-Handelsvereinbarung zurückgenommen werden, sagte der US-Finanzminister Steven Mnuchin am Mittwoch.

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...