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Unwetter und Landwirtschaft

China: Flutkatastrophe tötet Millionen Schweine und überflutet Äcker

Der Schaden für Chinas Agrarwirtschaft ist sehr hoch.
am Dienstag, 18.08.2020 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Noch hat sich China nicht von den Folgen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) und der Corona-Krise erholt. Da trifft das Land die nächste Katastrophe.

Satellitenfoto des überfluteten Gebietes im Jangtse-Delta in China

Sintflutartige Regenfälle entlang des Flussbeckens des Jangtse, haben im Süden und Osten Chinas, zu Überflutungen von Ackerland geführt und möglicherweise Millionen Schweine getötet. Gleichzeitig breitet sich mit der Flut die Afrikanische Schweinepest (ASP) erneut aus. Die überfluteten Flächen gehören zudem zu den wichtigsten Reis-Anbaugebieten in China.

Die chinesischen Verbraucher sehen sich angesichts der zunehmenden Knappheit von Nahrungsmitteln erneut mit steigenden Verbraucherpreisen konfrontiert. Chinesische Medien berichten, dass die Überflutungen in einigen Regionen Höhen erreicht haben, die es seit der schlimmen Flut im Jahr 1998 nicht mehr gegeben hat.

Nach Angaben des chinesischen Ministeriums für Wasserressourcen waren 443 Flüsse im ganzen Land betroffen, von denen 33 auf den höchsten jemals gemessenen Wert anstiegen.

Große Flächen in China sind überflutet

überflutete Reisfelder in China

Weite Gebiete des Jangtse-Beckens, einschließlich eines großen Gebietes mit Reisanbau, befinden sich vollständig unter Wasser, berichten chinesische Medien. Hou Liwei, Wissenschaftler am Institut für Agrarökonomie der Akademie der Agrarwissenschaften, sagt, dass die größer werdende Lücke zwischen nationalen und internationalen Getreidepreisen dazu führen kann, dass die Mais- und Getreideimporte spürbar zunehmen werden.

Hinzu kommt: "Die Lieferketten landwirtschaftlicher Produkte sind blockiert, insbesondere seit der Corona-Epidemie", sagt Liwei weiter. Li Yao, Fellow an der National University of Singapore, schätzt, dass die Fluten im Jahr 2020 mehr als 20.000 Quadratkilometer chinesisches Ackerland überschwemmt haben. Er sagt, dass es Anzeichen dafür gibt, dass die Überschwemmungen im Jahr 2020 erhebliche Teile der Reisernte zerstören könnten.

Die schweren Überschwemmungen aus dem Jahr 2016 deckten fast die gleiche Fläche an Ackerland ab wie 2020, während die Wassermassen im Jahr 1998 mehr als 80.000 Quadratkilometer Ackerland überflutetet hatten.

Die übermäßigen Niederschläge und Überschwemmungen in weiten Teilen des unteren Jangtse-Tals hatten zuletzt die Befürchtungen von immer mehr nationalen und internationalen Analysten verstärkt, dass die kommende chinesische Reisernte spürbar geschädigt wurde.

Zentrum des chinesischen Reisanbaus ist bedroht

Das USDA hat die chinesische Reisernte nach unten korrigiert.

Die Niederschlagsmenge hat seit Anfang Juli zugenommen und lag für diese Jahreszeit im südlichen Jangtse-Tal, einem Kerngebiet der Reisproduktion,  über 200 Millimeter über dem Normalwert. Satellitendaten deuten auf schwere Überschwemmungen in den südlichen Provinzen des Jangtse-Tals hin, darunter Jiangsu, Anhui und Hubei. Diese drei Provinzen erzeugen etwa 56,0 Millionen Tonnen Reis oder 39 Prozent der gesamten chinesischen Reisernte.

Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) ging im August davon aus, dass die chinesische Reisernte wegen der Überflutungen um rund 2,0 Millionen Tonnen oder 1 Prozent schrumpfen wird. Der Rohstoffanalyst Darin Friedrichs, aus Shanghai, sagt gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass die Gemüse- und Schweinefleischpreise in China seit Ende Juli infolge der Überschwemmungen wieder kräftig steigen. Der Zeitpunkt der Überflutungen half indessen einigen wichtigen Getreidearten wie Weizen, die bereits geerntet waren, bevor die große Flut kam. Das trifft für den Reis jedoch nicht zu.

Weiter heißt es: "Noch sei der Markt aber nicht allzu besorgt über mögliche hochwasserbedingte Engpässe. Ein Problem sei jedoch, dass hunderttausende Landwirte durch die Überschwemmungen von ihren Betrieben vertrieben wurden".

In China ist seit dem Ausbruch von ASP und auch nach der Corona-Pandemie eine starke Nahrungsmittelinflation zu beobachten. Nach Angaben des Nationalen Informationszentrums für Getreide hat sich der Preisunterschied zwischen inländischem und ausländischem Mais zum 30. Juni auf 638 Yuan (91 US-Dollar) pro Tonne vergrößert. Und die Preise für Lebensmittel steigen mit der Flut auf breiter Front – und höhere Preise bedeuten Knappheit – oder auch logistische Probleme.

Li Suoqiang, Direktor der Abteilung für ländliche Gebiete beim Nationalen Statistikamt, sagte jedoch gegenüber internationalen Journalisten: "Es besteht derzeit kein Grund zur Sorge um die allgemeine Ernährungssicherheit in China im Jahr 2020."

Schweinpest breitet sich in China mit der Flut aus

Schweine stehen knöcheltief in Wasser im Stall

Chinas Schweineherde schrumpfte im vergangenen Jahr wegen ASP um rund 180 Millionen Tiere oder 40 Prozent. Mit Unterstützung der Regierung bauten Schweineproduzenten zuletzt neue Farmen und stockten ihre Bestände wieder auf. Die starken Regenfälle und Überschwemmungen im Süden Chinas scheinen nun aber neue ASP-Fälle auszulösen, sagte Zheng Lili, Chefanalyst bei einer Beratungsfirma, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Eine Umfrage unter kleinen Schweinezüchtern, Händlern und Schlachthöfen ergab, dass seit den starken Regenfällen dutzende neue Fälle von Afrikanischer Schweinepest aufgetreten sind. "Auch die mittleren und großen Farmen waren betroffen", sagte Zheng. Viele Ausbrüche werden jedoch offiziell nicht gemeldet.

Ein Beamter der Veterinärabteilung des Landwirtschaftsbüros in Guangxi berichtete gegenüber Reuters, dass in letzter Zeit in der gesamten Region keine Berichte über Ausbrüche der Afrikanischen Schweinepest eingegangen seien. Zheng befürchtet hingegen: "Wenn es weiter so stark regnet, könnten die Schweinebestände in einigen Provinzen wie Sichuan, Guangdong, Guangxi und Jiangxi um bis zu 20 Prozent schrumpfen“.

Millionen Schweine in China ertrunken?

Die Preise für lebende Schweine im Süden China sind jedenfalls schon kräftig gestiegen. Viele kleine Farmen sind nicht gegen solche Fluten gerüstet, sagte ein Analyst. In einigen Provinzen sei die Wiederaufstockung der Bestände deshalb „rückwärts gegangen“, sagte er, „wobei kleine Schweinezüchter offenbar stärker betroffen seien als größere Betriebe."

Anfang Juli zeigten die chinesischen Nachrichtenmedien Bilder von einem chinesischen Bauern, der durch die Fluten watete, in denen Tausende von Schweinen zu ertrinken drohten. "Mehr als tausend Schweine haben allein in diesem Betrieb keine Hoffnung zu überleben", sagte der chinesische Nachrichtensprecher dazu.

Wie viele Schweine insgesamt durch die Flut in China gestorben sind, ist jedoch bisher unklar. Ping Chew, Chefanalyst bei Rabobank Research in Asien, sagt, dass in den letzten Wochen möglicherweise 20 Millionen Schweine in China ertrunken sein könnten. Dies entspricht etwa 5 Prozent der derzeitigen chinesischen Schweinepopulation von 340 Millionen Tieren. Das genaue Ausmaß des Schadens wird aber erst in den kommenden Monaten klar werden.

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